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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamentarische Periode des Biirgerkönigtnms. 33

gehören sie dieser Erde, der Schädelstätte ihres Leidens. Die Masse,die Stock-Engländer — Gott verzeih mir die Sünde! — sind mirin tiefster Seele zuwider, und manchmal betrachte ich sie gar nichtals meine Mitmenschen, sondern ich halte sie für leidige Automaten,für Maschinen, deren inwendige Triebfeder der Egoismus. Es willnach dann bcdünken, als hörte ich das schnurrende Räderwerk, womitsie denken, fühlen, rechnen, verdauen und beten — ihr Beten, ihrmechanisches, anglikanisches Kirchengehen mit dem vergoldeten Gebetbuch nntcrm Arm, ihre blöde, langweilige SvnntagSfeier, ihr linkischesFrömmeln ist mir am widerwärtigsten; ich bin fest überzeugt, einfluchender Franzose ist ein angenehmeres Schauspiel für die Gottheit,als ein betender Engländer! Zu andern Zeiten kommen diese Stock-Engländer mir vor wie ein öder Spuk, und weit unheimlicher, alsdie bleichen Schatten der mitternächtlichen Geisterstunde, sind mirjene vierschrötigen, rotbäckigen Gespenster, die schwitzend im grellenSonnenlicht nmherwandeln. Dabei der totale Mangel an Höflichkeit.Mit ihren eckigen Gliedmaßen, mit ihren steifen Ellenbogen stoßensie überall an, und ohne sich zu entschuldige» durch ein artiges Wort.Wie müssen diese rothaarigen Barbaren, die blutiges Fleisch fressen,erst jenen Chinesen verhaßt sein, denen die Höflichkeit angeboren, unddie, wie bekannt ist, zwei Drittel ihrer Tageszeit mit der Ausübungdieser Nationaltngend verknixen und verbücklingcn!

Ich gestehe es, ich bin nicht ganz unparteiisch, wenn ich vonEngländern rede und mein Mißurteil, meine Abneigung, wurzeltvielleicht in den Besorgnissen ob der eigenen Wohlfahrt, ob derglücklichen FriedcnSrnhe des deutschen Vaterlandes. Seitdem ichnämlich tief begriffen habe, welcher schnöde Egoismus auch in ihrerPolitik waltet, erfüllen mich diese Engländer mit einer grenzenlosen,grauenhaften Furcht. Ich hege den besten Respekt vor ihrer mate-riellen Obmacht; sie haben sehr viel von jener brutalen Energie,womit die Römer die Welt unterdrückt, aber sie vereinigen mit derrömischen WolfSgier auch die Schlangcnlist .Karthagos. Gegen ersterchaben wir gute und sogar erprobte Waffen, aber gegen die meuch-lerischen Ränke jener P,micr der Nordsee sind wir wehrlos, lindjetzt ist England gefährlicher als je, jetzt wo seine merkantilischenInteressen unterliegen — es gicbt in der ganzen Schöpfung kein sohartherziges Geschöpf, wie ein Krämer, dessen Handel ins Stockengeraten, dem seine Kunden abtrünnig werden und dessen Warenlagerkeinen Absatz mehr findet.

Wie wird England sich ans solcher Geschttftskrisis retten? Ichweiß nicht, wie die Frage der Fabrikarbeiter gelöst werden kann;aber ich weiß, daß die Politik des modernen Karthago nicht sehrwählerisch in ihren Mitteln ist. Ein europäischer Krieg wird dieserSelbstsucht vielleicht zuletzt als das geeignetste Mittel erscheinen, um