Die parlamentarische Periode des Biirgerkönigtums. k>7
großen Verluste notigen, wie ich höre, den einst so wohlhabendenMann, das sehr teure Paris zu verlassen und sich auf das Landzurückzuziehen, wo er, wie Cincinnatus, seinen sekbstgepflanzten Kohlverspeisen oder, wie einst Nebukadnezar, auf seinen eigenen Wiesengrasen kann. Das wäre nun ein großer Verlust für die deutscheLandsinannschaft. Denn alle deutsche Reisende zweiten und drittenRanges, die hierher nach Paris kamen, fanden im Hause des HerrnLeo eine gastliche Aufnahme, und manche, die in der frostigenFranzosenwelt ein Unbehagen empfanden, konnten sich mit ihremdeutschen Herzen hierher flüchten und mit gleichgesinntcn Gemüternwieder heimisch fühlen. An kalten Winterabenden fanden sie hiereine warme Tasse Thee, etwas homöopathisch zubereitet, aber nichtganz ohne Zucker. Sie sahen hier Herrn von Humboldt, nämlichin skti^is an der Wand hängend als Lockvogel. Hier sahen sie denNasenstern in natura. Auch eine deutsche Gräfin fand man chier.ES zeigten sich hier auch die vornehmsten Diplomaten Vvn Kräh-Winkel, nebst ihren kräh und schicfwiuklichtcn Gemahlinnen und ihrenTöchtern mit blonden Haaren, blonden Zähnen und Händen. Hierhörte mau mitunter sehr ausgezeichnete Klavierspieler und Geiger,neu angekommene Virtuosen, die Vvn Seelenverkäufern an das HauSLeo empfohlen worden und sich in seinen Soireen musikalisch aus-beuten ließen. Es waren die holden Klänge der Muttersprache,sogar der Grvßmuttersprache, welche hier den Deutschen begrüßten.Hier ward die Mundart des Hamburger Dreckwalls am reinsten ge-sprochen, und wer diese klassischen Laute vernahm, dem ward zuMute, als röche er wieder die Twietcn des MönckedammS. Wennaber gar die Adelaide von Beethoven gesungen wurde, flössen hierdie sentimentalsten Thränen! Ja, jenes Haus war eine Oase, einesehr nasige Oase deutscher Gemütlichkeit in der Sandwüste der fran-zösischen BerstandcSwelt, es war eine Laubcrhüttc des traulichstenEancans, wo man rnddelte wie an den Ufern des Mains, wo mantlnngelte wie im Weichbildc der heiligen Stadt Köln, wo dem vater-ländischen Klatsch manchmal auch zur Erfrischung ein Gläschen Bierbeigesellt ward - deutsches Herz, waS verlangst du mehr? ES wärejammerschade, wenn diese Klatschbude geschlossen würde.
Uli.
Paris, den ö. Mai 184Z.
Die kostbare Zeit wird leichtsinnig verzettelt. Ich sage diekostbare Zeit, und ich verstehe darunter die Friedensjahre, die unsdurch die Regierung Ludwig Philipps verbürgt sind. An dem Lebens-fnden desselben hängt die Ruhe Frankreichs, und der Mann ist alt,und unerbittlich ist die Schere der Parze. Statt diese Zeit zu be-