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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Französische Zustände. 71.

eben Vvn einer Spazierfahrt." Auch die gebratenen Spritzenleutcund Litzenbrüder, die einige Tage später aus Hamburg ankamen,mußten nicht geringes Erstaunen im Laude Plutvs erregen. Seidihr die Opfer des Kricgsgottes? war gewiß die Frage, womit sieempfangen wurden. „Nein, unsere Republik hat Frieden mit derganzen Welt, der Tempel des JauuS war geschlossen, nur die Bacchus-halle stand offen, und wir lebten im ruhigen Genüsse unserer spar-tanischen Mockturtlesuppen, als plötzlich daS große Feuer entstand,worin wir umkamen." lind eure berühmten Löschanstaltcn? „Diesind gerettet, nur ihr Ruhne ist verloren." Und die alten Perücken?„Die werden wie gepuderte Phvnixe aus der Asche hervorsteigcn."Den folgenden Tag, während Hamburg noch loderte, entstand daSErdbeben zu Haiti, und die armen schwarzen Menschen wurden zuTausenden ins Schattenreich hinabgeschleudcrt. Als sie bluttriefendanlaugten, glaubte man gewiß dort unten, sie kämen aus einerSchlacht mit den Weißen, und sie seien von diesen gemetzelt oder garals revoltierte Sklaven zu Tode gepeitscht worden. Nein, auch diesmal irrten sich die guten Leute am Sthx. Nicht der Mensch, sonderndie Natur hatte das große Blutbad angerichtet auf jener Insel, wodie Sklaverei längst abgeschafft, Ivo die Verfassung eine republikanischeist, ohne verjüngende Keime, aber wurzelnd in ewigen Vernunft-gesehen; es herrscht dort Freiheit und Gleichheit, sogar schwarze Preß-freiheit. — Grciz-Schlciz ist keine solche Republik, kein so hitzigerBoden wie Haiti, Ivo das Zuckerrohr, die Knffccstaudc und die schwarzePreßfreiheit wächst, und also ein Erdbeben sehr leicht entstehenkonnte; aber trotz des zahmen Kartoffelklimas, trotz der Censur, trotzder geduldigen Verse, die eben deklamiert oder gesungen wurden,ist den Grciz-Schleizern, während sie vergnügt und schaulustig imTheater saßen, Plötzlich das Dach auf den Kopf gefallen, und einTeil des verehruugswürdigen Publikums sah sich unerwartet in denOrkus geschleudert!

In, im sanftseligstcu Tüttleben, im Zustande des Friedens,häufte sich mehr Unheil und Elend, als jemals der Zorn Bellvnaszusammcntrompctcn konnte, lind nicht bloß zu Lande, sondern auchzu Wasser haben wir in diesem Jahr das Außerordentliche erduldet.Die zwei großen Schiffbrüche an den Küsten Vvn Südafrika und derManche gehören zu den schauderhaftesten Kapiteln in der Martyr-geschichte der Menschheit. Wir haben keinen Krieg, aber der Friedenrichtet uns hin, und gehen wir nicht plötzlich zu Grunde durch einenbrutalen Zufall, so sterben mir doch allmählich an einem gewissenschleichenden Gift, an einer Aqua Toffnna, welche uns in den Kelchdes Lebens geträufelt worden, der Himmel weiß, Vvn welcher Hand!

Ja, nur der Himmel weiß es, nicht wir, die wir in der Un-geduld des langweiligsten Schmerzes die Urheber desselben vergebens