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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamentarische Periode des Biirgerkönigtiims. 23

Anschlag, sondern nur die leichtfüßige Behendigkeit. Manches edleRoß, dem der feurigste Schlachtmnt ans den Nüstern schnaubt undVernunft aus den Augen blitzt, muß hier einem mageren Kleppernachstehen, der aber zu Triumphen auf dieser Bahn ganz besondersabgerichtet worden, liberstolze, störrige Gaule geraten hier schonbeim ersten Aulaus in unzeitiges Bäumen oder sie vcrgaloppiereusich. Nur die dressierte Mittelmäßigkeit erreicht das Ziel. Daß einPegasus beim parlamentarischen Rennen kaum zugelassen wird undtausenderlei Ungunst zu erfahren hat, versteht sich von selbst; dennder Unglückselige hat Flügel und konnte sich einst hoher empor-schwingen, als der Plafond des Palais Bvnrbvu gestattet. Einemerkwürdige Erscheinung, daß unter den Wettreuncrn fast ein Dutzendvon arabischer, oder, noch deutlicher zu sprechen, von semitischerRasse. Doch waS geht das uns an! Uns interessiert nicht diesermäkelnde Lärm, dieses Stampfen und Wiehern der Selbstsucht, diesesGetümmel der schäbigste» Zwecke, die sich mit den brillantesten Farbengeschmückt, das Geschrei der Stallknechte und der stäubende Mist —uns kümmert bloß zu erfahren: werden die Wahlen zu gunsten oderzum Nachteil des Ministeriums ausfallen? Man kann hierüber nochnichts Bestimmtes melden. Und doch ist das Schicksal Frankreichsund vielleicht der ganzen Welt von der Frage abhängig, ob Guizotin der neuen Kammer die Majorität behalten wird oder nicht. Hier-mit will ich keineswegs der Vermutung Raum geben, als könntenunter den neuen Deputierten sich ganz gewaltige Eisenfresser ansthnnund die Bewegung anfs höchste treiben. Nein, diese Ankömmlinge»verde» nur klingende Worte zu Markte bringen und sich vor derThat ebenso bcscheidcntlich fürchten wie ihre Vorgänger; der ent-schiedenste Neuerer in der Kammer will nicht das Bestehende gewaltsamumstürzen, sondern nur die Befürchtungen der oberen Mächte unddie Hoffnungen der unteren für sich selber ausbeuten. Aber die Ver-wirrungen, Verwicklungen und momentanen Nöten, worin die Re-gierung infolge dieses Treibens geraten kann, geben den dunkel»?Gewalten, die im verborgene»» lauern, das Signal zum LoSbrnch,und, wie immer, erwartet die Revolution eine parlamentarische In-itiative.^) Das entsetzliche Rad käme dann wieder in Bcwegnng, und

*) Statt der nächsten »nee Sähe findet sich i» der AngSbnrger AllgemeinenZeitung folgende Stelle' „Deshalb ist es so weltwichtig. das! sich uns der Cha-rakter der neuen .Cammer so bald als möglich offenbare und daff »vir erfahren,ob sich Guizot am Steuer des Staatsschiffes erhalten wird. Ist es nämlich nichtder Fall und gewinnt die Opposition die Oberhand, so »Verden die Agitatorenganz gemächlich eine günstige Cvnjnnktnr abwarten, die im Laufe der Sessionnotwendig eintreten ninsi, und wir haben für einige Zeit Nnhe. Das wirdfreilich eine sehr beängstigend schwule, widerwärtige Nnhe sein, unerträglicher alsdie Unruhe. Hält sich aber Guizot und können sich die Männer der Bcwegnngnicht länger mit der Hoffnung schmeicheln, diesen Granitblock, womit sich dieOrdnnng barrikadicrt hat, endlich hinwcggeränmt zu sehen, so dürfte wohl die