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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
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7l> Französische Zustände. II.

so stolz, wie damals, in den Tagen seines Glückes, das Herz desdeutschen Dichters!

Ja, ich habe daS Wort gennnnl. Es war der närrische Hoch-mut des deutschen Dichters, der mich davon abhielt, auch nur protornru ein Franzose zu werde». Es war ciuc ideale Grille, wovvuich mich nicht losmachen konnte. In Bezug auf das, was nur ge-wöhnlich Patriotismus neuuen, war ich immer ein Freigeist, dochkonnte ich mich nicht eines gewissen Schauers erwehren, wenn ichetwas thun sollte, waS nur halbwegs als ein Lossagen vom Batcr-lande erscheinen mochte. Auch im Gemüt des Aufgeklärteste» nistetimmer ein kleines Alräunchen des alten Aberglaubens, das sich nichtausbanncn läßt; man spricht nicht gern davon, aber es treibt in dengeheimsten Schlupfwinkeln unserer Seele sein unkluges Wesen. DieEhe, welche ich mit unserer lieben Frau Germania, der blondenBärenhäutern:, geführt, war nie eine glückliche gewesen. Ich erinneremich wohl noch einiger schönen Moudscheinuächte, wo sie mich zärtlichpreßte au ihren großen Busen mit den tugendhaften Zitzen dochdiese sentimentalen Nächte lassen sich zählen, und gegen Morgen tratimmer eine verdrießlich gähnende Kuhle ein, und begann das Keifenohne Ende. Auch lebten wir zuletzt getrennt von Tisch und Bett.Aber bis zu einer eigentlichen Scheidung sollte es nicht kommen. Ichhabe es nie übers Herz bringen können, mich ganz loszusagen vonmeinem Hauskreuz. Jede Abtriiunigkeit ist mir verhaßt, und ichhätte mich von keiner deutschen Katze lossagen mögen, nicht von einemdeutschen Hund, wie unausstehlich mir auch seine Flöhe und Treue.Das kleinste Fcrkclchen meiner Heimat kann sich in dieser Beziehungnicht über mich beklagen. Unter den vornehmen und geistreichenSäuen von Pcrigvrd, welche die Trüffeln erfunden und sich damitmästen, verleugnete ich nicht die bescheidenen Grünzlinge, die daheimim Teutoburger Wald nur mit der Frucht der vaterländischen Eichesich atzen aus schlichtem Holztrog, wie einst ihre frommen Borfahren,zur Zeit als Arminius den Vnrus schlug. Ich habe auch nicht eineBorste meines Deutschtums, keine einzige Schelle an meiner deutscheuKappe eingebüßt, und ich habe noch immer daS Recht, daran dieschwarz-rot-goldcue Kokarde zu heften. Ich darf noch immer zu Maß-maun sagen:Wir deutsche Esel!" Hätte ich mich in Frankreichnaturalisieren lassen, würde mir Maßmauu antworten können:Nurich bin ein deutscher Esel, du aber bist es nicht mehr" und erschlüge dabei einen verhöhnenden Purzelbaum, der mir das Herzbräche. Nein, solcher Schmach habe ich mich nicht ausgesetzt. DieNaturalisation mag für andere Leute Passen; ein versoffener Advokataus Zweibrückcu, ein Strohkvpf mit einer eisernen Stirn und einerkupfernen Nase, mag immerhin, um ein Schulmcisteramt zu erschnappen, ein Vaterland aufgeben, das nichts von ihm weiß und