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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Kommunismus, Philosophie und Klerisei. 91

nächst wegen der schönen Forin, nnd in der Metaphysik ergötzte ihnam Ende nur die Dialektik; von dem Übersetzer des Plato könnteman, das banale Wort umkehrend, gewissermaßen behaupten, erliebe den Plato mehr als die Wahrheit. Hier unterscheidet sich Cousinvon den deutschen Philosophen; wie den letzteren, ist auch ihm dasDenken letzter Zweck des Denkens, aber zu solcher philosophischenAbsichtSlosigkcit gesellt sich bei ihm auch ein gewisser artistischerJndifferentismus. Wie sehr muß nun dieser Mann einem PierreLeroux verhaßt sein, der weit mehr ein Freund der Menschen alsder Gedanken ist, dessen Gedanken alle einen Hintergedanken haben,nämlich das Interesse der Menschheit, und der als geborener Jkonvklastkeinen Sinn hat für künstlerische Freude an der Form! In solchergeistigen Verschiedenheit liegen genug Gründe des Grolls, und manhätte nicht nötig gehabt, die Feindschaft des Leroux gegen Cousinaus persönlichen Motiven, aus geringfügigen Borfallenheiten desTageslebens zu erklären. Ein bißchen unschuldige Privatmalice magmit unterlaufen; denn die Tugend, wie erhaben sie auch das Hauptin den Wolken trägt und nur in Himmelsbetrachtungcn verlorenscheint, so bewahrt sie doch im gctreusamsten Gedächtnisse jeden kleinenNadelstich, den man ihr jemals versetzt hat.

Nein, der leidenschaftliche Grimm, die Bcrserkerwut des PierreLeroux gegen Victor Cousin ist ein Ergebnis der Geistesdiffcrenzdieser beiden Männer. Es sind Naturen, die sich notwendigerweiseabstoße». Nur in der Ohnmacht kommen sie einander wieder nahe,und die gleiche Schwäche der Fundamente verleiht den entgegen-gesetzte» Doktrinen eine gewisse Ähnlichkeit. Der Eklekticismus vonCousin ist eine feindrähtige Hängebrücke zwischen dem schottischplumpen Empirismus und der deutsch abstrakten Idealität, eineBrücke, die höchstens dein leichtfüßigen Bedürfnisse einiger Spazier-gänger genügen mag, aber kläglich einbrechen würde, wollte dieMenschheit mit ihrem schweren HerzenSgcPäcke und ihren trampelndenSchlachtrvssen darüber hinmarschieren. Leroux ist ein PontifexMaximus in einem höheren, aber noch weit unpraktischeren Stile,er will eine kolossale Brücke bauen, die, aus einem einzigen Bogenbestehend, auf zwei Pfeilern ruhen soll, wovon der eine aus demmaterialistischen Granit des vorigen Jahrhunderts, der andere ausdem getränmtcn Mondschein der Zukunft verfertigt worden, nnddiesem zweiten Pfeiler giebt er zur Basis irgend einen noch uuent-deckten Stern in der Milchstraße. Sobald dieses Riesenwerk fertigsein wird, wollen wir darüber referieren. Bis jetzt läßt sich vondem eigentlichen System des Leroux nichts Bestimmtes sagen, er giebtbis jetzt nur Materialien, zerstreute Bausteine. Auch fehlt es ihmdurchaus an Methode, ein Mangel, der den Franzosen eigentümlichist, mit wenigen Ausnahmen, worunter besonders Charles de Remusat