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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Französische Zustände. II.

zurückgelassen, nicht ihren Geist. Dieser spukt au auderu Orten, nndmanche Champions der kiniversiiät, die ihn so eifrig czwrcisiercn, sindvielleicht davon besessen, ohne es zu merken. Ich sage dieses nichtin Bezug auf die Herren Micheket und Ouinet, die ehrlichsten undwahrhaftigsten Seelen, sondern ich habe hier im Auge znnächst denwohlbestallten Minister des öffentlichen Unterrichts, den Rektor derUniversität, den Herrn Villemain. Seiner Magnificenz zweideutigesTreiben berührt mich immer widerwärtig. Ich kann leider nur demEsprit und dem Stile dieses Mannes meine Achtung zollen. Nebenbeigesagt, wir sehen hier, daß der berühmte Ausspruch von Buffonc„Us stxks e'sst I'kroinms/ grundfalsch ist. Der Stil des HerrnVillemain ist schön, edel, wohlgcwachsen nnd reinlich. — Auch VictorCousin kann ich nicht ganz verschonen mit dem Vorwurf des Jesnitismus. Der Himmel weiß, daß ich geneigt bin, Herrn CousinsVorzügen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, daß ich de» Glanzseines Geistes gern anerkenne; aber die Worte, womit er jüngst inder Akademie die Übersetzung Spinozas ankündigte, zeugen wedervon Mut noch von Wahrheitsliebe. Cousin hat gewiß die Interessender Philosophie unendlich gefördert, indem er den Spinoza demdenkenden Frankreich zugänglich machte, aber er hätte zugleich ehrlichgestehen sollen, daß er dadurch der Kirche keinen großen Dienst gcleistet. Im Gegenteil sagte er, der Spinoza sei von einem seinerSchüler, einem Zögling der silools norrnnks, übersetzt worden, umihn mit einer Widerlegung zu begleiten, nnd während die Priester-Partei die Universität so heftig angreife, sei es doch eben diese arme,unschuldige, verketzerte Universität, welche den Spinoza widerlege, dengefährlichen Spinoza, jenen Erbfeind des Glaubens, der mit einerZeder ans den schwarzen Flügeln SatauS seine deiciden Büchergeschrieben! Wen betrügt man hier? ruft Figaro. Es war in der^.enckömis ckss soisnoss rnorakss sb xnlitigrnzs, wo Cousin in solcherWeise die französische Übersetzung des Spinoza ankündigte i sie istaußerordentlich gelungen, während die gerühmte Widerlegung soschwach nnd dürftig ist, daß sie in Deutschland für ein Werk derIronie gelten würde.

III.

Paris, den SV. Juli 18W.Jedes Volk hat seinen Nationalfchler, nnd wir Deutschen habenden nnsrigen, nämlich jene berühmte Langsamkeit; wir wissen essehr gut, wir haben Blei in den Stiefeln, sogar in den Pantoffeln.Aber was nützt den Franzosen alle Geschwindigkeit, all ihr flinkes,anstelliges Wesen, wenn sie ebenso schnell vergessen, was sie gethan?Sie haben kein Gedächtnis, nnd das ist ihr größtes Unglück. DieFrucht jeder That und jeder Unthat geht hier verloren durch Ver-