Die parlamentarische Periode de? Biirgerkölligtnms, 7
heiteren Gegenständen übergehen, die hinter den Spiegelfcnstern ansder Rue Bivienne oder den Boulevards ausgestellt sind. Das funkelt,das lacht und lockt! Keckes Leben, ausgesprochen in Gold, Silber,Bronze, Edelstein, in allen möglichen Formen, namentlich in denFormen auS der Zeit der Renaissance, deren Nachbildung in diesemAugenblick eine herrschende Mode, Woher die Vorliebe für diese Zeitder Renaissance, der Wiedergeburt oder vielmehr der Auferstehung,Ivo die antike Welt gleichsam auS dein Grabe stieg, um dem sterbendenMittelalter seine letzten Stunden zu verschönen? Empfindet unsereJetztzeit eine Wahlverwandtschaft mit jener Periode, die, ebenso wiewir, in der Vergangenheit eine verjüngende Quelle suchte, lechzendnach frischem LcbenStrank? Ich weiß nicht, aber jene Zeit Franz' I,und seiner Geschmacksgenossen iibt auf unser Gemüt einen fastschauerlichen Zauber, wie Erinnerung von Zuständen, die wir imTraum durchlebt; und dann liegt ein ungemein origineller Reiz inder Art und Weise, wie jene Zeit das wiedergefundene Altertum insich zu verarbeiten wußte. Hier sehen wir nicht, wie in der DavidschenSchule, eine akademisch trockene Nachahmung der griechischen Plastik,sondern eine flüssige Verschmelzung derselben mit dem christlichenSpiritualismus. In den Kunst und Lebensgestaltungen, die derVermählung jener heterogensten Elemente ihr abenteuerliches Daseinverdankten, liegt ein so süßer melancholischer Witz, ein so ironischerVersöhnungSkuß, ein blühender Übermut, ein elegantes Grauen, dasuns unheimlich bezwingt, wir wissen nicht wie.
Doch wie wir heute die Politik den Kannegießern von Professionüberlassen, so überlassen wir den patentierten Historikern die genauereNachforschung, in welchem Grad unsere Zeit mit der Zeit der Re-naissance verwandt ist; und als echte Flaneurs wollen wir ans demBoulevard Montmartre vor einem Bilde stehen bleiben, das dort dieHerren Goupil und Nittner ausgestellt haben, und das gleichsam alsder Kupferstichlöwe der Saison alle Blicke auf sich zieht. ES ver-dient in der That diese allgemeine Aufmerksamkeit; es sind die Fischervon Leopold Robert, die dieser Kupferstich darstellt. Seit Jahr undTag erwartete man denselben, und er ist gewiß eine köstliche Weih-nachtSgabe für das große Publikum, dem daS Originalbild unbekanntgeblieben. Ich enthalte mich aller detaillierten Beschreibung diesesWcrkeS, da es in kurzem ebenso bekannt sein wird, wie die Schnitterdesselben Malers, wozu es ein sinnreiches und anmutiges Seitenstückbildet. Wie dieses berühmte Bild eine sommerliche Campagne dar-stellt, Ivo römische Laudleute gleichsam auf einem Siegcswagcn mitihrem Erutesegen heimziehen, so sehen nur hier, auf dem letzten Bildvon Robert, als schneidendsten Gegensatz, den kleinen winterlichenHafen von Chioggia und arme Fischerleute, die, um ihr kärglichesTngcSbrot zu gewinnen, trotz Wind und Wetter sich eben anschicken