Kimstberichte ans Paris.
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schrittencn Grenze der Jungfräulichkeit, ganz gottrein und doch wclt-bcflcckt, ivie eine entweihte Hostie. Ihr Kopf ist wunderbar anmutigund unheimlich liebenswürdig; schwarze Locken, wie kurze Schlangen,die nicht herabflattern, sondern sich bäumen, furchtbar graziös. DasGesicht ist etwas beschattet, und süße Wildheit, düstere Holdseligkeitund sentimentaler Grimm rieselt durch die edlen Züge der tödlichenSchönen. Besonders in ihrem Auge funkelt süße Grausamkeit unddie Lüsternheit der Rache; denn sie hat auch den eigenen beleidigtenLeib zu rächen an dem häßlichen Heiden. In der That, dieser istnicht sonderlich liebreizend, aber im Grunde scheint er doch ein Konsntunt zu sein. Er schläft so gutmütig in der Nachwvuue seinerBcseligung; er schnarcht vielleicht, oder, wie Luise sagt, er schlaftlaut; seine Lippen bewegen sich noch, nlS wenn sie küßten; er lagnoch eben im Schöße des Glücks, oder vielleicht lag auch das Glückin seinem Schöße; und trunken von Glück und gewiß auch von Wein,ohne Zwischenspiel von Qual und Krankheit, sendet ihn der Toddurch seinen schönsten Engel in die weiße Nacht der ewigen Ver-nichtung. Welch ein beneidenswertes Ende! Wenn ich einst sterbensoll, ihr Götter, laßt mich sterben wie Hvlofernes!
Ist es Ironie von Hornee Veruet, daß die Strahlen der Früh-sonuc auf den Schlafenden, gleichsam verklärend, hereinbrechen, unddaß eben die Nachtlampe erlischt?
Minder durch Geist, als vielmehr durch kühne Zeichnung undFarbengebnng, empfiehlt sich ei» anderes Gemälde von Veruet, welchesden jetzigen Papst vorstellt. Mit der goldenen dreifachen Krone aufdem Haupte, gekleidet mit einem goldgestickten weißen Gewände, anseinem goldenen Stuhle sitzend, wird der Knecht der Knechte Gottesin der Peterskirche herumgetragen. Der Papst selbst, obgleich rot-wangig, sieht schwächlich aus, fast verbleichend in dem weißen Hinter-grund von Weihrauchdampf und weißen Federwcdcln, die über ihnhingehalten werden. Aber die Träger des päpstlichen Stuhles sindstämmige charaktervolle Gestalten in karmoisinrotcn Livreen, dieschwarzen Haare herabfallend über die gebräunten Gesichter. Eskommen nur drei davon zum Vorschein, aber sie sind vortrefflichgemalt. Dasselbe läßt sich rühmen von den Kapuzinern, deren Häupternur, oder vielmehr deren gebeugte Hinterhäupter mit den breitenTonsuren im Vordergründe sichtbar werden. Aber eben die verschwimmende Unbcdeniendhcit der Hauptpersonen und das bedeutendeHervortreten der Nebenpersonen ist ein Fehler dcS Bildes. Letzterehaben mich durch die Leichtigkeit, womit sie hingeworfen sind, unddurch ihr Kolorit an den Paul Vervncse erinnert. Nur der vcne-tianische Zauber fehlt, jene Fnrbenpoesie, die, gleich dem Schimmerder Lagune», nur oberflächlich ist, aber dennoch die Seele so wunder-bar bewegt.