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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
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Die parlamentarische Periode des Biirgerkönigtums. 85

letzterer mir unbegreiflich wenig bekannt war, daß ich nur mit Mutzeeinige seiner Lebcnsmomente in meinem Gedächtnisse wiederfand.Auch bei andern, besonders bei der jüngeren Generation, begegneteich einer großen Unwissenheit in Bezug auf Daunvn, Und dennochhatte dieser Mann wahrend einem halben Jahrhundert an demgroßen Rad gedreht, und dennoch hatte er unter der Republik unddem Kaisertum«: die wichtigsten Ämter bekleidet, und dennoch war erbis an sein Lebensende ein tadelloser Verfechter der Menschheits-rechte, ein unbeugsamer Kämpe gegen GeistcSknechtschaft, einer jenerhohen Organisatoren der Freiheit, die gut sprachen, aber noch besserhandelten, und das schone Wort in die heilsame That ninschufcn.Warum aber ist er trotz aller seiner Verdienste, trotz seiner rastlosenpolitischen und litterarischen Thätigkeit dennoch nicht berühmt ge-worden? Warum glüht in unserer Erinnerung sein Name nicht sofarbig wie die Namen so mancher seiner Kollegen, die eine minderbedeutende Rolle gespielt? Was fehlte ihm, um zur Berühmtheitzu gelangen? Ich will es mit einem Worte sagen: die Leidenschaft,Nur durch irgend eine Manifestation der Leidenschaft werden dieMenschen auf dieser Erde berühmt. Hier genügt eine einzige Hand-lung, ein einziges Wort, aber sie müssen das leidenschaftliche Ge-präge tragen. Ja, sogar die zufällige Begegnung mit großen Er-eignissen der Leidenschast gewährt unsterblichen Nachruhm, Der seligeDaunou war aber ein stiller Mönch, der den klösterlichen Friedenim Gemütc trug, während alle Stürme der Revolution um ihn herrasten, der sein Tagwerk vollbrachte ruhig und furchtlos, unterRobcspierrc wie unter Napoleon, und der ebenso bescheiden starb,wie er bescheiden lebte. Ich will nicht sagen, daß seine Seelenicht glühte, aber es war eine Glut ohne Flamme, ohne Geprassel,ohne Spektakel,*)

sich der Grschichtschrcibcr der Revolution hier auf seinem eigentümlichen Felde be-fand und gleichsam die großen Springbrunnen seines Geistes spielen lassen konnte,

Herr Mignct sprach über Dannau, und zu meiner Schande gestehe ich rc,"

Der Herausgeber.

*) Der Schlich dieses Brieses lautet in derZeitung siir die elegante Welt",wie folgt:Daß Mignet in seiner Xoticw Iiistoriguo siir den Lebenslauf diesesscheinlosen Mannes so Niel Interesse zu erregen wußte, zeugt von seiner unüber-trefflichen Kunst der Darstellung, Ich möchte sagen: die Sauce war diesmalbesser als der Fisch, Keiner berstcht wie Mignct, in klaren Übersichten die vcr-wickcltsten Zustände zur Anschauung zu bringen, in wenigen Grundzügen eineganze Zeil zu resümieren, und das charakteristische Wort zu finden siir Personenund Verhältnisse, Die Resultate der mühsamsten Forschungen und des Nach-sinnens werden hier wie gelegentliches Füllwerk in kurze Zwischcnsäße gedrängt:viel Dialektik, viel Geist, viel Glanz, aber alles echt, nirgends eitel Schein, Be-wunderungswürdige Harmonie zwischen Inhalt und Form, und man weiß nicht,was man hier von beiden am meisten bewundern soll, die Gedanken oder denStil, die Edelsteine oder ihre kostbare Fassung, Ja, während alle Arbeiten Mig-uels einen Gelehrtcnflciß und Tiessinn bekunden, die an Deutschland erinnern,ist dennoch die Darstellung ganz so nett, so durchsichtig, gedrungen, wohlgeordnet,