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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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6 Französische Zustande. II.

können. Deshalb grellen sie alle jenem Manne, dessen strenges Augeam tiefsten hinabblickt in die Schreckensnächte der Zukunft und dessenhartes Wort vielleicht manchmal zur Unzeit, wenn wir eben beim.fröhlichsten Mahle sitzen, an die allgemeine Bedrohnis erinnert. Siegrollen alle jenem armen Schulmeister Guizot. Sogar die sogenanntenKonservativen sind ihm abhold, zum größten Teil, nnd in ihrer Ver-blendung glauben sie ihn durch einen Mann ersetzen zu können,dessen heiteres Gesicht nnd gefällige Rede sie minder schreckt undängstigt. Ihr konservativen Thoren, die ihr nichts imstande seid zukonservieren als eben eure Thvrheit, ihr solltet diesen Gnizot wieeuren Angapfel schonen; ihr solltet ihm die Mücken abwedeln, dieradikalen sowohl wie die legitimen, um ihn bei guter Laune zn er-halten; ihr solltet ihm auch manchmal Blumen schicken ins Hötel deSCapueins, aufheiternde Blumen, Rosen nnd Veilchen, und, statt ihmdurch tägliches Nergeln dieses Logis zu verleiden oder gar ihn hinauszn intrignieren, solltet ihr ihn vielmehr dort anschmieden mit einereisernen Kette! An eurer Stelle hätte ich immer Angst, er möchteden glänzenden Quälnissen seines Ministcrplntzes plötzlich entspringenund sich wieder hinaufretten in sein stilles Gelehrtenstübchen der RueL'Eveqne, wo er einst so idyllisch glücklich lebte unter seinen schaf-ledernen nnd kalbledernen Büchern.

Ist aber Gnizot wirklich der Mann, der imstande wäre, dashereinbrechende Verderben abzuwenden? Es vereinigen sich in derThat bei ihm die sonst getrennten Eigenschaften der tiefsten Einsichtund des festen Willens; er würde mit einer antiken Unerschütterlichkcitallen Stürme» Trotz bieten nnd mit modernster Klugheit die schlimmenKlippen vermeiden aber der stille Zahn der Mäuse hat den Bodendes französischen Staatoschiffcs allzusehr durchlöchert, nnd gegen dieseinnere Rot, die weit bedenklicher als die äußere, wie Gnizot sehr gutbegriffen, ist er unmächtig. Hier ist die Gefahr. Die zerstörendenDoktrinen haben in Frankreich zn sehr die unteren Klassen ergriffen es handelt sich nicht mehr um Gleichheit der Rechte, sondern »mGleichheit des Genusses auf dieser Erde, und es giebt in Paris etwa4M l1l)l) rohe Fäuste, welche nur des Losungsworts harren, um dieIdee der absoluten Gleichheit zu verwirklichen, die in ihren rohenKöpfen brütet. Von mehreren Seiten hört man, der Krieg sei eingutes Ablcitungsmittel gegen solchen Zerstörnngsstoff. Aber hießedas nicht Satan durch Beelzebub beschwören? Der Krieg würde nurdie .Katastrophe beschleunigen nnd über den ganzen Erdboden dasÜbel verbreiten, das jetzt nur an Frankreich nagt; die Propa-ganda deS .Kommunismus besitzt eine Sprache, die jedes Volk ver-steht; die Elemente dieser klnivcrsalsprachc sind so einfach wie derHunger, wie der Neid, wie der Tod. DaS lernt sich so leicht.

Doch laßt uns dieses trübe Thema verlassen und wieder zu den