8 Französische Zustände. H,
zu einer Ausfahrt ins Adriatische Meer. Weib und Kind und diealte Großmutter schauen ihnen nach mit schmerzlicher Resignation —gar rührende Gestalten, bei deren Anblick allerlei polizeiwidrige Ge-danken in unserem Herzen laut werden. Diese unseligen Menschen,die Leibeigenen der Armut, sind zu lebenslänglicher Mühsal ver-dammt und verkümmern in harter Not und Betrübnis, Ein melan-cholischer Fluch ist hier gemalt, und der Maler, sobald er das Ge-mälde vollendet hatte, schnitt er sich die Kehle ab. Armes Volk!Armer Robert! — Ja, wie die Schnitter dieses Meisters ein Werkder Freude sind, das er im römischen Sonnenlicht der Liebe em-pfangen und ausgeführt hat, so spiegeln sich in seinen Fischern alledie Selbstmordgedanken und Herbstnebel, die sich, während er in derzerstörten Benezia hanste, über seine Seele lagerten. Wie uns jeneserstere Bild befriedigt und entzückt, so erfüllt uns dieses letztere mitempörungssüchtigem Unmut; dort malte Robert das Glück derMenschheit, hier malte er daS Elend des Volks,
Ich werde nie den Tag vergessen, wo ich das Originalgcmäldc,die Fischer von Robert, zum ersten Male sah. Wie ein Blitzstrahlaus unumwölktcm Himmel hatte uns plötzlich die Nachricht seinesTodes getroffen, und da jenes Bild, welches gleichzeitig anlangte,nicht mehr im bereits eröffneten Salon ausgestellt werden konnte,faßte der Eigentümer, Herr Paturlc, den löblichen Gedanken, einebesondere Ausstellung desselben zum Besten der Armen zu veran-stalten, Der Maire des zweiten Arrvndissements gab dazu sein Lokal,nnd die Einnahme, wenn ich nicht irre, betrug über sechzehntauscndFranken, (Mögen die Werke aller Volksfrcunde so Praktisch nachibrem Tode fortwirken!) Ich erinnere mich, als ich die Treppe derMaine hinaufstieg, um zu dem Expositionszimmcr zu gelange», lasich auf einer Ncbenthür die Aufschrift: Lursuu ciss äsoss. Dortim Saale standen sehr viele Menschen vor dem Bilde versammelt,keiner sprach, es herrschte eine ängstliche, dumpfe Stille, als lägehinter der Leinwand der blutige Leichnam des toten Malers, WaSwar der Grnnd, weshalb er sich eigenhändig den Tod gab, eine That,die im Widerspruch war mit den Gesetzen der Religion, der Moralund der Natur, heiligen Gesetzen, denen Robert sein ganzes Lebenhindurch so kindlich Gehorsam leistete? Ja, er war erzogen imschweizerisch strengen Protestantismus, er hielt fest an diesem väter-lichen Glauben mit unerschütterlicher Treue, und von religiösemSkeptizismus oder gar Jndiffereutismus war bei ihm keine Spur,Auch ist er immer gewissenhaft gewesen in der Erfüllung seinerbürgerlichen Pflichten, ein guter Sohn, ein guter Wirt, der seineSchulden bezahlte, der allen Borschriften des Auslandes genügte,Rock und Hut sorgsam bürstete, und von Jmmoralität kann ebenfalls bei ihm nicht die Rede sein. An der Natur hing er mit ganzer