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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamentarische Periode dcS Btlrcicrkönicstnms. 69

er war ein Schwabe, der bisher als unbescholtener Spießbürger inStuttgart lebte, aber jetzt in eincni fatal zweideutigen Lichte erschien,als nian sah, daß er auf dein Budget Guizots mit einer Pensionverzeichnet stand, die fast ebenso groß war wie das Jahrgehnlt, dasans derselben Kasse der Oberst Gustavsvn, Exkönig von Schweden,bezog; ja, sie war drei-oder viermal so groß, wie die auf demselbenGuizotschcn Budget eingezeichneten Pensionen des Baron von Eck-stein und des Herrn Capefigne, welche beide, nebenbei gesagt, seitundenklicher Zeit Korrespondenten derAllgemeinen Zeitung" sind.Der Schwabe konnte in der That seine fabelhafte große Pensiondurch kein notorisches Verdienst rechtfertigen, er lebte nicht als Ver-folgter in Paris, sondern, wie gejagt, in Stuttgart als ein stiller Untcr-than des Königs von Württemberg, er war kein großer Dichter, erwar kein Lumen der Wissenschaft, kein Astronom, kein berühmterStaatsmann, kein Heros der Kunst, er war überhaupt kein HcroS,im Gegenteil, er war sehr unkriegerisch, und als er einst die RedaktionderAllgemeinen Zeitung" beleidigt hatte, und diese letztere sporn-streichs von Augsburg nach Stuttgart reiste, um den Mann ansPistolen herauszufordern: da wollte der gute Schwabe kein Brnder-blnt vergießen (denn die Redaktion derAllgemeinen Zeitung" istvon Geburt eine Schwäbin), und er lehnte das Pistolcndnell nochaus dem ganz besonderen Sanitätsgrundc ab, weil er keine bleiernenKugeln vertragen könne und sein Bauch nur an gebackenc Schalet-kngeln und schwäbische Knödeln gewöhnt sei.

Korsen, nordamerikanischc Indianer und Schwaben verzeihennie; und ans diese schwäbische Vendetta rechnete der Jesnitcnzögling,als er seinen korrupten Korrnptionsartikel derAllgemeinen Zeitung"einschickte; und die Redaktion derselben ermangelte nicht, brühwarmeine Pariser Korrespondenz abzudrucken, welche den guten Leumunddes nncrschvssenen schwäbischen Landsmanns den unheimlichsten undschändlichsten Hypothesen und Konjekturen überlieferte. Die RedaktionderAllgemeinen Zeitung" konnte ihre Unparteilichkeit bei der Auf-nahme dieses Artikels um so glänzender znr Schau stellen, da darineiner ihrer befreundeten Korrespondenten nicht minder bedenklich bloß-gestellt war. Ich weiß nicht, ob sie der Meinung gewesen, daß siemir durch den Abdruck schmählicher, aber haltloser Beschuldigungeneinen Dienst erweise, indem sie mir dadurch Gelegenheit böte, jedemunwürdigen Gerede, jeder im Nebel schleichenden Insinuation miteiner bestimmten Erklärung entgegenzutreten.*) Genug, die Re-

') Im Originalmannslript derLutetia" findet sich hier »och folgende, spätervon Heine durchstrichcnc Stelle:Sie, die Redaltion, glaubte vielleicht auch, das!die Erwähnung meines Namen- in jenem Artikel mir in keinem Fall sehrschädlich sein könne, da sie selbst ivohl wnsitc, wie leicht es mir war, der absurdenAnschuldigung ein Dementi zu geben jedenfalls hatte sie oft genug die Beweisein Händen gehabt, wie wenig die Anklage eines seilen Scrvllisinus ans mich