Die parlamentarische Periode des Bilrg'rköniqtumZ. 21
Soarstnirs xsrpsimsl, eine Nokias tzistorigrnz über das Leben nndWirken des verstorbenen Destutt de Traich, Wie in allen seinen Er-zeugnissen beurkundete Miguet auch hier ein schönes, großes Dar-stcllnngstalent, seine bewunderungswürdige Kunst des Auffassensaller charakteristischen Zeitinomentc und Lebensverhältnisse, seineheitere, klare Verständlichkeit, sein reiches Gefühl und seine stand-hafte, jugendlich blühende Begeisterung für das Heil der Menschheit,Seine Rede über Destutt de Tracy ist bereits im Druck erschienen,nnd es bedarf also hier keines ausführlichen Referats. Nur bei-läufig will ich einige Bemerkungen hinwerfen, die sich mir besondersaufdrängten, während Mignct das schöne Leben jenes Edelmannserzählte, der dem stolzesten Feudaladel entsprossen und während seinerJugend ein wackerer Soldat war, aber dennoch mit großmütigsterSelbstverleugnung und Selbstaufopferung die Partei des Fortschrittsergriff nnd ihr bis zum letzten Atemzug treu blieb. Derselbe Mann,der mit Lasayeltc in den achtziger Jahren für die Sache der FreiheitGut nnd Blut einsetzte, fand sich mit dem alten Freunde wieder zu-sammen am 29, Juli 1889 bei den Barrikaden von Paris, unver-ändert in seinen Gesinnungen: nur seine Augen waren erloschen,sein Herz war licht nnd jung geblieben. Der französische Adel hatsehr viele, erstaunlich viele solcher Erscheinungen hervorgebracht, unddas Volk weiß es auch, und diese Edcllente, die seinen Interessensolche Ergebenheit bewiesen, nennt es ,Iss bons noblss", Mißtrauengegen den Adel im allgemeinen mag sich in revolutionären Zeitenzwar als nützlich herausstellen, wird aber immer eine Ungerechtigkeitbleiben. In dieser Beziehung gewährt uns eine große Lehre dasLeben eines Tracy, eines Rochefoucauld, eines d'Argenson, einesLafayette und ähnlicher Ritter der Bolksrechte,*)
Gerade, unbeugsam nnd schneidend, wie einst sein Schwert, warder Geist des Destutt de Tracy, als er sich später in jene materia-listische Philosophie warf, die in Frankreich durch Condillac zurHerrschaft gelangte. Letzterer wagte nicht die letzten Konsequenzendieser Philosophie auszusprechen, und, wie die meisten seiner Schule,ließ er dem Geiste immer noch ein abgeschiedenes Winkclchen imUniversalreiche der Materie, Destutt de Tracy aber hat dem Geisteauch dieses letzte Ncfuginm aufgekündigt, nnd, seltsam! zu derselbenZeit, wo bei uns in Deutschland der Idealismus auf die Spitze ge-trieben und die Materie geleugnet wurde, erklomm in Frankreich dasmaterialistische Prinzip seinen höchsten Gipfel nnd man leugnete hier denGeist, Destutt de Tracy war, sozusagen, der Fichte des Materialismus.
Es ist ein merkwürdiger Umstand, daß Napoleon gegen die
*) „und anderer Kons nobles, die zu Verfechtern der Menschenrechte wurden,und als kühne Ritter ihren Fehdehandschuh allen Volksbedrückern ins Gesichtwarfen." schließt dieser Satz in der französischen Ausgabe. Der Herausgeber.