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10 (1898) Französische Zustände : 2
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146 Französische Zustände. ll.

worden wäre, daß man kaum seine llnschuldscrklttrung gehört hat.Die erhabenen Himmelfahrtsworte, die Chateaubriand und seineGenossen beständig paraphrasieren: ,?ils äs Luint 4,onis, inontsan orsl!" diese Worte sind auf dem Schafotte gar nicht gesprochenworden, sie passen gar nicht zu dem nüchternen Werkcltagscharakterdes guten Edgeworth, dem sie in den Mund gelegt werden, und siesind die Erfindung eines damaligen Journalisten, NamcnS CharlesHiß, der sie denselben Dag drucken ließ. Dergleichen Berichtigungist freilich sehr uuuülz; diese Worte stehen seht ebenfalls in allenKompendien, sie sind schon längst auswendig gelernt, und die armeSchuljugend müßte noch obendrein auswendig lernen, daß dieseWorte nie gesprochen worden.

Es ist nicht zu leugnen, daß Delarvche absichtlich durch seinausgestelltes Bild zu geschichtlichen Verglcichuugen aufforderte, und,wie zwischen Ludwig XVI. und Karl I., wurden auch zwischenCromwell und Napoleon beständig Parallelen gezogen. Ich darf abersagen, daß beiden unrecht geschah, wenn man sie miteinander ver-glich. Denn Napoleon blieb frei von der schlimmsten Blutschuld;die Hinrichtung des Herzogs von Enghicn war nur ein Meuchelmord;Cromwell aber sank nie so tief, daß er sich von einem Priester zumKaiser salben ließ und, ein abtrünniger Sohn der Revolution, diegekrönte Vctterschaft der Cäsaren crbuhltc. In dem Leben des einenist ein Blutfleck, in dem Leben dcS andern ein Ölfleck. Wohl fühltensie aber beide die geheime Schuld. Dem Bonaparte, der einWashington von Europa werden konnte, und nur dessen Napoleonward, ihm ist nie wohl geworden in seinem kaiserlichen Purpurmantcl; ihn verfolgte die Freiheit, wie der Geist einer erschlagenenMutter; er hörte überall ihre Stimme, sogar deS Nachts, aus denArmen der anvermähltcn Legitimität, schreckte sie ihn vom Lager;und dann sah man ihn hastig umherrcnncn in den hallenden Ge-mächern der Tnilcrien, und er schalt und tobte; und wen» er danndes Morgens bleich und müde in den Staatsrat kam, so klagte erüber Ideologie, und wieder Ideologie, und sehr gefährliche Ideologie,und Corvisart schüttelte das Haupt.

Wenn Cromwell ebenfalls nicht ruhig schlafen konnte und desNachts ängstlich in Whitchall umherlief, so war es nicht, wie frommeKavaliere meinten, ein blutiges KönigSgespcnst, was ihn verfolgte,sondern die Furcht vor den leiblichen Rächern seiner Schuld; er fürchtetedie materiellen Dolche der Feinde, und deshalb trug er unter demWams immer einen Harnisch, und er wurde immer mißtrauischer,und endlich gar, als das Büchlein erschien: „Tölen ist kein Mord",da hat Oliver Cromwell nie mehr gelächelt.

Wenn aber die Bcrglcichung des Protektors und des Kaiserswenig Ähnlichkeit bietet, so ist die Ausbeute desto reicher bei de»