92 Französische Zustände. Il,
genannt werden muß, der in seinen Kasans 6s ?üilc>soxüis seinkostbares Meistcrbnch!) die Bcdentung der Methode begriffen nndfür ihre Anwendung ein großes Talent offenbart hat. Lervux istgewiß ein größerer Produzent im Denken, aber es fehlt ihm hier,wie gesagt, die Methode. Er hat bloß die Ideen, und in dieser Hinficht ist ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit Joseph Schelling nicht abzusprechen, nnd daß alle seine Ideen das befreiende Heil der Mensch-heit betreffen, und er, weit entfernt, die alte Religion mit derPhilosophie zu flicken, vielmehr die Philosophie mit dem Gcwandeeiner neuen Religion beschenkt. Unter den deutschen Philosophen istes Krause, mit dem Lervux die meiste Verwandtschaft hat. SeinGott ist ebenfalls nicht außerweltlich, sondern er ist ein Insasse dieserWelt, behält aber dennoch eine gewisse Persönlichkeit, die ihn sehrgut kleidet. An der immortniitä 6s I'nms kaut Lervux beständig,ohne davon satt zu werden; es ist dies nichts als ein perfektio-niertes Wiederkäuen der älteren PerfcktibilitätSlchre. Weil er sichgut aufgeführt in diesem Leben, hofft Lervux, daß er in einerspäteren Existenz zu noch größerer Vollkommenheit gedeihen werde;Gott stehe alsdann dem Cousin bei, wenn derselbe nicht unterdessenebenfalls Fortschritte gemacht hat!
Pierre Leronx mag wohl jetzt fünfzig Jahre alt sein, wenigstenssieht er darnach aus; vielleicht ist er jünger. Körperlich ist er nichtvon der Natur allzu verschwenderisch begünstigt worden. Eine unter-setzte, stämmige, vierschrötige Gestalt, die keineswegs durch die Traditionen der vornehmen Welt einige Grazie gewonnen. Leronx istein Kind des Volks, war in seiner Jugend Buchdrucker, und erträgt noch heute in seiner äußeren Erscheinung die Spuren desProletariats. Wahrscheinlich mit Absicht hat er den gewöhnlichenFirnis verschmäht, und wenn er irgend einer Koketterie fähig ist, sobesteht diese vielleicht in dem hartnäckigen Beharren bei der rohenUrsprünglichkeit. Es gicbt Menschen, welche nie .Handschuhe tragen,weil sie kleine weiße Hände haben, woran man die höhere Rasse erkennt; Pierre Leronx trägt ebenfalls keine .Handschuhe, aber sicherlichans ganz andern Gründen. Er ist ein asketischer Entsagungsmcnsch,dem LnxnS nnd jedem Sinnenreiz abhold, nnd die Natur hat ihmdie Tugend erleichtert. Wir wollen aber den Adel seiner Gesinnung,den Eiser, womit er dem Gedanken alle niederen Interessen opferte,überhaupt seine hohe Uncigennützigkcit, als nicht minder verdienstlichanerkennen, und noch weniger wollen wir den rohen Diamantendeswegen herabsetzen, weil er keine glänzende Geschliffenheit besitztnnd sogar in trübes Blei gefaßt ist. — Pierre Leronx ist ein Mann,nnd mit der Männlichkeit des Charakters verbindet er, was seltenist, einen Geist, der sich zu den höchsten Spekulationen emporschwingt,und ei» Herz, welches sich versenken kann in die Abgründe des