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10 (1898) Französische Zustände : 2
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42 Französische Zustünde, II,

kaum decken. Dazu kommen noch andere Fatalitäten, über die manleicht den Verstand verlieren kann, und an der Börse versicherte mangestern, der Halbbankier Läusedorf wolle zum Christentum über-gehen.^) Andern geht es besser, und wenn auch die rivs Aanekrsgänzlich ins Stocken geriete, könnten wir uns damit trösten, daß dierivs droits desto erfreulicher gedeiht. Auch die südfranzösischenEisenbahnen, so wie die jungst konzessionierten, machen gute Geschäfte,und wer gestern noch ein armes Liimpchen war, ist heute schon einreicher Lump, Namentlich der dünne und lnngnasige Herr ^ ver-sichert: er habe „Grind", mit der Vorsehung zufrieden zu sein. Ja,während ihr andern in philosophischen Spekulationen eure Zeit ver-trödelt, spekulierte und trödelte dieser dünne Geist mit Eiscnbahn-aktien, und einer seiner Gönner von der hohen Bank sagte mirjüngst: „Sehen Sie, das Kerlchen war gar nichts, und jetzt hat esGeld, und es wird noch mehr Geld verdienen, und es hat sich allsein Lebtag nicht mit Philosophie abgegeben," Wie doch diese Pilzein allen Ländern und Zeiten dieselben gewesen! Mit besondererVerachtung haben sie immer auf Schriftsteller herabgesehen, die sichmit jenen uneigennützigen Studien beschäftigen, die wir Philosophienennen. Schon vor achtzehnhundert Jahren, wie Pctrvn erzählt,ließ ein römischer Parvenü sich folgende Grabschrift setzen: „Hierruht Straberius — er war anfangs gar nichts, er hinterließ jedochdreihundert Millionen Sestcrzien, er hat sich sein Lebtag nicht mit Philo-sophie abgegeben; folge seinemBcisPicl, und duwirst dich wohl befinden,"

Hier in Frankreich herrscht gegenwärtig die größte Ruhe, Einabgematteter, schläfriger, gähnender Friede, Es ist alles still, wie ineiner verschneiten Winternacht, Nur ein leiser, monotoner Trvpfen-fall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufcln in dieKapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, Wiestewachsen, die Reichtümer der Reichen, Dazwischen das leise Schluchzender Armut, Manchmal auch klirrt etwas wie ein Messer, das gewetztwird. Nachbarliche Tumulte kümmern uns sehr wenig, und nichteinmal das rasselnde Schilderhebcn in Barcelona hat uns hier auf-gestört, Der Mordspektakel, der im Studierzimmer der MademoiselleHeinesetter zu Brüssel vorfiel, hat uns schon weit mehr interessiert,und ganz besonders sind die Damen ungehalten über dieses deutscheGemüt, daS trotz eines mehrjährigen Aufenthalts in Frankreich dochnoch nicht gelernt hatte, wie man es anfängt, daß zwei gleichzeitigeAnbeter sich nicht auf der Walstatt ihres Glücks begegnen. DieNachrichten aus dem Osten erregten gleichfalls ein unzufriedenesGemurmel im Volke, und der Kaiser von China hat sich ebenso starkblamiert, wie Mademoiselle Heinescttcr, Nutzloses Blutvergießen,

"> „glaube nicht mehr au Moses und die Propheten und wolle sich taufenlassen," sieht in der Augsburgcr Allgemeinen Zeitung, Der Herausgeber,