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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Französische Zustände, ll.

für das Muster aller Vollkommenheit galt, er ward von seinemVolke persönlich mißhandelt, nnd sein Leben ward sogar verkürzt inder bekannten majestätsvcrbrecherischen Weise, ans der Place de laConcorde. Der letzte dieser Linie, Karl X., war nichts weniger alsunpopulär, als er auf den Thron stieg, und das Volk begrüßte ihndamals mit unbeschreiblicher Begeisterung; einige Jahre später warder zum Lande hinaus eskortiert, und er starb den harten Tod desExils. Der Svlvnische Spruch, daß man niemand vor seinem Endeglücklich preisen möge, gilt ganz besonders von den Königen vonFrankreich. Laßt uns daher den Tod des Herzogs von Orleansnicht deshalb beweinen, weil er vom Volke so sehr geliebt ward unddemselben eine so schöne Zukunft versprach, sondern weil er alsMensch unsere Thränen verdiente. Laßt uns auch nicht so sehrjammern über die sogenannte ruhmlose Art, über das banal Zu-fällige seines Endes. Es ist besser, daß sein Haupt gegen einenharmlosen Stein zerschellte, als daß die Kugel eines Franzosen odereines Deutschen ihm den Tod gab. Der Prinz hatte eine Vorahnungseines frühen Sterbens, meinte aber, daß er im Kriege oder in einerEmcute fallen würde. Bei seinem ritterlichen Mute, der jeder Gefahrtrotzte, war dergleichen sehr wahrscheinlich. Aber die gütigen Götterhaben anders beschlossen. Sie wollten, daß der künftige König vonFrankreich mit reiner Liebe an seinem Volke hangen könne und auchnicht die Landslcnte seiner Mutter zu hassen brauche; es war wederdie Hand eines Franzosen noch eines Deutschen, die das Blut seinesVaters vergossen. Ein milder Trost liegt in diesem Gedanken. —Der königliche Dulder, Ludwig Philipp, benimmt sich mit einerFassung, die jeden mit Ehrfurcht erfüllt. Im Unglück zeigt er diewahre Größe. Sein Herz verblutet in namenlosem Kummer, abersein Geist bleibt ungebeugt, und er arbeitet Tag nnd Nacht. Niehat mau den Wert seiner Erhaltung tiefer gefühlt, als eben jetzt,wo die Ruhe der Welt von seinem Leben abhängt. Kämpfe tapfer,verwundeter Friedensheld!

XUV.

Paris, dcn so. Juli IS4S.

Die Thronrede ist kurz und einfach. Sie sagt das Wichtigste inder merkwürdigsten Weise. Der König hat sie selbst verfaßt. SeinSchmerz zeigt sich in einer Puritanischen, ich möchte fast sagenrepublikanischen Prunklosigkeit. Er, der sonst so redselig, ist seitdemsehr wortkarg geworden. Das schweigende Empfangen in den Tuile-rien vor einigen Tagen hatte etwas ungemein Trübsinniges, beinaheGeisterhaftes; ohne eine Silbe zu sprechen, gingen über tausendMenschen bei dem König vorüber, der stumm und leidend sie ansah.