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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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1V Französische Zustände, II,

Treue nachgebildet ist. Die Fischer hingegen sind zn sehr komponiert,die Figuren sind mühsam zusammengesucht, nebeneinandergestellt,inkommodieren sich wechselseitig mehr als sie sich ergänzen, undnur durch die Farbe ist das Verschiedenartige im Originalgemäldeausgeglichen und erhielt das Bild den Schein der Einheit, ImKupferstich, wo die Farbe, die bunte Vermittlung fehlt, fallen natür-licherweise die äußerlich verbundenen Teile wieder auseinander, eszeigt sich Verlegenheit und Stückwerk, und das Ganze ist kein Ganzesmehr. Es ist ein Zeichen von Raphaels Größe, sagte mir jüngstein Kollege, daß seine Gemälde im Kupferstich nichts von ihrerHarmonie verlieren. Ja, selbst in den dürstigsten Nachbildungen,alleü Kolorits, wo nicht gar aller Schattierung entkleidet, in ihrennackten Konturen, bewahren die Raphaelschcn Werke jene harmonischeMacht, die unser Gemüt bewegt. Das kommt daher, weil sie echteOffenbarungen sind, Offenbarungen des Genius, der, eben wie dieNatur, schon in den bloßen Umrissen das Vollendete gicbt.

Ich will mein Urteil über die Rvbertschen Fischer resümieren-,es fehlt ihnen die Einheit, und nur die Einzelheiten, namentlich dasjunge Weib mit dem kranken Kinde, verdienen das höchste Lob, ZurUnterstützung meines Urteils berufe ich mich auf die Skizze, worinRobert gleichsam seinen ersten Gedanken ausgesprochen; hier in derursprünglichen Konzeption, herrscht jene Harmonie, die dem. an5geführteil Bilde fehlt, und wenn man sie mit diesem vergleicht,merkt man gewiß, wie der Maler seinen Geist lange Zeit gezerrtund abgcmüdet haben muß, che er das Gemälde in seiner jetzigenGestalt zustande brachte.

XXXVI,

Paris, den IS, Dezember 184i.

Wird sich Gnizot halten? Heiliger Gott, hierzulande hältsich niemand ans die Länge, alles wackelt, sogar der Obelisk vonLnxor! Das ist keine Hyperbel, sondern buchstäbliche Wahrheit;schon seit mehreren Monaten geht hier die Rede, der Obelisk stehenicht fest auf seinem Postament, er schwanke zuweilen hin und her,und eines frühen Morgens werde er den Leuten, die eben vvrüber-wnndeln, ans die Köpfe purzeln. Die Ängstlichen suchen schon jetzt,wenn ihr Weg sie über die Place Louis Qninzc führt, sich etwasentfernt zu halten von der fallenden Größe, Die Mutigeren lassensich freilich nicht in ihrem gewöhnlichen Gange stören, weichen keinenFinger breit, können aber doch nicht umhin, im Vorübergehen einbißchen hinaufznschielcn, ob der große Stein wirklich nicht wackel-nuitig geworden. Wie dem auch sei, es ist immer schlimm, wenndas Publikum Zweifel hegt über die Festigkeit der Dinge; mit dem