74 Französische Zustünde, II,
der Angsbnrger Censor, das; ich nicht genug liebte, und er strich jedesmißliebige Wort, und sehr viele meiner Artikel über die königlichePolitik blieben ganz nngcdrnckt. Aber kurz nach der Februar-revolution, wo mein armer Ludwig Philipp ins Exil gewandert war,erlaubte mir weder die Pietät noch der Anstand die Veröffentlichungeiner solchen Thatsache, selbst im Fall der Angsburger Censor ihrsein Imprimatur verliehen hätte.
Ein anderes, ähnliches Geständnis gestattete damals nicht dieCensnr des Herzens, die noch weit ängstlicher, als die der „Allge-meinen Zeitung", Nein, kurz nach dem Sturze Gnizots durste ichnicht öffentlich eingestehen, das; ich vorher auch aus Furcht schwieg.Ich mußte mir nämlich Anno 1844 gestchen, daß, wenn Herr Guizotvon meiner Korrespondenz erführe und die darin enthaltene Kritikihn; einigermaßen mißfiele, der leidenschaftliche Mann wohl fähiggewesen wäre, die Gefühle der Großmut überwindend, dem unbequemenKritiker in einer sehr summarischen Weise das Handwerk zu legen.Mit der Ausweisung des Korrespondenten aus Paris hätte auch seinePariser Korrespondenz notwendigerweise ein Ende gehabt. In derThat, seine Magnificenz hatte die Fasces der Gewalt in Händen, erkonnte mir zu jeder Zeit das aonsilinm adsnncli erteilen, und ichmußte dann ans der Stelle den Ranzen schnüren. Seine Pedelle inblauer Uniform mit citronengelbcn Ausschlägen hätten mich baldmeinen Pariser kritischen Studien entrissen und bis an jene Pfählebegleitet, „die wie das Zebra sind gestreift", wo mich andere Pedellemit noch viel fataleren Livreen und germanisch ungeschliffnerenManieren in Empfang genommen hätten, um mir die Honneurs
des Vaterlandes zu machen
Aber, unglücklicher Poet, warst du nicht durch deine französischeNaturalisation hinlänglich geschilpt gegen solche Ministerwillkiir?
Ach, die Beantwortung dieser Frage entreißt mir ein Geständ-nis, das vielleicht die Klugheit geböte zu verschweigen. Aber dieKlugheit und ich, wir haben schon lange nicht mehr ans derselbenKnmpe gegessen — und ich will heute rücksichtslos bekennen, daß ichmich nie in Frankreich naturalisieren ließ, und meine Naturalisation,die für eine notorische Thatsache gilt, dennoch nur ein deutschesMärchen ist. Ich weiß nicht, welcher müßige oder listige Kopf das-selbe ersonnen. Mehrere Landslente wollten freilich ans authen-tischer Quelle diese Naturalisation crschnüffelt haben; sie referiertendarüber in deutschen Blättern, und ich unterstützte den irrigenGlanben durch Schweigen, Meine lieben littcrarischen und politischenGegner in der Heimat, und manche sehr einflußreiche intime Feindehier in Paris, wurden dadurch irre geleitet und glaubten, ich seidurch ein französisches Bürgerrecht gegen mancherlei Vexationen undMachinationen geschützt, womit der Fremde, der hier einer exceptio-