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10 (1898) Französische Zustände : 2
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86 Französische Zustünde. 17.

Trotz dem scheinlasen Leben des Mannes wnstte Mipnri dochJnteresse° für diesen stillen Helden zn erregen, nnd da dieser dashöchste Lob verdiente, konnte es ihm auch in reichem Maße gezolltwerden. Aber wäre auch Daunon keineswegs ein so rühmenswerterMensch gewesen, hätte er gar zn jenen charakterlosen Fröschen gehört,deren so mancher im Sumpf sMarais) des Konventes saß nndschweigsam fortlebte, während die besseren sich um den Kopf sprachen,ja, er hätte sogar ein Lnmp sein können, so würde ihn dennoch derWeihranchkessel des offiziellen Lobes sattsam eingeqnalmt haben.Obgleich Mignet seine Reden ?röoi8 lüstorigues nennt, so sind siedoch noch immer die alten lÄogss, nnd es sind noch dieselben Koniplimcnte aus der Zeit Ludwigs XIV., nur daß sie jetzt nicht mehrin gepuderten Allvngeperückcn steckten, sondern sehr modern frisiertsind. Und der jetzige Lsarekairs xsrpstnsl der Akademie ist einerder größten Friseure unserer Zeit, und besitzt den rechten.Schick fürdieses edle Gewerbe. Selbst wenn an einem Menschen kein einzigesgutes Haar ist, weiß er ihm doch einige Löckchen des Lobes anznkräuseln nnd den Kahlkopf unter dem Tvnpet der Phrase zn vewbergen. Wie glücklich sind doch die französischen Akademiker! Dasitzen sie im süßesten Seelenfrieden auf ihren sicheren Bänken, nndsie können ruhig sterben, denn sie wissen, wie bedenklich auch ihreHandlungen gewesen, so wird sie doch der gute Mignet nach ihremTode rühmen und preisen. Unter den Palmen seines Wortes, dieewig grün wie die seiner Uniform, eingelullt von dem Geplätschcrder oratorischen Antithesen, lagern sie hier in der Akademie wie in

logisch, wie man sie nur bei Franzosen finden kann. Im Geiste Mignets ge-währen wir die Eigenschaften beider Nationen. In seiner persönlichen Er-scheinung bemerken wir ein ähnliches Phänomen. Er ist blond und blauäugigwie ein ^?ohn des Nordens, nnd doch verleugnet er nicht den südlichen Ursprungin der Grazie und Sicherheit seiner Bewegung. Er ist einer der schönstenMänner, nnd, unter uns gesagt, das Publikum, welches jedesmal im PalaisMazarin die große Aula füllt, wenn ein Bortrag von Mignet angekündigt worden,besteht größtenteils aus mehr oder minder jungen Damen, die sich oft stunden-lang vorher dorthin begeben, um die besten Plätze zu bekommen, wo man denLseiätairs psrpötnLl ebensogut. sehen, wie hören kann. Die Mehrzahl seinerKollegen sind Männer, deren Äußeres minder begünstigt, wo nicht gar sehr un-angenehm vernachlässigt von der Mutter Natur. Ich kann nicht ohne Lachen andie. Äußerung denken,' womit eine junge Person, die letzthin in der Akademieneben mir saß, ans einige Mitglieder der ehrwürdigen Körperschaft hinwies. Siesagte:Diese Herren müssen sehr gelehrt sein, denn sie sind sehr häßlich." Einesolche Schlußfolge mag im Publikum nicht selten vorkommen, nnd sie ist vielleichtder Schlüssel mancher gelehrten Reputation. In derselben Sitzung, wo Mignetüber Daunon sprach, hielt auch Herr Portalis eine große Rede. Himmel, welcherRedner! Er mahnte mich an Demosthenes. Ich erinnerte mich nämlich, daßDemosthenes in seiner Jugend, um seine spröden SPrachwerkzenge zu überwinden,sich im Sprechen übte, während er mehrere Kieselsteine im Munde hielt. HerrPortalis sprach, als hätte er das ganze Maul voll Kieselsteine, und weder ich,noch irgend jemand des Auditoriums konnte von seiner Rede das Mindeste ver-stehen." Der Herausgeber.