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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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84 Französische Zustünde/ N,

und Volk ist durch daS gemeinschaftliche Unglück gleichsam aufs neueeingesegnet worden, Ader wie lange werden die schwarzen Flitter-wochen dauern?

Xl.VIl,

Paris, den 17, September 184Z,Nach einer vierwöchentlichen Reise bin ich seit gestern wiederhier, und ich gestehe, das Herz jauchzte mir in der Brust, als derPostwagen über das geliebte Pflaster der Boulevards dahinrvllte, alsich an dem ersten Pupladen mit lächelnden Griscttengesichtern vorüberfuhr, als ich das Glockengeläuts der Cocovcrkänfer vernahm, alsdie holdselige civilisicrte Luft von Paris mich wieder anwehte, GSwurde mir fast glücklich zu Mut, und den ersten Nationalgardisten,der mir begegnete, hätte ich umarmen können; sein zahmes, gut-mütiges Gesicht grüßte so witzig hervor unter der wilden rauhenBürcnmütze, und sein Bajonett hatte wirklich etwas Intelligentes,wodurch es sich von den Bajonetten anderer Korporationen so be-ruhigend unterscheidet. Warum aber war die Freude bei meinerRückkehr nach Paris diesmal so überschwenglich, daß es mich fastbedünkte, als beträte ich den süßen Boden der Heimat, als hörte ichwieder die Laute des Vaterlandes? Warum übt Paris einen solchenZauber auf Fremde, die in seinem Weichbild einige Jahre verlebt?Viele wackere Landslente, die hier seßhaft, behaupten, an keinem Ortder Welt könne der Deutsche sich heimischer fühlen, als eben in Paris,und Frankreich selbst sei am Ende unserem Herzen nichts anderes,als ein französisches Deutschland,

Aber diesmal ist meine Freude bei der Rückkehr doppelt groß— ich komme aus England. Ja, ans England, obgleich ich nichtden Kanal durchschiffte. Ich verweilte nämlich während vier Wochenin Bonlvgnc snr-mcr, und das ist bereits eine englische Stadt, Mansieht dort nichts als Engländer und hört dort nichts als Englischvon morgens bis abends, ach, sogar des Nachts, wenn man das Un-glück hat, Wandnachbarn zu besitzen, die bis tief in die Nacht beiThee und Grog politisieren! Während vier Wochen hörte ich nichtsals jene Zischlaute des Egoismus, der sich in jeder Silbe, in jederBetonung ausspricht. Es ist gewiß eine schreckliche Ungerechtigkeit,über ein ganzes Volk das VerdnmmungSurteil auszusprechen. Dochin betreff der Engländer könnte mich der augenblickliche Unmut zudergleichen verleiten, und beim Anblick der Masse vergesse ich leichtdie vielen wackeren und edlen Männer, die sich durch Geist undFrciheitslicbe ausgezeichnet. Aber diese, namentlich die britischenDichter, stachen immer desto greller ab von dem übrigen Volk, siewaren isolierte Märtyrer ihrer nationalen Verhältnisse, und danngehören große Genies nicht ihrem partikulären Geburtslande, kaum