Die parlamentarische Periode des Biirgcrkönipwms. 29
Prinzen jammerte. Eine düstere Betrübnis lag auf allen Gesichtern,und der Schmerz derjenigen, die kein Wort sprachen, war am bered-samsten. Da flössen die redlichsten Thränen, und unter den Wei-nenden war gewiß mancher, der in der Tabagic mit seinen« Rcpubli-kaniSmuS prahlt. Ja, das Königtum feierte einen großen Triumph,und zwar ans derselben Place de la Concorde, wo es einst seineschmählichste Niederlage erlitten.
Aber für Frankreich ist der Tod des jungen Prinzen ein wirklichesUnglück, nnd er dürste weniger Tugenden besessen haben als ihmnachgerühmt «Verden, so hätten doch die Franzosen hinlängliche Ur-sache zum Weinen, «venu sie an die Zukunft denken. Die Rcgent-schaftSfrnge beschäftigt schon alle Köpfe, nnd leider nicht bloß diegescheiten. Biel Unsinn wird bereits zu Markte gebracht. Auch dieArglist weiß hier eine Jdccnbcrwirrung anzuzetteln, die sie zu ihrenPartcizwcckcn auszubeuten hofft, nnd die in jedem Fall sehr bedenklicheFolgen haben kann. Genießt der Herzog von Nemours wirklich die aller-höchste Ungnade des souveränen Volks, wie manche Blätter insinnierenund wie von manchen Leuten mit übertriebenen« Eifer behauptetwird? Ich will nicht darüber urteilen. Noch weniger will ich dieGründe seiner Ungnade untersuchen. Das Vornehme, Feine, Ab-lehnende, Patrizicrhafte in der Erscheinung des Prinzen ist wohl dereigentliche Anklagepnnkt. Das Aussehen des Orleans war edel, dasAussehen des Ncmonrs ist adlig. Und selbst «venu das Äußere demInneren entspräche, wäre der Prinz deshalb «licht minder geeignet,einige Zeit als Gvnfalvniere der Demokratie derselben die bestenDienste zu leisten, da dieses Amt durch die Macht der Verhältnisseihm die größte Verleugnung der Privatgefühle geböte; denn seinverhaßtes Haupt stünde hier auf dem Spiele. Ich bin sogar «iber-zeugt, die Interessen der Demokratie sind «vcit minder gefährdet durcheinen Regenten, dem man wenig traut und den man beständig kon-trolliert, als durch einen jener Günstlinge des Volks, denen man sichmit blinder Vorliebe hingiebt und die am Ende doch nur Menschensind, wandelbare Geschöpfe, unterworfen den VeränderungSgcsctzen derZeit «nid der eigenen Natur. Wie viele populäre Kronprinzen haben«vir unbeliebt enden sehen! Wie grancnhaft wetterwendisch zeigte sichdaS Volk in Bezug ans die ehemaligen Lieblinge! Die französischeGeschichte ist besonders reich an betrübenden Beispielen. Mit welchemFrcndcjauchzcn ninjubeltc das Volk de«, jungen Ludwig XIV. —mit thrttnenlosem Kaltsinn sah eS den Greis begraben. Ludwig XV.hieß mit Recht 1s bian-niins, und mit wahrer Affenliebe huldigtenihm die Franzosen im Anfang; als er starb, lachte man und pfiffman Schclmcnlicder — man freute sich über seinen Tod. Seinen«Nachfolger, Ludwig XVI., ging es noch schlimmer, und er, der alsKronprinz fast angebetet wurde und der im Beginn seiner Regierung