84 Französische Zustande. kl.
beginnt mit einer langen, langweiligen Rede über die Jahresarbeitennnd die eingegangenen Preisschriften, die der temporäre Präsidentzu halten Pflegt. Hierauf erhebt sich der Sekretär, der perpetucllc,dessen Amt ein ewiges ist, wie das Königtum. Die Sekretäre derAkademie nnd Ludwig Philipp sind Personen, die nicht durch Ministeroder Kammerlanuc abgesetzt werden können. Leider ist LudwigPhilipp schon hochbejahrt, und wir wissen noch nicht, ob sei» Nachfolger uns mit gleichem Talent die schöne Fricdensrnhe erhaltenwird. Aber Mignct ist noch jung, oder, was noch besser, er ist derTypus der Jugendlichkeit selbst, er bleibt verschont von der Handder Zeit, die uns ander» die Haare weist färbt, wo nicht gar ans-rauft, und die Stirnc so hästlich fältelt; der schöne Mignet trägtnoch seine goldlvckichte Frisur wie vor zwölf Jahren, nnd seinAntlitz ist noch immer blühend wie das der Olympier. Sobald derPerpctnellc ans die Rcdncrbühne getreten, nimmt er seine Lorgnetteund beäugclt das Publikum. —
„Er zählt die Häupter seiner Lieben,
Und sich, es fehlt kein teures Haupt."
Hierauf betrachtet er auch die um ihn her sitzenden Kollegen, nnd,wenn ich boshaft wäre, würde ich seinen Blick ganz eigen kommen-tieren. Er kommt mir in solchen Momenten immer vor wie einHirt, der seine Herde mustert. Sie gehören ihm ja alle, ihm, demPerpetncllen, der sie alle überleben und sie früh oder spät in seinenUrsois Iristoricznss secicrcn nnd einbalsamieren wird. Er scheinteines jeden Gesundheitszustand zu prüfen, um sich zu der künftigenRede vorbereiten zu können. Der alte Ballanchc sieht sehr krank ans,und Mignet schüttelt den Kopf. Da jener arme Mann gar keinLeben gelebt nnd auf dieser Erde gar nichts anderes gcthan hat, alsdast er zu den Füßen von Madame Rccamier säst nnd Bücher schrieb,die niemand liest nnd jeder lobt, so wird Mignct wirklich seine Nothaben, ihm in seinem Ursoia bistorigus eine menschliche Seite ab-zugewinnen nnd ihn genießbar zu machen.
In der heurigen Sitzung war der verstorbene Dannou der Gegen-stand, den Mignct behandelte. *) Zu meiner Schande gestehe ich, dast
*) Statt des obigen Vricsanfangs heißt es in der „Zeitung siir die eleganteWelt": „In der ^.saclöinio «las seisnsss msi-o-los st pnlitiiiuss, jener Sektiondes Institut de France, die am meisten Lebenskraft äußert nnd die verjährtenSpötteleien gegen Akademiker ganz zn Schanden macht, wurden jungst auch neueArbeiten über deutsche Philosophie angekündigt, und hier wird anch nächstens diePreisschrift über Kant gekrönt werden. Die diesjährige öffentliche Sitzung, welchevorigen Sonnabend stattfand, war eine jener schönen Feierlichkeiten, die ich nieversäume. Ich traf es diesmal besonders gut, indem Mignet, der Sssi-öwirspsi-xötusl, über einen verstorbenen Akademiker zu sprechen hatte, welcher an derpolitischen und socialen Bewegung Frankreichs großen Anteil genommen, so daß