Kommunismus, Philosophie und Klerisei.
geßlichkcit. Jeden Tag müssen sie den Kreislauf ihrer Geschichte wiederdurchlaufen, ihr Leben wieder von vorn anfangen, ihre Kämpfe aufsneue durchkämpfen, und morgen hat der Sieger vergessen, daß ergesiegt hatte, und der Überwundene hat ebenso leichtsinnig seineNiederlage und ihre heilsamen Lehren vergessen. Wer hat im Julius18ö<) die große Schlacht gewonnen? Wer hat sie verloren? Wenigstensin dem große» Hospital, wo, um mich eines Ausdrucks von Mignetzu bedienen, jede gestürzte Macht ihre Blessierten untergebracht hat,hätte man sich dessen erinnern sollen! Diese einzige Bemerkung er-lauben wir uns in Beziehung ans die Debatten, die in der PairSkammer über den Seknndärnnterrichl stattgesunden, und Ivo die kleri-kale Partei nur scheinbar unterlag. In der That triumphierte sie,und es war schon ein hinlänglicher Triumph, daß sie als organisiertePartei aus Tageslicht trat. Wir sind weit entfernt, dieses kühneAuftreten zu tadeln, und es mißfällt uns weit weniger, als jeneschlottrige Halbheit, welche die Gegner sich zu schulden kommen ließen.Wie kläglich zeigte sich hier Herr Billcmain, der kleine Rhelvr, derwindige Bel Esprit, dieser abgestandene Bollairianer, der sich einbißchen an den Kirchenvätern gerieben, um ciucu gewissen ernsthaftenAnstrich zu gewinnen, und der von einer Unwissenheit beseelt war,die anS Eichahm,e grenzte! Es ist mir unbegreiflich, daß ihm HerrGnizot nicht ans der Stelle den Laufpaß gegeben, denn diesem großenGelehrten mußte jene schülerhafte Verlegenheit, jener Mangel an dendürftigsten Vorkenntnissen, jene wissenschaftliche Nullität, noch weitempfindlicher mißfallen, als irgend ein politischer Fehler! Um dieSchwäche und Inhaltslosigkeit seines Kollegen einigermaßen zu decke»,mußte Gnizot mehrmals daS Wort ergreifen; aber alles, was er sagte,war matt, farblos und unerquicklich. Er würde gewiß bessere Dingevorgebracht haben, wenn er nicht Minister der auswärtigen Augelegeuheitcn, sondern Minister des Unterrichts gewesen wäre und fürdie besonderen Interessen dieses Departements eine Lanze gebrochenhätte. Ja, er würde sich für die Gegenpartei noch weit gefährlichererwiesen haben, wenn er ganz ohne weltliche Macht, unr mit seinergeistlichen Macht bewaffnet, wenn er als bloßer Professor für dieBefugnisse der Philosophie in die Schranken getreten wäre! In einersolchen günstigeren Lage war Victor Cousin, und ihm gebührt vorzugswcisc die Ehre des TagcS. Cousin ist nicht, wie jüngst ziemlichgriesgrämig behauptet worden, ein philosophischer Dilettant, sonderner ist vielmehr ein großer Philosoph, er ist hier HanSsohn derPhilosophie, und als diese angegriffen wurde von ihren nnvewsöhnlichsten Feinden, mußte unser Victor Cousin seine oratio prociomo halten. Und er sprach gut, ja vortrefflich, mit Überzeugung.Es ist für uns immer ein kostbares Schauspiel, wenn die friedbebendsten Männer, die durchaus von keiner Streitlust beseelt sind,