68 Französische Zustände. II.
und Bulgarien, ans Spanien und Polen, hvchklingcnde Namen vonBaronen, Generälen und Exministern, von Priestern sogar, gleichsameine Aristokratie der Armut bildend, während auf den Listen derKassen anderer Departemente minder briilante arme Teufel paradiertcn. Der deutsche Poet brauchte sich wahrlich seiner Genossenschaftnicht zu schämen, und er befand sich in Gesellschaften von BerühmtHelten des Talents und deS Unglücks, deren Schicksal erschütternd.Dicht neben meinem Namen ans der erwähnten PcnsionSlistc, inderselben Rubrik und in derselben Kategorie, fand ich den Nameneines Mannes, der einst ein Reich beherrschte größer als die Mo»archie des AhaSverns, der da .König von Haude bis Kusch, vonIndien bis an die Mohren, über hundert und siebcnnndzwanzig Länder;— es war Godoi, der Lriiws cls la ?aix, der unumschränkte Günst-ling Ferdinands VII. und seiner Gattin, die sich in seine Nase ver-liebt hatte — nie sah ich eine umfangreichere, kurfürstlichere Pnrpnr-nase, und ihre Füllung mit Schnupftabak muß gewiß dem armenGodoi mehr gekostet haben, als sein französisches Jahrgchnlt betrug.Ein anderer Name, den ich neben dem meiiiigen erblickte, und dermich mit Rührung und Ehrfurcht erfüllte, war der meines FrcnndcSund Schicksalsgenossen, des ebenso glorreichen wie nngliicklichen AngnstinThierrh, des größten GeschichtschrcibcrS unserer Zeit. Aber anstattneben solchen respektabel» Leuten meinen Namen zu nennen, wußteder ehrliche Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung" ans den erwähnten Budgetlistcn, wo freilich auch pensionierte diplomatischeAgenten verzeichnet standen, just zwei Namen der deutschen LandsMannschaft heransznklauben, welche Personen gehörten, die gewißbesser sein mochten als ihr Ruf, aber jedenfalls dem meinigen schadenmußten, wenn man mich damals mit ihnen zusammenstellte.*) Dereine war ein deutscher Gelehrter ans Göttingen, ein Legationsrat, dervon jeher ein Sündenbock der liberalen Partei gewesen und das Talentbesaß, durch eine zur Schau getragene diplomatische Geheimthuereifür das Schlimmste zu gelten. Begabt mit einem Schah von Kenntnissen und einem eisernen Flcißc, war er für viele Kabinette einsehr branchbarer Arbeiter gewesen, und so arbeitete er später gleichfalls in der Kanzlei Guizots, welcher ihn auch mit verschiedenenMissionen betraute, und diese Dienste rechtfertigen seine Besoldung,die sehr bescheiden war. Die Stellung des andern Landsmanns, mitwelchem der ehrliche Korrnptivnskorrcspondeni mich zusammen nannte,hatte mit der mcinigen ebensowenig Analogie, wie die des crstcren;
*) Vgl. den Korrcspondenzartilel in der Beilage zu Nr. INI der „AllgemeinenZeitung" vom SS. April 1S48. Ausicr Heine, dessen monatliche Pension nur400 Frank betrug, waren dort noch drei deutsche Namen: Schneider (?>, Baronvon Klindwortli und to. Weit — leglerer als Redacteur der „StuttgarterZeitung" mit einem Jahrgchaltc von IS 000 Front — ausgcsiilirt.
Der Herausgeber.