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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamentarische Periode des Bürgerkönigtums. 1ö

XXXIX.

Paris, den S-r. Januar 1842,

In der parlamentarischen Arena sah man dieser Tage wiedereinen glänzenden Zweikampf von Gnizot und Thiers, jener zweiMänner, deren Namen in jedem Mnnde und deren unaufhörlicheBesprechung nachgerade langweilig werden dürfte. Ich wundere mich,daß die Franzosen noch nicht darüber die Geduld verlieren, daß manseit Jahr und Tag, von Morgen bis Abend, beständig von diesenbeiden Personen schwatzt. Aber im Grunde sind es ja nicht Personen,sondern Systeme, von denen hier die Rede ist, Systeme, die überallzur Sprache kommen müssen, wo eine Staatscxistenz von außenbedroht ist, überall, in China so gut wie in Frankreich. Nur daß hierThiers und Gnizot genannt wird, was dort in China Lin undKcschen heißt. Ersterer ist der chinesische Thiers und repräsentiert dnSkriegerische System, welches die herandrohende Gefahr durch die Gewaltder Waffen, vielleicht auch nur durch schreckendes Wasfengeräusch, ab-wehren wollte. Kcschcn hingegen ist der chinesische Gnizot, er reprä-sentiert das Fricdcnssystcm, und es wäre ihm vielleicht gelungen,die rothaarigen Barbaren durch kluge Nachgiebigkeit wieder aus demLande hinaus zu komplimentieren, wenn die Thiers'sche Partei inPeking nicht die Oberhand gewonnen hätte. Armer Keschen! ebenweil nur so fern vom Schonplätze, konnten wir ganz klar einsehen,wie sehr dn recht hattest, den Streitkräften des Mittelreichs zu miß-trauen, und wie ehrlich du es mit deinem Kaiser ineintest, der nichtso vernünftig wie Ludwig Philipp! Ich habe mich recht gefreut, alsdieser Tage die „Allgemeine Zeitung" berichtete, daß der vortreffliche,Neschen nicht entzwei gesägt worden, wie es früher hieß, sondern nursein ungeheures Vermögen eingebüßt habe. Letzteres kann demhiesigen Repräsentanten des Friedcnssystcms nimmermehr passieren;wenn er fällt, können nicht seine Reichtümer konfisziert werden —Gnizot ist arm ivie eine Kirchenmaus. Und auch unser Lin ist arm,wie ich bereits öfter erwähnt habe; ich bin überzeugt, er schreibt seineUaiscrgeschichlc hauptsächlich des Geldes wegen. Welch ein Ruhm fürFrankreich, daß die beiden Männer, die alü seine Macht verwalteten,zwei arme Mandarinen sind, die nur in ihrem Kopfe ihre Schätze tragen!

Die letzten Reden dieser beiden haben Sie gelesen und fandenvielleicht darin manche Belehrung über die Wirrnisse, welche eine»»mittelbare Folge der orientalischen Frage. — Was in diesem Augen-blick besonders merkwürdig, ist die Milde der Russen, wo von Er-haltung deS türkischen Reichs die Rede. Der eigentliche Grund aberist, daß sie faktisch schon den größten Teil desselben besitzen. DieTürkei wird allmählich russisch ohne gewaltsame Occupatio». DieRussen befolgen hier eine Methode, die ich nächstens einmal beleuchtenwerde. Es ist ihnen um die reelle Macht zu thnn, nicht um den

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