Die parlamentarische Periode des Biirperkönigtmns. 27
ticrten im Gegensatz zu zwei Konservativen gewählt, und nicht durchdiesen ungeheuren Akt die Bewegung wieder in Bewegung gesetzt.Dieser Todesfall stellt alles Bestehende in Frage, und es wird einGluck sein, wenn die Anordnung der Regentschaft siir den Fall desAblebens des jetzigen Königs so bald als möglich und ohne Störnisvon den Kammern beraten und beschlossen wird. Ich sage von denKammern, denn das königliche Hansgesctz ist hier nicht ausreichendwie in andern Ländern, Die Diskussionen über die Regentschastwerden daher die Kammern zunächst beschäftigen und den Leidenschaften Worte leihen. Und geht auch alles ruhig von statten, sosteht uns doch ein provisorisches Interregnum bevor, das immer einMißgeschick und ein ganz besonders schlimmes Mißgeschick ist für einLand, Ivo die Verhältnisse noch so wackelig sind und eben der Sta-bilität am meisten bedürfen. Der König soll in seinem Unglück diehöchste Charakterstärke und Besonnenheit beweisen, obgleich er schonseit einigen Wochen sehr niedergeschlagen war. Sein Geist ward inder letzten Zeit durch sonderbare Ahnungen getrübt. Er soll un-längst an Thiers vor dessen Abreise einen Brief geschrieben haben,worin er sehr viel vom Sterben sprach, aber er dachte gewiß nuran den eigenen Tod, Der verstorbene Herzog von Orleans warallgemein geliebt, ja angebetet. Die Nachricht seines Todes traf wieein Blitz ans heiterem Himmel, und Betrübnis herrscht unter allenVolksklassen, Um zwei Uhr gestern nachmittag verbreitete sich ausder Börse, wo die Fonds gleich um drei Frank fielen, ein dumpfesUnglücksgerücht, Aber niemand wollte recht daran glauben. Auchstarb der Prinz erst um vier Uhr, und der Todesnachricht ward bisum diese Zeit von vielen Seiten widersprochen. Noch um fünf Uhrbezweifelte man sie. Als aber um sechs Uhr vor den Theatern einweißer Papicrstrcis über die Kvmödicnzettel geklebt und Relnche an-gekündigt wurde, da merkte jeder die schreckliche Wahrheit, Wie sieangctttnzclt kamen, die geputzten Französinnen, und statt des gehofftenSchauspieles nur die verschlossenen Thüreu sahen und von dem Un-glück hörten, das bei Ncnilly auf dem Weg, der Is eimmin cio ia,revolts heißt, passiert war, da stürzten die Thränen ans manchenschönen Augen, da war nichts als ein Schluchzen und Jammern umden schönen Prinzen, der so hübsch und so jung dahinsank, eineteure, ritterliche Gestalt, Franzose im liebenswürdigsten Sinne, injeder Beziehung der nationalen Bcklagnis würdig. Ja, er siel inder Blüte seines Lebens, ein heiterer, heldenmütiger Jüngling, under verblutete so rein, so unbefleckt, so beglückt, gleichsam unterBlumen, wie einst Adonis! Wenn er nur nicht gleich nach seinemTod in schlechten Versen und in noch schlechterer Lakaicnprosa ge-feiert wird! Doch das ist das Los des Schönen hier ans Erden,Vielleicht während der wahrhafteste und stolzeste Schmerz das fran-