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10 (1898) Französische Zustände : 2
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22 Französische Zustände. H,

philosophische Kvterie, Ivozu Tracy, Cahanis und Konsorten gehörten,eine so besorgliche Abneigung hegte und sie mitunter sehr streng be-handelte. Er nannte sie Ideologen, und empfand eine vage, schierabergläubische Furcht vor jener Ideologie, die doch nichts andereswar, als der schäumende Aufguß der materialistischen Philosophie;diese hatte freilich die größte Umwälzung gefördert und. die schauerlichsten Zerstörungskräfte offenbart, aber ihre Mission war vollbrachtund also auch ihr Einfluß beendigt. Bedrohlicher und gefährlicherwar jene entgcgengesejstc Doktrin, die unbeachtet in Deutschland ein-portanchte und späterhin so viel beitrug zum Sturz der französischenGewaltherrschaft. Es ist merkwürdig, daß Napoleon auch in diesemFall nur die Vergangenheit begriff und für die Zukunft weder Ohrnoch Auge hatte. Er ahnte einen verderblichen Feind im Reiche desGedankens, aber er suchte diesen Feind unter alten Perücken, dienoch vom Puder des achtzehnten Jahrhunderts stäubten; er suchteihn unter französischen Greisen, statt unter der blonden Jugend derdeutschen Hochschulen. Da war unser Vicrfürst Herodes viel gescheiter,als er die gefährliche Brut in der Wiege verfolgte und den Kindcr-mord befahl. Doch auch ihm fruchtete nicht viel die größere Pfiffigkeit,die an dem Willen der Vorsehung zu Schanden wurde — seilteSchergen kamen zu spät, das furchtbare Kind war nicht mehr inBethlehem, ein treues Esclcin trug es rettend nach Ägypten. Ja,Napoleon besaß Scharfblick nur für Auffassung der Gegenwart oderWürdigung der Vergangenheit, und er war stvckblind für jede Erschcinung, worin sich die Zukunft ankündigte. Er stand ans deinBalkon seines Schlosses zu Saint Clond, als das erste Dampfschiffdort auf der Seine voriiberfnhr, und er merkte nicht im mindestendie weltnmgestaltcnde Bedeutung dieses Phänomens!

XI-I.

Paris, den 20. Juni 1342.

In einem Lande, wo die Eitelkeit so viele eifrige Jünger zählt,wird die Zeit der Dcpntiertcnwahl immer eine sehr bewegte sein.Da die Deputation aber nicht bloß die Eigenliebe kitzelt, sondernauch zu den fettesten Ämtern und zu den einträglichsten Einflüssenführt; da hier also nicht bloß der Ehrgeiz, sondern auch die Habsuchtins Spiel kommt; da es sich hier auch um jene materiellen Jntcressen handelt, denen unser Zeitalter so inbrünstig huldigt, so ist dieDepntiertenwahl ein wahrer Wcttlauf, ein Pferderennen, dessen An-blick für den fremden Zuschauer eher kurios als erfreulich sein mag.Es sind nämlich nicht eben die schönsten und besten Pferde, die beisolchem Rennen zum Vorschein kommen; nicht die inwohnenden Tu-genden der Stärke, des Vollbluts, der Ausdauer kommen hier in