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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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2V Französische Zustände, II,

bloßen Schein derselben, nicht nm die byzantinische Titnlainr,Konstantinopel kann ihnen nicht entgehen, sie verschlingen es, svbald esihnen paßt. In diesem Augenblick aber paßt es ihnen nach nicht, undsie sprechen von der Türkei niit einer süßlichen, fast herrnhutischenFriedfertigkeit, Sie mahnen mich an die Fabel von dem Wolf,welcher, als er Hunger hatte, sich eines Schafes bemächtigte. Erfraß mit gieriger Hast dessen beide Vorderbeine, jedoch die Hinterbcine des Ticrlcins verschonte er nnd sprach: „Ich bin jetzt gesättigt,und diesem guten Schafe, das mich mit seinen Vorderbeinen gcspciscthat, lasse ich aus Pietät alle seine übrigen Beine und den ganzenNest seines LeibeS."

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Paris, den s, Juni lS4S,Die ^.snäsinis äss soisness mornlss st xolitnguss hat sichnicht blamieren wollen, nnd in ihrer Sitznng vom 23, Mai prorv-gierte sie bis 1844 die Krönung des besten Lxninsn sritigns äs Inplrüosoxbis nllsmnnäs, Unter diesem Titel hatte sie nämlich einePreiSanfgabe angekündigt, deren Lösung nichts Geringeres beabsichtigte,als eine beurteilende Darstellung der deutschen Philosophie von Kantbis auf die heutige Stunde, mit besonderer Berücksichtigung desersteren, des großen Immanuel Kant, von dem die Franzosen soviel reden gehört, daß sie schier neugierig geworden. Einst wolltesogar Napoleon sich über die Kantsche Philosophie unterrichten, under beauftragte irgend einen französischen Gelehrten, ihm ein Resümeederselben zu liefern, welches aber ans einige Quartseiten zusammen-gedrängt sein müsse, Fürsten brauchen nur zu befehlen. Das Re-sümee ward unverzüglich nnd in vorgeschriebener Form angefertigt.Wie es ausfiel, weiß der liebe Himmel, nnd nur so viel ist mir be-kannt, daß der Kaiser, nachdem er die wenigen Quartseiten auf-merksam durchgelesen, die Worte aussprach: „Alles dieses hat keinenpraktischen Wert, und die Welt wird wenig gefördert durch Menschenwie Kant, Cagliostro, Swedenborg und Philadelphia," — Die großeMenge in Frankreich hält Kant noch immer für einen neblichtcn,wo nicht gar benebelten Schwärmer, nnd noch jüngst las ich ineinem französischen Romane die Phrase: 1s vnSus mz'siügus äsXnnb, Einer der größten Philosophen der Franzosen ist unstreitigPierre Lcronx, und dieser gestand mir vor sechs Jahren, erst ansder .^.UsmuAnö" von Henri Heine habe er die Einsicht gewonnen,daß die deutsche Philosophie nicht so mystisch nnd religiös sei, wieman das französische Publikum bisher glauben machte, sondern imGegenteil sehr kalt, fast frostig abstrakt und ungläubig bis zurNegation des Allerhöchsten,

In der erwähnten Sitzung der Akademie gab uns Mignet, der