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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
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Zknnstberick'te ans Paris. 121

prophetisch an seiner Seite; seine beiden Söhne ritten ebenfalls nebenihm, wie blühende Hoffnungen, und seine schwülstigen Wangen glühtenhervor aus dem Walddunkel des großen Backenbarts, und seine süßlichgrüßenden Augen glänzten vor Lust und Verlegenheit. Auf demSchefferschen Bilde sieht er minder kurzweilig aus, ja fast trübe, alsritte er eben über die Uluos eis Zrsvs, wo sein Vater geköpft worden;sein Pferd scheint zu straucheln. Ich glaube, auf dem SchefferschenBilde ist auch der Kopf nicht oben so spitz zulaufend, wie beimerlauchten Originale, Ivo diese eigentümliche Bildung mich immer audas Volkslied erinnert:

Es steht eine Tann' im tiefen Thal,

Ist unten breit und oben schmal.

Sonst ist das Bild ziemlich getroffen, sehr ähnlich, doch diese Ähnlich-keit entdeckte ich erst, als ich den König selbst gesehen. Das scheintmir bedenklich, sehr bedenklich für den Wert der ganzen SchefferschenPorträtmalerci.

Die Porträtmaler lassen sich nämlich in zivci Klassen einteilen.Die einen haben das wunderbare Talent, gerade diejenigen Zügeaufzufassen und hinznmalen, die auch dem fremden Beschauer eiucIdee von dem darzustellenden Gesichte geben, so daß er den Charakterdes unbekannten Originals gleich begreift und letzteres, sobald erdessen ansichtig wird, gleich wieder erkennt. Bei den alten Meistern,vornehmlich bei Holbcin, Tizian und van Dyck finden wir solche Weise,und in ihren Porträten frappiert uns jene Unmittelbarkeit, die unsdie Ähnlichkeit derselben mit den längstverstorbcnen Originalen solebendig zusichert.Wir mochten darauf schworen, daß diese Porträtegetroffen sind!" sagen wir dann unwillkürlich, wenn wir Galeriendurchwandeln.

Eine zweite Weise der Porträtmalerei finden wir namentlich beienglischen und französischen Malern, die nur das leichte Wieder-erkennen beabsichtigen, und nur jene Züge auf die Leinwand werfen,die uns das Gesicht und den Charakter des wohlbekannten Originalsins Gedächtnis zurückrufen. Diese Maler arbeiten eigentlich für dieErinnerung, und sie sind überaus beliebt bei wohlerzogenen Elternund zärtlichen Eheleuten, die uns ihre Gemälde nach Tische zeigen,und uns nicht genug versichern können, wie gar niedlich der liebeKleine getroffen war, che er die Würmer bekommen, oder wie sprechendähnlich der Herr Gemahl ist, den wir noch nicht die Ehre haben zukennen, und dessen Bekanntschaft uns noch bevorsteht, wenn er vonder Braunschwciger Messe zurückkehrt.

ScheffersLconore" ist in Hinsicht der Farbcngebnng weit aus-gezeichneter, als seine übrigen Stücke. Die Geschichte ist in die Zeitder.Kreuzzüge verlegt, und der Maler gewann dadurch Gelegenheit