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10 (1898) Französische Zustände : 2
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124 Französische Anstände. II.

In Hinsicht der kühnen Darstellung und der Farbengebung,hat sich ein drittes Bild von Horace Vernct vielen Beifall erworben.Es ist die Arretierung der Prinzen Conds. Conti und Longueville.Der Schauplatz ist eine Treppe des Palais Royal, und die arretiertenPrinzen steigen herab, nachdem sie eben, auf Befehl Annens vonÖsterreich, ihre Degen abgegeben. Durch dieses Herabsteigen behältfast jede Figur ihren ganzen Umriß. Conds ist der erste ans deruntersten Stufe; er hält sinnend seinen Knebelbart in der Hand,und ich weiß, waS er denkt. Von der obersten Stufe der Treppekommt ein Offizier herab, der die Degen der Prinzen unterm Armeträgt. Es sind drei Gruppen, die natürlich entstanden und natürlichzusammengehören. Nur wer eine sehr hohe Stufe der Kunst erstiegen,hat solche Trcppcnidecn.

Zu den weniger bedeutenden Bildern von Horace Vcrnet gehörtein Camille Desmonlins, der im Garten des Palais Royal ans eineBank steigt und das Volk haranguiert. Mit der linken Hand reißter ein griineS Blatt von einem Baume, in der rechten hält er einePistole. Armer Camille! dein Mut war nicht höher als diese Bank,und da wolltest du stehen bleiben, und du schautest dich um.Vorwärts, immer vorwärts!" ist aber das Zauberwort, das die Revolntionäre aufrecht erhalten kann; bleiben sie stehen und schauensie sich um, dann sind sie verloren, wie Enrydice, als sie, dem Saitcn-spiel des Gemahls folgend, nur einmal zurückschaute in die Greuelder Unterwelt. Armer Camille! armer Bursche! Das waren dielustigen Flegeljahre der Freiheit, als du ans die Bank sprangst unddem Despotismus die Fenster einwarfest und Laternenwitze rissest;der Spaß wurde nachher sehr trübe, die Füchse der Revolutionwurden bemooste Häupter, denen die Haare zu Berge stiegen, unddu hörtest schreckliche Töne neben dir erklingen, und hinter dir, ansdem Schattenreich, riefen dich die Geisterstimmen der Girondc, unddu schautest dich um.

In Hinsicht der Kostüme von 1789 war dieses Bild ziemlichinteressant. Da sah man sie noch, die gepuderten Frisuren, die engenFrancnkleider, die erst bei den Hüften sich bauschten, die buntgestreiftenFräcke, die kntscherlichen Obcrröcke mit kleinen Kräglcin, die zweiUhrketten, die parallel über dem Bauche hängen, und gar jene ter-roristischen Westen mit brcitanfgeschlagcnen Klappen, die bei derrepublikanischen Jugend in Paris jetzt wieder in Mode gekommensind und Filets ä, In liobsspiorrs genannt werden. Robespierreselbst ist ebenfalls auf dem Bilde zu sehen, ausfallend durch seinesorgfältige Toilette und sein geschniegelte? Wesen. In der That,sein Außeres war immer schmuck und blank, wie das Beil einerGnillotine; aber auch sein Inneres, sein Herz, war uneigennützig,nnbestcchbar und konsequent, wie das Beil einer Guillotine. Diese