I2l) Französische Zustände. H.
und wenn sie seinem Faust und Gretchcn angemessen ist, so mißfälltsie unS gänzlich bei Gegenständen, die eine heitere, klare, farben-glühende Behandlung erforderten, z. B. bei einem kleinen Gemälde,worauf tanzende Schulkinder. Mit seinen gedämpften, freudlosenFarben hat uns Scheffer nur einen Rudel kleiner Gnomen dargestellt.Wie bedeutend auch sein Talent der Porträtierung ist, ja, wie sehrich hier seine Originalität der Auffassung rühmen muß, so sehrwidersteht mir auch hier seine Farbengebung. Es gab aber einPorträt im Salon, wofür eben die Schcsfersche Manier ganz geeignetwar. Nur mit diesen unbestimmten, gelogencn, gestorbenen, charakterlosen Farben konnte der Mann gemalt werden, dessen Ruhm darinbesteht, daß man auf seinem Gesichte nie seine Gedanken lesen konnte,ja, daß man immer das Gegenteil darauf las. Es ist der Mann,dem wir hinten Fußtritte geben könnten, ohne daß vorne das stcreothpeLächeln von seinen Lippen schwände. Es ist der Mann, der vierzehnfalsche Eide geschworen, und dessen Lügentaleutc von allen auseinanderfolgenden Regierungen Frankreichs benutzt wurden, wenn irgend einetödliche Perfidie ausgeübt werden sollte, so daß er an icnc alte Gift-mischern! erinnert, an jene Locusta, die wie ein frevelhaftes Erbstückim Hause des Augustus lebte, und schweigend und sicher dem einenCäsar nach dem andern und dem einen gegen den andern zu Dienstestand mit ihrem diplomatischen Tränklein. Wenn ich vor dem Bildedes falschen Mannes stand, den Scheffer so treu gemalt, dem er mitseinen Schierlingsfarben sogar die vierzehn falschen Eide ins Gesichthinein gemalt, dann durchsröstelte mich der Gedanke c Wem gilt wohlseine neueste Mischung in London?
Scheffers Heinrich IV. nnd Lndwig Philipp I., zwei Ncitergcstaltenin Lebensgroße, verdienen jedenfalls eine besondere Erwähnung.Erstcrer, Is roi xur ärort äs eongusts st par äroit äs nnissanes,hat vor meiner Zeit gelebt; ich weiß nur, daß er einen Hsnri-grmtrogetragen, und ich kann nicht bestimmen, inwieweit er getroffen ist.Der andere, Is roi äss Iznrrieaclos, Is roi xar In Arnes än psuxlssouvsrnin, ist mein Zeitgenosse, und ich kann urteilen, ob sein Porträtihm ähnlich sieht oder nicht. Ich sah letzteres, ehe ich das Vergnügenhatte, Seine Majestät den König selbst zu sehen, nnd ich erkannteihn dennoch nicht im ersten Augenblick. Ich sah ihn vielleicht ineinem allzusehr erhöhten Seclenzustande, nämlich am ersten Festtageder jüngsten Revolutionsfcier, als er durch die Straßen von Pariscinhcrritt, in der Mitte der jubelnden Bürgergarde und der JuliuS-dckorierten, die alle, wie wahnsinnig, die Parisicnne und die MarscillcrH»mne brüllten, auch mitunter die Carmagnole tanzten. Seine !Majestät der König saß hoch zu Roß, halb wie ein gezwungenerTriumphator, halb wie ein freiwillig Gefangener, der einen Triumph- kzug zieren soll; ein entthronter Kaiser ritt symbolisch oder auch