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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die pcirlamciitarbchc Periode des Bilrgcrköingtums. 41

Wirkung der Revolution, sondern auch ein Ergebnis des Nationalechnrakters der Franzosen, denen das Handeln, die Thätigkeit, dieBewegung ein ebenso großes Bedürfnis ist, wie uns Deutschen dasTabakranchcn, das stille Denken und die Gemütsruhe; gerade dadurch,daß die französischen Staatslenker so rührig sind und sich beständigetwas Neues zu schassen machen, geraten sie in halsbrechende Ver-Wicklungen. Dies gilt nicht bloß von den Ministerien, sondern auchvon den Dynastien, die immer durch eigene Aktivität ihre Kata-strophe beschleunigt haben. Ja, durch dieselbe fatale Ursache, durchdie unermüdliche Aktivität, ist nicht bloß Thiers gefallen, sondernauch der stärkere Napoleon, der bis an sein seliges Ende auf deinThrone geblieben wäre, wenn er nur die Kunst des Stillsitzen?, diebei uns den kleinen Kindern zuerst gelehrt wird, besessen hätte! DieseKunst besitzt aber Herr Gnizvt in einem hohen Grade, er hält sichmarmorn still, wie der Obelisk des Lnxvr, und wird deshalb sichlänger erhalten, als man glaubt. Er thnt nichts, und das ist dasGeheimnis seiner Erhaltung. Warum aber thnt er nichts? Ichglaube zunächst, weil er wirklich eine gewisse germanische Gemütsruhebesitzt und von der Sucht der Geschäftigkeit weniger geplagt wird alsseine Landsleute. Oder thnt er nichts, weil er so viel versteht? Jemehr wir wissen, je tiefer und umfassender unsere Einsichten sind,desto schwerer wird uns das Handeln, und wer alle Folgen jedesSchrittes immer voraussähe, der würde gewiß bald aller Bewegungentsagen und seine Hände nur dazu gebrauchen, um seine eigenen Füßezu binden. Das weiteste Wissen verdammt uns zur engsten Passivität.

Indessen — was auch das Schicksal des Ministeriums sein möge— laßt uns die letzten Tage des Jahrs, daS, gottlob! seinem Endenaht, so resigniert als möglich ertragen. Wenn uns nur der Himmelnicht zum Schluß mit einem neuen Unglück heimsucht! ES war einschlechtes Jähr, und wäre ich ein Tendenzpoct, ich würde mit meinenmißtönend poltrigsten Versen dem scheidenden Jahre ein Eharivaribringen. In diesem schlechten, schändlichen Jahre hat die Menschheitviel erduldet, und sogar die Bankiers haben einige Verluste erlitten.Welch ein schreckliches Unglück war z. B. der Brand ans der Ver-sackter Eisenbahn! Ich spreche nicht von dem verunglückten Sonn-tngspnbliknm, das bei dieser Gelegenheit gebraten oder gesottenwurde; ich spreche vielmehr von der überlebenden Sabbathkompanie,deren Aktien um so viele Prozente gefallen sind und die jetzt deinAusgang der Prozesse, die jene Katastrophe hervorgerufen, mitzitternder Besorgnis entgegensieht. Werden die Stifter der Kom-panie den verwaisten oder verstümmelten Opfern ihrer Gewinnsuchteinigen Schadenersatz gewähren müssen? Es wäre entsetzlich! Diesebeklagenswerten Millionäre haben schon so viel eingebüßt, und derProfit von andern Unternehmungen mag in diesem Jahre das Deficit