Die parlamentarische Periode des BiirgrrlönigtumZ. 43
und die Blume der Mitte ist verloren. Die Engländer sind über-rascht, so leichten Kaufs mit dem Bruder der Sonne und dem VetterdcS Mondes fertig geworden zu sein, und sie berechnen schon, ob siedie jetzt überflüssigen Kricgsrüstnngen im indischen Meere gegenJapan richten sollen, um auch dieses Land zu brandschatzen. Äneinem loyalen Vorwande zum Angriff wird es gewiß auch hier nichtfehlen. Sind es nicht Opinmfässcr, so sind es die Schriften der eng-lischen Missivnsgescllschaft, die von der japanischen Snnitätskommissionkonfisziert worden. Vielleicht bespreche ich in einem späteren Briefe,wie England seine Kriegsziige bemäntelt. Die Drohung, daß britischeGroßmut uns nicht zu Hilfe kommen werde, wenn Deutschland einstwie Polen geteilt werden dürfte, erschreckt mich nimmermehr. Erstenskann Deutschland nicht geteilt werden. Teile mal einer das Fürsten-tum Liechtenstein oder Grciz-Schleiz! Und zweitens ist Deutschlandtrotz feiner Zerstückelung die gewaltigste Macht der Welt, und dieseMacht ist im wunderbarsten Wachstum. Ja, Deutschland wird täglichstärker, der Natlvnalsinn verleiht ihm eine innere Einheit, die un-verwüstlich, und es ist gewiß ein Symptom unserer steigenden Volks-bedentung, daß die Engländer, die einst nur den Fürsten Snbsidicngezahlt, jetzt auch den deutschen Tribunen, die mit der Feder denRhein verteidigen, ihre Drnckkvstcn ersetzen. — —
XUIX.
Paris, den gl. Dezember 184S.
Noch ein kleiner Fußtritt, und das alte böse Jahr rollt hinunterin den Abgrund der Zeit. Diese? Jahr war eine Satire auf LudwigPhilipp, ans Guizot, ans alle, die sich so viel Mühe gegeben haben,den Frieden in Europa zu erhalten. Dieses Jahr ist eine Satireaus den Frieden selbst, denn im geruhsamen Schöße desselben wurdenwir mit Schrecknissen heimgesucht, wie sie der gefürchtete Krieg gewißnicht schrecklicher hervorbringen konnte. Entsetzlicher Wonnemond,Ivo fast gleichzeitig in Frankreich, in Deutschland und Haiti diefürchterlichsten Trauerspiele aufgeführt wurden! Welches Zusammen-treffen der unerhörtesten Unglücksfälle! Welcher boshafte Witz desZufalls! Welche höllischen Überraschungen! Ich kann mir die Ver-wunderung denken, womit die Bewohner des Schattenreichs die neuenAnkömmlinge vom 6. Mai betrachteten, die geputzten Svnntags-gcsichtcr, Studenten, Griscttcn, junge Ehepaare, vergnügungssüchtigeDroguisten, Philister von allen Farben, die zu Versailles die Kunst-wasser springen sahen und, statt in Paris, wo schon die Mittagstafelfür sie gedeckt war, plötzlich in der Unterwelt anlangten! Und zwarverstümmelt, gesotten und geschmort! Ist es der Krieg, der euch soschnöde zugerichtet? „Ach nein, wir haben Frieden, und wir kommen