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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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26 Französische Zustände. II.

Nordens daS Fell über die Ohren ziehen wird. Es wird vielleichtalsdann nur einen Hirten und eine Herde geben, ein freier Hirtmit einem eisernen Hirtcnstnbe und eine gleichgeschorcnc, gleichbläkcndeMenschenherde! Wilde, düstere Zeiten dröhnen heran, und der Pro-phet, der eine neue Apokalypse schreiben wollte, mußte ganz neueBestien erfinden, und zwar so erschreckliche, daß die älteren johanncischenTiersymbolc dagegen nnr sanfte Tänbchen nnd Amoretten wären.Die Götter verhüllen ihr Antlitz aus Mitleid mit den Menschen-kindern, ihren langjährigen Pfleglingen, nnd vielleicht zugleich auchans Besorgnis über das eigene Schicksal. Die Zukunft riecht nachJuchten, nach Blut, nach Gottlosigkeit nnd nach sehr vielen Prügel».Ich rate unseren Enkeln, mit einer sehr dicken Riickenhaut zur Weltzu kommen.

Heute ist man schon etwas ruhiger gestimmt als gestern. DieKonservativen haben sich vom ersten Schreck erholt, und die Oppvsitivn sieht ein, daß sie nnr an Hoffnungen gewonnen, der Sieg abernoch im weiten Felde steht. Das Ministerium kann sich noch immerhalten, obgleich mit einer sehr geringen, beängstigend notdürftigenMajorität. Anfangs des nächsten Monats, bei der Präsidentenwahl,wird sich hierüber das Bestimmte ausweisen. Daß diesmal so vieleentschiedene Lcgitimistcn zu Deputierten gewählt worden, ist vielleichtein Vorteil der Regierung. Die Radikalen werden durch diese neuenVerbündeten moralisch gelähmt, und das Ministerium erstarkt in deröffentlichen Meinung, wenn es, um jene legitimistische Opposition zubekämpfen, notwendigerweise ans dem alten Arsenal der Revolutionseine Waffen nehmen muß. Aber die Flamme ist wieder angefacht,angefacht in Paris, dem Mittelpunkt der Civilisntion, dem FeuerHerd, der die Funken über die Welt verbreitet. Heule noch freuensich die Pariser ihrer That, vielleicht aber morgen erschrecken sie dar-über, und dem Übermut folgt das Verzagen ans dem Fuße.

XIUII.

Paris, den lS. Juli ISW.

Meine dunkle Ahnung hat mich leider nicht getäuscht; die trübeStimmung, die mich seit einigen Tagen fast beugte und mein Augeumflorte, war daS Vorgefühl eines Unglücks. Nach dem jauchzende»Übermut von vorgestern ist gestern ein Schrecken, eine Bestürzungeingetreten, die unbeschreiblich, nnd die Pariser gelangen durch einenunvorhergesehenen Todesfall zur Erkenntnis, wie wenig die hiesigenZustände gesichert und wie gefährlich jedes Rütteln. Und sie wolltendoch nur ein bißchen rütteln, keineswegs durch allznstarke Stöße daSStnatsgebände erschüttern. Wäre der Herzog von Orleans einigeTage früher gestorben, so hätte Paris keine zwölf Oppvsitionsdcpn-