Die parlamentarüche Periode beS Biirgerkönigtnms. 73
am allcrivcnigsten mochte es dein stolzen Manne, der nach Jmpvpu-laritttt lechzte, in den Sinn kommen, eine kiiininerliche Lobspends inder französischen Presse »der in der Angsburger „AllgemeinenZeitnng" Vvn mir zn verlangen, von mir, der ihm bisher ganz fremdwar, während weit gravitätischere und also zuverlässigere Leute, wieder Baron von Eckstein oder der Historiograph Capefigue, welchebeide, wie oben bemerkt, ebenfalls Mitarbeiter der ./AllgemeinenZeitnng" waren, mit Herrn Guizvt in vieljtthrigem gesellschaftlichenVerkehr gestanden, und gewiß ein delikates Vertrauen verdient hätten.Seit der erwähnten Unterredung habe ich Herrn Guizot nie wiedergesehen; nie sah ich seinen Sekretär oder sonst jemand, der in seinemBureau arbeitete. Nur zufällig erfuhr ich einst, daß Herr Gnizotvon IranSrhenanischcn Gesandtschaften oft und dringend angegangenworden, mich ans Paris zn entfernen. Nicht ohne Lachen konnteich dann an die ärgerlichen Gesichter denken, welche jene Reklamantengeschnitten haben mochten, als sie entdeckten, daß der Minister, vonwelchem sie meine Ausweisung verlangt, mich obendrein durch einJahrgehalt unterstützte. Wie wenig derselbe wünschte, dieses edleVerfahren devnlgicrt zn sehen, begriff ich ohne besonderen Wink,und diskrete Freunde, denen ich nichts verhehlen kann, teiltenmeine Schadenfreude.
Für die Belustigung und die Großmut, womit er mich behandelt,war ich Herrn Guizvt gewiß zn großem Dank verpflichtet. Doch alsich in meinem Glauben an seine Standhaftigkeit gegen königlicheZumutungen irre ward, als ich ihn vom Willen Ludwig Philippsallzu verderblich beherrscht sah, und den großen entsetzlichen Irrtumdieses antokratischcn Starrwillens, dieses unheilvollen Eigensinns be-griff: da würde wahrlich nicht der psychische Zwang der Dankbarkeitmein Wort gefesselt haben, ich hätte gewiß mit ehrfurchtsvoller Be-trübnis die Mißgriffe gerügt, wodurch das allzu nachgiebige MinUsterinm, oder vielmehr der bethörle König, daS Land und die Weltdem Untergang entgegenführte. Aber es knebelten meine Feder auchbrutale physische Hindernisse, und diese reelle Ursache meines Schweigens,meines Nichtschreibcns, kann ich erst heute öffentlich enthüllen.
Ja, im Fall ich auch das Gelüste empfunden hätte, in der„Allgemeinen Zeitnng" gegen daS unselige Rcgiernngssystcm LudwigPhilipps nur eine Silbe drucken zu lassen, so wäre mir solche? un-möglich gewesen, anS dem ganz einfachen Grunde, weil der klugeKönig schon vor dein 29. November gegen einen solchen verbrecherischenKorrespondenten-Einfall, gegen ein solches Attentat, seine Maßregelngenommen, indem er höchstselbst geruhte, den damaligen Ccnsvr der„Allgemeinen Zeitnng" zu Augsburg nicht bloß zum Ritter, sondernsogar zum Offizier der französischen Ehrenlegion zn ernennen. Sogroß auch meine Vorliebe für den seligen König war, so fand doch