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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamcntarischc Periode des Biirgerkönigtnms,

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Legion ist, und mit denen er sich jetzt dennoch verbündete. Er hatsogar zur Logik seine Zuflucht nehmen müssen! Hartes Schicksal füreinen Mann, der sich nur in den Fabclwälderu der Romantik heimischfühlt, der sich am liebsten ans mystisch blauen Gcfühlswvgen schaukeltund sich ungern mit Gedanken abgiebt, die nicht symbolisch ver-mummt! llbcr seine Sucht der Symbolik, über sein beständiges Hin-weisen auf das Symbolische, habe ich im Quartier Latin zuweilenanmutig scherzen hören, und Michelet heißt dort Monsieur Symbole.Die Vorherrschaft der Phantasie und des GemütcS Abt aber einengewaltigen Reiz auf die studierende Jugend, und ich habe mehrmalsvergebens versucht, bei Monsieur Symbole im Collage de France zuhospitieren; ich fand den Hörsaal immer überfüllt von Studenten,die mit Begeisterung sich um den Gefeierten drängten. SeineWahrheitsliebe und strenge Redlichkeit ist vielleicht ebenfalls derGrund, warum man ihn so ehrt und liebt. Als Schriftsteller be-hauptet Michelet den ersten Rang. Seine Sprache ist die holdseligste,die man sich denken kann, und alle Edelsteine der Poesie glänzen inseiner Darstellung. Soll ich einen Tadel aussprechen, so möchte ichzunächst den Mangel an Dialektik und Ordnung bedauern; wir be^gcgncn hier einer bis zur Fratze gesteigerten Abenteuerlichkeit, einemberauschten Ubermaß, wo das Erhabene überschlägt ins Skurrile unddaS Sinnige ins Läppische. Ist er ein großer Historiker? Verdienter, nebeii Thiers, Mignct, Guizot und Thierry, diesen ewigen Sternen,genannt zu werden? Ja, er verdient es, obgleich er die Geschichtein einer ganz andern Weise schreibt. Soll der Historiker, nachdemer geforscht lind gedacht, uns die Vorfahren und ihr Treiben, dieThat der Zeit zur Anschauung bringen; soll er durch die Zanber-gewalt des Wortes die tote Vergangenheit aus dem Grabe beschwören,daß sie lebendig vor unsere Seele tritt - ist dieses die Aufgabe, sokönnen wir versichern, daß Michelet sie vollständig löst. Mein großerLehrer, der selige Hegel, sagte mir einst;Wenn man die Träumeaufgeschrieben hätte, welche die Menschen während einer bestimmtenPeriode geträumt haben, so würde eiuem aus der Lektüre diesergesammelten Träume ein ganz richtiges Bild vom Geiste jener Periodeaufsteigen." Michclets französische Geschichte ist eine solche Kollektionvon Träumen, ein solches Traumbuch das ganze träumendeMittelalter schaut daranS hervor mit seinen tiefen, leidenden Augen,mit dem gespenstischen Lächeln, und wir erschreckeil fast ob der grellenWahrheit der Farbe und Gestalt. In der That, für die Schilderungjener somnambulen Zeit paßte eben ein somnambuler Geschahtschreiber, wie Michelet.

Jil derselben Weise, wie gegen Michelet, hat gegen Quinct sowohl die klerikale Partei als auch die Regierung ein höchst unklugesVerfahren eingeschlagen. Daß erstcre, die Männer der Liebe undHciuc's Weeic. X. Bd. 6