7g Französische Zustände. II.
daktion der „Allgemeinen Zeitung" druckte den eingesandten Kor-rnptivnsartikel, doch sie begleitete denselben mit einer Note, worinsie in Bezug ans meine Pension die Bemerkung machte, „daß ichdieselbe in keinem Falle für das, was ich schrieb, sondern nur fürdas, was ich nicht schrieb, empfangen haben könne".
Ach, diese gewiß wohlgemeinte, aber wegen ihrer allzu wütigenAbfassung sehr verunglückte Ehrenrcttnngsnote mar ein wahres Paus,ein Pflasterstein, wie die französischen Journalisten in ihrer Koterie-sprache eine ungeschickte Verteidigung nennen, welche den Ver-teidigten totschlägt, wie es der Bär in der Fabel that, als er vonder Stirn des schlafenden Freundes eine Schmeißfliege verscheuchenwollte, und mit dem Quaderstein, den er ans sie schlenderte, auch dasHirn des Schützlings zerschmetterte.
Das angsburgische Pavs mußte mich empfindlicher verletzen,als der Korrcspondcnzzettel der armseligen Schmeißfliege, und in derErklärung, die ich damals, wie oben erwähnt, in der „AllgemeinenZeitung" drucken ließ, sagte ich darüber folgende Worte: „Die Re-daktion der .Allgemeinen Zeituncp begleitet jene Korrespondenz miteiner Note, worin sie vielmehr die Meinung ausspricht, daß ich nichtfür das, was ich schrieb, jene Unterstützung empfangen haben möge,sondern für das, was ich nicht schrieb. Die Redaktion der .All-gemeinen Zeituncst, die seit zwanzig Jahren nicht sowohl durch das,was sie von mir druckte, als vielmehr durch das, ivas sie nichtdruckte, hinlänglich Gelegenheit hatte, zu merken, daß ich nicht derservile Schriftsteller bin, der sich sein Stillschweigen bezahlen läßt —besagte Redaktion hätte mich wohl mit jener Is vis notn verschonen können."
Zeit, Ort und Umstände erlaubten damals keine weiteren Er-örterungen, doch heute, Ivo alle Rücksichten erloschen, ist es mir er-laubt, noch viel thatsächlicher darzuthnn, daß ich weder für das, waSich schrieb, noch für das, was ich nicht schrieb, vom MinisteriumGnizot bestochen sein konnte. Für Menschen, die mit dem Lebenabgeschlossen, haben solche retrospektive Rechtfertigungen einen sonderbarwehmütigen Reiz, und ich überlasse mich demselben mit träumerischerIndolenz. Es ist mir zu Sinne, als ob ich einem Längstverstorbencneine fromme Genngthnung verschaffe; jedenfalls stehen hier am rechtenPlatze die folgenden Erläuterungen über französische Zustände zurZeit des Ministeriums Gnizot.
Das Ministerium vom 29. November 1849 sollte man eigentlichnicht das Ministerium Gnizot, sondern vielmehr das MinisteriumSoult nennen, da letzterer Präsident des Ministerkonseils war. Aber
haßte, und es war ihr genugsam bekannt, daß ich seit Jahren kein Wort geschrieben,welches den Vorwurf einer Beschönigung der Gnizotschcn Administration oder die.Annahme einer ministeriellen ttomhercjchast nur halbwegs rcchtsertigen konnte-"
Der Herausgeber