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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Französische Zustände. II.

Die Zeit war sehr gut gewählt, und die Berlcumduug hatte freienSpielraum in der Sturm und Drangpcrivdc vom Februar 1843,wo alle politischen Leidenschaften, plötzlich entziigclt, ihren rasendenVeitstanz begannen. Es herrschte überall eine Verblendung, wie sienur bei den Hexen ans dem Blocksberg oder bei dem Jakobinismnsin seinen rohesten Schreckenstagen vorgekommen. Es gab wieder un-zählige Klubs, wo von den schmutzigsten Lippen der unbescholtensteLeumund angespuckt ward; die Mauern aller Gebäude waren mitSchmähungen, Denunziationen, Anfrnhrprcdigten, Drohungen, Jn-vektiven in Versen und in Prosa besudelt, — eine schmierige Mord-brandliticratur. Sogar Blangni, der inkarnicrte Terrvrismns undder bravste Kerl unter der Sonne, ward damals der gemeinsten An-geberei und eines Einverständnisses mit der Polizei bezichtigt. —Keine honette Person verteidigte sich mehr. Wer einen schonenMantel besaß, verhüllte darin daS Antlitz. In der ersten Revolutionmußte der Name Pitt dazu dienen, die besten Patrioten als vcrkaufte Verräter zu beflecken — Danton, Rvbespierre, ja sogar Maratdenunzierte man als besoldet von Pitt. Der Pitt der Februar-revolution hieß Gnizot, und den lächerlichsten Verdächtigungen mußteder Name Gnizot Vorschub leisten. Erregte man den Neid einesjener Tagesheldcn, die schwach von Geist waren, aber lange in SaintePclagie oder gar ans dem Moni Saint Michel gesessen, so konnteman darauf rechnen, nächstens in seinem Klub als ein HelfershelferGuizots, als ein feiler Söldner des Guizotschen Bestechnngssystemsangeklagt zu werden. Es gab damals keine Guillotine, wo man dieKöpfe abschnitt, aber man hatte eine Gnizotinc erfunden, womitman uns die Ehre abschnitt. Auch der Name des Schreibers dieserBlätter entging nicht der Verunglimpfung in jener Tvllzeit, undein Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung" entblödete sich nicht,in einem anonymen Artikel von den unwürdigsten Stipulationenzu sprechen, wodurch ich für eine namhafte Summe meine littcrarische Thätigkeit den gonvcrncmcntalcn Bedürfnissen des MinisteriumsGnizot verkauft hätte.

Ich enthalte mich jeder Belcnchtnng der Person jenes fürchtenlichcn Anklägers, dessen rauhe Tugend durch die herrschende Korruptionso sehr in Harnisch geraten; ich will diesem mutigen Ritter nicht dac-Visier seiner Anonymität abreißen, und nur beiläufig bemerke ich,daß er kein Deutscher, sondern ein Italiener ist, der, in Jcsnilcnschulen erzogen, seiner Erziehung treu blieb, und zu dieser Stundein den Bureaus der österreichischen Gesandtschaft zu Paris eine kleineAnstellung genießt. Ich bin tolerant, gestatte jedem sein Handwerkzu treiben, wir können nicht alle ehrliche Leute sein, es muß Käuzevon allen Farben geben, und wenn ich mir etwa eine Rüge gestatte,so ist es nur die raffinierte Treulosigkeit, womit mein nltramvntnner