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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Kommunismus, Philosophie und Klerisei.

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Vvlksschmerzcs. Er ist nicht bloß ein denkender, sondern anch einfühlender Philosoph, und sein ganzes Leben und streben ist derVerbesserung des moralischen und materiellen Znstandes der unterenKlassen gewidmet. Er, der gestählte Ringer, der die härtesten Schlägedes Schicksals ertrüge, ohne zu zwinkern, und der, wie Saint Simonund Fourier, zuweilen in der bittersten Not und Entbehrung darbte,ohne sich sonderlich zu beklagen; er ist nicht imstande, die Kümmeruissc seiner Mitmenschen ruhig zu ertragen, seine harte Augenwimperfeuchtet sich beim Anblick fremden Elends, und die Ausbrüche seinesMitleids sind alsdann stürmisch, rasend, nicht selten ungerecht.

Ich habe mich eben einer indiskreten Hinwcisung auf Armutschuldig gemacht. Aber ich konnte doch nicht umhin, dergleichen zuerwähnen: diese Armut ist charakteristisch und zeigt uns, wie dervortreffliche Alaun die Leiden des Volks nicht bloß mit dem Berstände erfaßt, sondern auch leiblich mitgelitten hat, und wie seineGedanken in der schrecklichsten Realität wurzeln. Das giebt seinenWorten ein pulsierendes LebcuSblut und einen Zauber, der stärkerals die Macht des Talentes. Ja, Pierre Leroux ist arm, wieSaint Simon und Fourier es waren, und die providentiellc Armutdieser großen Socialistcn war es, wodurch die Welt bereichert wurde,bereichert mit einem Schatze von Gedanken, die uns neue Weltendes Genusses und des Glückes eröffnen. In welcher gräßlichenArmut Saint Simon seine letzten Jahre verbrachte, ist allgemeinbekannt; während er sich mit der leidenden Menschheit, dem großenPatienten, beschäftigte und Heilmittel ersann für dessen achtzehnhundertjähriges Gcbreste, erkrankte er selbst zuweilen vor Misere, under fristete sein Dasein nur durch Betteln. Auch Fourier mußte zuden Almosen der Freunde seine Zuflucht nehmen, und wie oft sahich ihn in seinem grauen, abgeschabten Rocke längs den Pfeilern desPalais Royal hastig dahinschreiten, die beiden Rocktaschen schwer be-lastet, so daß auS der einen der Hals einer Flasche und aus derandern ein langes Brot hervorguckten. Einer meiner Freunde, derihn mir zncrst zeigte, machte mich aufmerksam auf die Dürftigkeit desMannes, der seine Getränke beim Wcinschank und sein Brot beimBäcker selber holen mußte. Wie kommt es, frug ich, daß solcheMänner, solche Wohlthätcr des Menschengeschlechts, in Frankreichdarben müssen?Freilich," erwiderte mein Freund sarkastischlächelnd,das macht dem gepriesenen Lande der Intelligenz keinesonderliche Ehre, und das würde gewiß nicht bei uns in DeutschlandPassieren; die Regierung würde bei uns die Leute von solchen Grund-sätze» gleich unter ihre besondere Obhut nehmen und ihnen lebens-länglich freie Kost und Wohnung geben in der Festung Spandauoder auf dem Spielberg."

Ja, Armut ist das Los der großen Mcuschheitshelfer, der