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Französische Anstänke. II.
gefangener König, wie Sterne so richtig fühlt, ist schon an nnd fürsich ein wehmütiger Gedanke; und hier ist der gefangene König nochbeinahe ein nnschuldiger Knabe, und hilflos preisgegeben eineintückischen Mörder. Trotz seines zarten Alters scheint er schon vielgelitten zu haben; in seinem bleichen, kranken Antlitz liegt schontragische Hoheit, und seine Füße, die mit ihren langen, blansammetnenSchnabelschuhcn vom Lager herabhängen und doch nicht den Bodenberühren, geben ihm gar ein gebrochen Ansehen, wie das einer ge-knickten Blume. Alles daS ist, wie gesagt, sehr einfach, nnd wirktdesto mächtiger. Ach! es hat mich noch um so mehr bewegt, da ichin dem Antlitz des unglücklichen Prinzen die lieben Freundesaugenentdeckte, die mir so oft zugelächelt, nnd mit noch lieberen Augenso lieblich verwandt waren. Wenn ich vor dem Gemälde des Delarochcstand, kam es mir immer ins Gedächtnis, wie ich einst auf einemschönen Schlosse im teuren Polen vor dem Bilde des Freundes standnnd mit seiner holden Schwester von ihm sprach und ihre Altgenheinilich verglich mit den Augen des Freundes. Wir sprachen auchvon dem Maler des Bildes, der kurz vorher gestorben, nnd wie dieMenschen dahinsterben, einer »ach dem andern — Ach! der liebeFreund selbst ist jetzt tot, erschossen bei Praga, die holden Lichterder schonen Schwester sind ebenfalls erloschen, ihr Schloß ist abge-brannt, und es wird mir einsam ängstlich zu Mute, wenn ichbedenke, daß nicht bloß unsere Lieben so schnell aus der Welt ver-schwinden, sondern sogar von dem Schauplatz, wo wir mit ihnengelebt, keine Spur zurückbleibt, als hätte nichts davon existiert, alssei alles nur ein Traum.
Indessen noch weit schmerzlichere Gefühle erregt das andereGemälde von Delnroche, das eine andere Sccnc ans der englischenGeschichte darstellt. Es ist eine Sccne aus jener entsetzlichen Tragödie,die auch ins Französische übersetzt worden ist nnd so viele Thränengekostet hat diesseits und jenseits des Kanals, und die auch dendeutschen Zuschauer so tief erschüttert. Auf dem Gemälde sehen wirdie beiden Helden des Stücks, den einen als Leiche im Sarge, denandern in voller Lebenskraft nnd den Sargdeckel aushebend, um dentoten Feind zu betrachten. Oder sind es etwa nicht die Helden selbst,sondern nur Schauspieler, denen vom Direktor der Welt ihre Rollevorgeschrieben war, nnd die vielleicht, ohne es zu wissen, zweikämpfende Prinzipien tragicrten? Ich will sie hier nicht nennen,die beiden feindseligen Prinzipien, die zwei großen Gedanken, diesich vielleicht schon in der schaffenden Gottesbrust befehdeten, unddie wir auf diesem Gemälde einander gegenüber sehen, das eineschmählich verwundet und verblutend, in der Person von KarlStuart, daS andere keck und siegreich, in der Person von OliverCromwell.