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II. Heft (1785) [Mit sechs Prospekten]
Entstehung
Seite
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suchs wäre. Nach einigen Weigerungen erhielt ich von dem HochwürdigenHerrn den Schlüssel mit dem angehängten Befehl keinen Mißbrauch von derBesichtigung des vertrockneten Körpers zu machen. Ich gieng also wiederweg, ohne daß mich der höfliche Mann ersucht hatte in die Stube zugehen. DerKüster wunderte sich sehr, daß ich eine so unverhofte Gnade erhalten hätte, wel-che seit vier Jahren keinem Fremden widerfahren wäre. Wir giengen in die- unter der Kapelle befindliche Gruft. Hier fand ich die Todtenknochen inganzen Haufen, und in der Mitte eine Baare mit einem Sarge,. wovon derDeckel gläsern war. Als der Küster den Deckel aufgehoben hatte, erblickteich einen vertrockneten männlichen Körper in einem weissen Todtenkleide. DieHand ist elastisch, und fühlt sich wie Leder an; hat aber übrigens einegraue Farbe; das rechte Auge ist verloren gegangen; das linke hangt aberals ein vertrocknetes Knöpfchen vor dem Kopf; die Lippen sind nach obenund unten zurückgezogen, so daß die blossen Zahne eincn fürchterlichen Anblickmachen. Auf dem Kopf sind gar keine Haare. Ans der rechten Schulterist ein Stück Fleisch bis auf das Schulterblatt weggeschnitten, welches diefranzös. Truppen im siebenjährigen Kriege als eine Reliquie unter sich gctheilthaben, und dafür in dem Krieg am Leben geblieben ftyn sollen. Die linkeHand liegt über der rechten; denn die Arme sind kreuzweis übereinander ge-legt worden, welches, wie man sieht geschehen ist, als der Körper noch bieg-sam war. Man will, daß er einen künstlichen Blumenstrauß in der rechtenHand gehabt habe, als man ihn gefunden hat. -- Auf der linken Hand be-merkte ich den Falten der Haut zwischen den Nageln und der Haut, undauf den Fingern eine weise Materie, die wie Kreide, Gyps oder Kalch aus-ah. Der Bart war ungefehr drep Linien lang. Sonst war der Körperganz steif. Der Küster sagte mir, die Geburtstheile waren ganz verschrumpft.Die Todtenkiste war von Tannenbrettern, schwarz angestrichen, und auf demDeckel mit einem weisen Kreutz. In dem neuen Kasten lag unten dasTodtenhemd, worinn man ihn gefunden hatte; es war von ziemlich feinem Lei-nen, woran an den Aermeln nach der Aussage des Küsters kupferne Krämpfegewesen. Man soll diesen Körper vor ungefehr izo Jahren gefunden ha-ben. Am Anfang hat man ihn sehr verächtlich behandelt. Allein vor unge-fehr so Jahren lies ihn eine Gräfin von der Lei) in einen neuenj gläsernen Sarglegen, und ihm ein neues Tvdtenklcid verfertigen. Fromme Seelen nahmenihre Zuflucht in allerhand Nöthen zu ihm, und schenkten ihm einen prächtigen

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