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10 (1898) Französische Zustände : 2
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144 Französische Zustände. II.

gestorben? Ich glaube, weil dieser, als er starb, kein Königmehr war, weil er, als sein Haupt fiel, schon vorher dieKrone verloren hatte. König Karl verlor aber die Krone nur mitdem Haupt selbst. Er glaubte an diese Krone, an sein absolutesRecht; er kämpfte dafür, wie ein Ritter, kühn und schlank; er starbadelig stolz, Protestierend gegen die Gesetzlichkeit seines Gerichts, einwahrer Märtyrer des Königtums von Gottes Gnaden. Der armeBonrbon verdient nicht diesen Ruhm, sein Haupt war schon durcheine Jakobinermütze entkönigt; er glaubte nicht mehr an sich selber,er glaubte fest an die Kompetenz seiner Richter, er beteuerte nurseine Unschuld; er war wirklich bürgerlich tugendhaft, ein guter,nicht sehr magerer HanSvater: sein Tod hat mehr einen sentimentalenals einen tragischen Charakter, er erinnert allzusehr an AugustLafontaines Familienromane — Eine Thränc für Ludwig Capet,einen Lorbeer für Karl Stuart!

„IIn Plagiat intamg cl'nn orims strunAsr" sind die Worte,womit der Vieomte Chateaubriand jene trübe Begebenheit bezeichnet,die einst am LI. Januar ans der Place de la Concorde stattfand.Er macht den Vorschlag, ans dieser Stelle eine Fontaine zu errichten,deren Wasser aus einem großen Becken von schwarzem Marmorhervorsprudeln, um abzuwaschen — „ihr wißt wohl, was ich meine",setzt er Pathetisch geheimnisvoll hinzu. Der Tod Ludwigs XVI. istüberhaupt das beflvrte Paradepferd, worauf der edle Vicomte sichbeständig hcrnmtnmmelt; seit Jahr und Tag cxploitiert er die Himmelfahrt des Sohnes des heiligen Ludwig, und eben die raffinierteGiftdürftigkeit, womit er dabei deklamiert, und seine wcitgeholtenTranerwitze zeugen von keinem wahren Schmerze. Am allerfatalsienist eS, wenn seine Worte wiederhallen aus den Herzen des FanbonrgSaint-Gcrmain, wenn dort die alten Emigrantcnkotcrien mit heuch-lerischen Seufzern noch immer über Ludwig XVI. jammern, alswären sie seine eigentlichen Angehörigen, als habe er eigentlich ihnenzugehört, als wären sie besonders bevorrechtet, seinen Tod zu be-trauern. lind doch ist dieser Tod ein allgemeines Weltnnglück ge-wesen, das den geringsten Tagelöhner ebensogut betraf, wie denhöchsten Ceremonienmeister der Tnilcricn, und das jedeS fühlendeMenschenherz mit unendlichem Kummer erfüllen mußte. O, derfeinen Sippschaft! seit sie nicht mehr unsere legitimsten Freudenusurpieren kann, usurpiert sie unsere legitimsten Schmerzen.

Es ist vielleicht an der Zeit, einerseits das allgemeine Volksrechtsolcher Schmerzen zu vindizieren, damit sich das Volk nicht einredenlasse, nicht ihm gehörten die Könige, sondern einigen Auserwähltcn,die das Privilegium haben, jedes königliche Mißgeschick als ihr eigeneszu bejammern; andererseits ist es vielleicht an der Zeit, jene Schinerzenlaut auszusprechen, da es jetzt wieder einige eiskluge StaatSgrllbler