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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die vuilumeiitarische Periode des Biiicierkönigtums. 83

miillichkeit, deutsche Maikäfer, nütnntcr sogar ein bißchen deutscheLangeweile finde ich in den Schriften unseres Edgar Quinet. Ja,er ist der Unsrige, er ist ein Deutscher, eine gute deutsche Haut,obgleich er sich in jüngster Zeit als ein wütender Germanenfressergebürdete. Die rauhe, etwas täppische Weise, womit er in der,ksvus clss clsnx monäss^), gegen uns loszog, war nichts wenigerals französisch, und eben an dein tüchtigen Fanstschlag und der echtenGrobheit erkannten wir den Landsmann, Edgar ist ganz einDeutscher, nicht bloß dem Geiste, sondern auch der äußeren Er,schcinnng nach, und wer ihni auf den Straßen von Paris begegnet,hält ihn gewiß für irgend einen Halleschen Theologen, der ebendurchs Examen gefallen und, um sich zu erholen, nach Frankreichgedämmert. Eine kräftige, vierschrötige, ungekämmte Gestalt, Einliebes, ehrliches, wehmütiges Gesicht, Grauer, schlottriger Obcrrock,den Jung Stilling genäht zn haben scheint, Stiefel, die vielleichteinst Jakob Böhm besohlte,

Quinet hat lange Zeit jenseits deS Rheins gelebt, namentlichin Heidelberg, wo er studierte und sich täglich in Creuzcrs Sym-bolik berauschte. Er durchwanderte ganz Deutschland zn Fuß, besahalle unsere gotischen Ruinen und schmollierte dort mit den aus-gezeichnetsten Gespenstern, Im Teutoburger Walde, wo Hermannden Barns schlug, hat er westfälischen Schinken mit Pumpernickelgegessen; auf dem Sonnenstcin gab er seine Karte ab. Ob er auchzn Mölln Enlcnspicgcls Grab besuchte, kann ich nicht behaupten.Was ich aber ganz bestimmt weiß, das ist: Es giebt jetzt in derganzen Welt keine drei Dichter, die so viel Phantasie, Ideenreichtumund Genialität besitzen, wie Edgar Quinet.

IÜV.

Paris, den 21, Juni I84S.

Alle Jahre besuche ich regelmäßig die feierliche Sitzung in derRotunde des Palais Mazarin, Ivo man sich stundenlang vorher ein-finden muß, um Platz zn finden unter der Elite der GeistcSaristo -kratie, wozu glücklicherweise die schönsten Damen gehören. Nachlangem Warten kommen endlich durch eine Seitenthür die HerrenAkademiker, die Mehrzahl ans Leuten bestehend, die sehr alt oderwenigstens nicht sehr gesund sind; Schönheit darf hier nicht gesuchtwerden, Sic setzen sich auf ihre langen harten Holzbänke; manspricht zwar von den Fantcnils der Akademie, aber diese existierennicht in der Wirklichkeit und sind nur eine Fiktion, Die Sitzung

*) Der in Rede stehende Artikel findet sich in dein Heft jener Nedne vom15. Dezember 1842, nnd siihrt die Überschrift t „ 11 e 1a gsoatainanio".

Der Herausgeber,ö-i-