118 Französische Zustände, N,
irachlung ausgestellt bleiben, und noch weniger nützt cS dein deutschenBerichtcmpfünger, der sie gar nicht gesehen. Nur Winke über dasStosfartige und die Bedeutung der Gemälde mögen letzterem will-kämmen sein. Als gewissenhafter Referent erwähne ich zuerst dieGemälde lwn
A. Tchesfer.
Haben dach der Faust und das Grctchcn dieses MalerS im erstenMonat der Ausstellung die meiste Aufmerksamkeit ans sich gezogen,da die besten Werke lwn Dclaroche und Robert erst späterhin ausgestellt wurden, überdies, wer nie etwas von Scheffcr gesehen, wirdgleich frappiert von seiner Manier, die sich besonders in der Farbengebung ausspricht. Seine Feinde sagen ihm nach, er male nur mitSchnupftabak und grüner Seife, Ich weiß nicht, wie weit sie ihmunrecht thun. Seine braunen Schatten sind nicht selten sehr affektiertnnd verfehlen den in Rembrandtscher Weise beabsichtigten LichteffeklSeine Gesichter haben meistens jene fatale Couleur, die uns manchmal das eigene Gesicht verleiden konnte, wenn wir eS, überwachtnnd verdrießlich, in jenen grünen Spiegeln erblickten, die man inalten Wirtshäusern, wo der Postwagen dcS Morgens stitle hält, znfinden pflegt. Betrachtet man aber SchesferS Bilder etwas näherund länger, so befreundet man sich mit seiner Weise, man findet dieBehandlung des Ganzen sehr poetisch, nnd man sieht, daß ans de»trübsinnigen Farben ein lichtes Gemüt hervorbricht, wie Sonnenstrahlen anS Nebelwvlken, Jene mürrisch gefegte, gewischte Malerei,jene todmüden Farben mit nnhcimtich vagen Umrissen, sind in de»Bildern hon Faust nnd Gretchen sogar von gutem Effekt, Beidesind lebensgroße Kniestücke, Faust sitzt in einem mittclaltcrtümlichenroten Sessel, neben einem mit Pcrgamcntbüchcrn bedeckten Tische,der seinem linken Arm, worin sein bloßes Haupt ruht, als Stützedient. Den rechten Arm, mit der flachen Hand nach außen gekehrt,stemmt er gegen seine Hüfte, Gewand scifengrüntich bla», Da>?Gesicht fast Profil nnd schnnpftabaklich fahl; die ;süge desselben strengedel. Trotz der kranken Mißfarbe, der gehöhlten Wangen, der LippenWelkheit, der eingedrückten Zerstörnis, trägt dieses Gesicht dennochdie Spuren seiner ehemaligen Schönheit, nnd indem die Augen ihrholdwehmütigcs Licht darüber hingießcn, sieht es ans wie eine schöneRuine, die der Mond beleuchtet.
Ja, dieser Mann ist eine schöne Menschenrninc; in den Faltenüber diesen verwitterten Augenbrauen brüten fabelhaft gelahrte Eulen, Innd hinter dieser Stirne lauern böse Gespenster; um Mitternacht iöffnen sich dort die Gräber verstorbener Wünsche, bleiche Schatten tdringen hervor, nnd durch die öden Hirnknminern schleicht, wie mit tgebundenen Füßen, Grelchens Geist, Das ist eben das Verdienst des I