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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamentarische Periode des Biirgerkönigtnms. 43

erraten wollen nnd, blind nmhcrtappcnd, nicht selten die unschuldigstenLeidensgenossen verletzein Wir haben immer recht in betreff derThatsache, nämlich daß Giftmischerei stattgefunden und daß wirdaran erkrankten; aber waS die Personen betrifft, auf die unserVerdacht fällt, so ist Irrtum an allen Ecken, und es ist manchmalheilsam, sich darüber auszusprechen. Es ist manchmal sogar Pflicht,nnd in dieser Beziehung habe ich über den Schluß meines letztenBriefes eine erläuternde Bemerkung nachzuschicken. Ich habe nämlichin sencn Schlußworten keineswegs die Ehrlichkeit der Gesinnung, dieWahrhaftigkeit und Ehrcnsestigkeit irgend eines deutschen Tribunen,der unseren Rhein verteidigt, zu verunglimpfen gesucht, sondern ichhabe nur ans die Ausbildung eines Systems hindeuten wollen, daSjenseits des Kanals seit dem Beginn der französischen Revolutiongegen Frankreich angewendet worden; jenes System ist eine That-sache, die historisch bewiesen. Ich hatte nur jene britische Bereit-willigkeit im Auge, die, wenn sie auch nicht selbst schießt, dochwenigstens die Bomben liefert, wie zu Barcelona, Ich glaube michzu dieser Bemerkung verpflichtet; der Zwiespalt zwischen den so-genannten Nationalen und den Nationalen wird täglich klaffender,nnd letztere müssen eben ihre Bernüuftigkcit dadurch beurkunden, daßsie den Groll gegen die Idee nicht die Diener derselben entgeltenlassen. Wie die Römer, wenn sie eine Stadt mit Sturm einnehmenwollten, vorher die Götter aufforderten, das Weichbild der bedrohtenStadt zu verlassen, ans Furcht, daß sie im Tumult irgend eineGottheit beschädigen mochten, so wollen wir, die wir Krieg führen mitGottheiten, mit Ideen, uns im Gegenteil davor hüten, daß wir nichtdie Diener derselben, die Menschen, im Kampfgewühl verletzen!

Ich schreibe diese Zeilen in den letzten Stunden des scheidendenbösen Jahres, Das neue steht vor der Thür, Möge es mindergransam sein als sein Vorgänger! Ich sende meinen wehmütigstenGlückwunsch zum Neujahr über den Rhein, Ich wünsche den Dummenein bißchen Verstand nnd den Verständigen ein bißchen Poesie, DenFrauen wünsche ich die schönsten Kleider und den Männern sehr vielGeduld, Den Reichen wünsche ich ein Herz und den Armen einStückchen Brot, Vor allein aber wünsche ich, daß wir in diesemneuen Jahr einander so wenig als möglich verleumden mögen.

I.,

Poris, dcn 2, Februar 1S4Z,Worüber ich am meisten erstaune, das ist die Nnstelligkcit dieserFranzosen, das geschickte Übergehen oder vielmehr Überspringen voneiner Beschäftigung in die andere, in eine ganz heterogene. Es istdieses nicht bloß eine Eigenschaft des leichten Naturells, sondern auch