Druckschrift 
10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Kmistberichte ans Paris,

141

Kriegshandtvcrk des Adels, auch die Federn auf dein Hute sind nachkeck und bewegen sich nicht ganz nach dein Hofwind, Die Haare derMänner wallen noch in natürlichen Locken über die Schulter, unddie Damen tragen die witzige Frisur ä. In Lsvi^ns, Die Kleiderder Damen melden indes schon einen Übergang in die langschleppcnde,wcitaufgebanschtc Abgeschmacktheit der späteren Periode, Die Korsettssind aber noch naib zierlich, und die weißen Reize quellen daraushervor, wie Blumen aus einem Füllhorn, Es sind lauter hübscheDamen ans dem Bilde, lauter hübsche Hofmasken; auf den Gesichternlächelnde Liebe, und vielleicht graner Trübsinn im Herzen, die Lippenunschuldig, wie Blumen, und dahinter ein böses Zünglein, wie diekluge Schlange, Tändelnd und zischelnd sitzen drei dieser Damen,neben ihnen ein feinöhriger, spitzängigcr Priester mit lauschenderNase, vor der linken Seite des Krankenbettes, Bor der rechten Seitesitzen drei Chevaliers und eine Dame, die Karten spielen, wahrschein-lich Landsknecht, ein sehr gutes Spiel, das ich selbst in Göttingengespielt und worin ich einmal sechs Thaler gewonnen. Ein edlerHofmnnn in einem dnnkelviolcttcn, rvtbekrcnzten Sammetmantel stehtin der Mitte des Zimmers und macht die kratzfüßigstc Verbeugung,Am rechten Ende des Gemäldes ergehen sich zwei Hofdamen und einAbbs, welcher der einen ein Papier zu lesen gicbt, vielleicht einSonett von eigener Fabrik, während er nach der andern schielt. Diesespielt hastig mit ihrem Fächer, dein lustigen Telegraphen der Liebe,Beide Damen sind allerliebste Geschöpfe, die eine mvrgenrötlichblühend wie eine Rose, die andere etwas dämmernngssiichtig, wieein schmachtender Stern, Im Hintergrund des Gemäldes sitzt eben-falls schwatzendes Hofgesinde und erzählt einander vielleicht allerleiStaatSnnterrockSgeheimnisse oder wettet vielleicht, daß der Mazarinin einer Stunde tot sei. Mit diesem scheint es wirklich zu Ende zugehen; sein Gesicht ist leichenblaß, sein Auge gebrochen, seine Nasebedenklich spitz, in seiner Seele erlischt allmählich jene Flamme, diewir Leben nennen, in ihm wird eS dunkel und kalt, der Flügelschlagdes nächtlichen Engels berührt schon seine Stirne; — in diesemAugenblick wendet sich zu ihm die spielende Dame und zeigt ihmihre Karten und scheint ihn zu fragen, ob sie mit ihrem Coeurtrumpfen soll?

Die zwei andern Gemälde voll Dclaroche geben Gestalten ausder englischen Geschichte, Sie sind in Lebensgröße und einfachergemalt, DnS eine zeigt die beiden Prinzen im Tower, die Richard III,ermorden läßt. Der junge König und sein jüngerer Bruder sitzenans einem altertümlichen Ruhebette, und gegen die Thür des GcsttngnisseS läuft ihr kleines Hündchen, das durch Bellen die Anknnftder Mörder zu verraten scheint. Der junge König, noch halb Knabeund schon halb Jüngling, ist eine überaus rührende Gestalt, Ein