l4l> Französisch«! Zustände, H.
für die Vcranschanlichnng ihres Geistes, für Gejchichtschreibnng mitFarben, Diese Neigung zeigt sich jetzt bei dein grässten Teile derfranzösischen Maler; der' Salvn war erfüllt mit Darstellungen ausder Geschichte, und die Namen Deveria, Stenden und Johannot ver-dienen hier die ausgezeichnetste Erwähnung, Auch in den Schwester-künsten herrscht eine solche Neigung, zumal in der poetischen Litteraturder Franzosen, wo Victor Hugo ihr am glänzendsten huldigt. Dieneuesten Fortschritte der Franzosen in der Wissenschaft der Geschichteund ihre großen Leistungen in der wirklichen Geschichtschreibung sinddaher keine isolierten Erscheinungen,
Delaroche, der große Historienmaler, hat vier Stücke zur diesjährigen Ausstellung geliefert. Zwei derselben beziehen sich auf diefranzösische, die zwei andern auf die englische Geschichte, Die beide»ersten sind gleich kleinen kkinfangs, fast wie sogenannte Kabinettstücke,und sehr figurenreich und pittoresk. Das eine stellt den KardinalRichelieu vor, „der sterbekrank von TarnScon die Rhone hinauffährtund selbst, in einem Kahne, der hinter seinem eigenen Kahne befestigt ist, den Cinq-Mars und den de Thon nach Lyon führt, umsie dort köpfen zu lassen". Zwei Kähne, die hintereinander fahren,sind zwar eine nnkiinstlcrische Conceptivn, doch ist sie hier mit vielemGeschick behandelt. Die Farbengebung ist glänzend, ja blendend, unddie Gestalten schwimmen fast im strahlenden Abendgold, Dieses kon-trastiert um so wehmütiger mit dein Geschick, dem die drei Hanpifignren entgegenfahren. Die zwei blühenden Jünglinge werden zurHinrichtung geschleppt, und zwar von einem sterbenden Greise, Wiebunt geschmückt auch diese Kähne sind, so schiffen sie doch hinab insSchaltenreich des Todes- Die herrlichen Goldstrahlcn der Sonnesind nur Schcidegrüßc, es ist Abendzeit, und sie muß ebenfalls untergehen; sie wird nur noch einen blutroten Lichtstrcis über die Erdewerfen, und dann ist alles Nacht,
Ebenso farbenglänzend und in seiner Bedeutung ebenso tragischist das historische Seitenstück, das ebenfalls einen sterbenden KardinalMinistcr, den Mazarin, darstellt. Er liegt in einem bunten Prachtbette, in der buntesten Umgebung von lustigen Hvsleuten undDienerschaft, die miteinander schwatzen und Karten spielen undnniherspaziercn, lauter sarbcnschillernde, überflüssige Personen, amüberflüssigsten für einen Mann, der ans dem Totenbette liegt. HübscheKostüme nnS der Zeit der Fronde, noch nicht überladen mit Goldtrvddeln, Stickereien, Bändern und Spitzen, wie in Ludwigs XIV,späterer Prachtzeit, wo die letzten Ritter sich in hoffähige Kavaliereverwandelten, ganz in der Weise, wie auch das Schlachtschwert sichallmählich verfeinerte, bis es endlich ein alberner Galantcriedegenwurde. Die Trachten auf dem Gemälde, wovon ich spreche, sindnoch einfach, Rock und Koller erinnern noch an das ursprüngliche