V o r b e r i ch t. liefere ich, nach einer langen Pause, das dritte Heft dieser Malerischen Reise wobey die Leser,'nach meinerMnsicht, eher gewonnen als verloren haben. Sie erhalten nicht nur eine sorgfaltige Ausarbeitung des gegenwartigen Hefts, sondern auch verschiedene Zusätze und Verbesserungen zu dem vorigen. Ehe ich mich aber hierüber weiter erklare, muß ich auf einige Beschuldigungen, die man mir, in Ansehung des ersten und zweyten Hefts, gemacht hat, antworten. Das erste Heft habe ich nicht geschrieben. Ich habe dem Verfasser nur Materialien zu dem Artikel über die sieden Berge geliefert. Hat dieser nun sich hin und wieder einige unvorsichtige Ausdrücke, die, wie ich höre, einen oder andern beleidigt haben sollen, entfallen lassen, so habe ich hieran keine Schuld; und die Klager mögen die Sache mit dem Verfasser, wenn sie ihn anders entdecken können, ausmachen. Ich für meine Person werde alle mir vielleicht anzukündigende Fehden ablehnen. Das zweyte Heft, ich ge» )( stehe V o r b e r i ch t. siehe es aufrichtig, habe ich geschrieben. Es waren eigentlich verschiedene an einen guten Freund gerichtete Briefe über eine kleine Reise, die ich im May des 1.17K4. zur Wiederherstellung meiner damals sehr schwächlichen Gesundheit unternahm. Ich dachte nicht daran, daß diese Briefe, wie sie da waren, jemals würden gedruckt werden, auch nicht, daß ich je eine malerische Reise schreiben würde. Und wer legt denn in freundschaftlichen Briefen alle Worte auf die Waagschale? Als aber Herr Artillerie-Lieutenant Düpnis nachher verschiedene, für die N?eigel - und Schneidcrsche Buchhandlung bestimmte, Prospccte aus den von mir bereisten Gegenden zeichnete, stellte mir mein Freund meine Reisebeschreibung zurück; und ich gab sie, weil ich damals gar keine Muße hatte, auf das dringende Ersuchen des Herrn Dupuis, demselben wie sie da war, ohne etwas daran abzuändern. lUno Mae laei'vmae! — Als das Werkchcn herauskam, wußten einige übelgesinnte Menschen, die mein Vertrauen mißbrauchten, den Verfasser bald zu nennen. Man gieng sogar soweit, mich bey einem großen und sehr verehrungswürdigen Reichsfürsten als einen — ich weiß nicht welchen — Mann, aufdie niederträchtigste Art, anzuschwärzen. Noch mehr — man bürdete mir die größten Kleinigkeiten als ahndungswürdige Verbrechen aus., Zum Glücke für mich war jener erhobene Fürst zu aufgeklärt, um zu den niedrigen Absichten meiner Feinde sein Ansehen und seine Macht zu leihen. Es ist wahr, ich habe gefehlt, daß ich mein Manuscript nickt abgeändert habe; daher viele Kleinigkeiten stehen geblieben sind, die ohne Nachthcil hätten wegbleiben können. — Verdiene ich aber deswegen verdammt zu werden? — Ich habe gefehlt, daß ich meinem Freunde ganz offenherzig meine Gedanken über die mir vorkommenden Gegenstände schrieb; denn ich hatte einen schonen Firniß darüber ziehen sollen. — Verdiene ich aber deswegen verdammt zu werden? Ich habe gefehlt, daß ich mich über unverdiente Grobheiten, welche einzustecken mein Stand mir verbietet, beschwert und vielleicht etwas zu satyrisch ausgedrückt habe: denn ich hatte fein niederträchtig kriechen oder zu Hause bleiben sollen. — Ver- V o r b e r i ch t. Verdiene ich aber deswegen verdammt zu werdend — Und dabey kann ich nicht verhalten/ daß das Publicum/ (und also auch ich/) ein gegründetes Recht habe/ öffentliche Stiftungen und Denkmäler/ dergleichen die Abteyen und Klöster sind/ zu besehen/ zu untersuchen/zu zeichnen und zu beschreiben. Ein Privatmann kann mit vollem Recht einem nasenweisen Frager antworten: //Das geht Dich nichts an; bleib' mir aus dem Hause! // Das können aber Abteyen und Klöster nicht sagen, für einen so geringen bomunculus sie mich auch ansehen/ und von ihrer Höhe betrachten mochten. — Ich habe gefehlt/ daß ich manchen braven Mann/ der mir auf meiner Wanderschaft aufstieß/ mit Namen genannt habe» denn das ist nicht mehr Mode/ und verdrießt diejenigen/ die man nicht nennt. -- Verdiene ich aber deswegen verdammt zu werden? Ich habe gefehlt/ daß ich einige grobe Mißbrauche ziemlich frcy gerügt habe ; denn ich hatte meine Augen zuthun/ oder mit sehen» den Augen blind seyn sollen. — Verdiene ich aber deswegen verdammt zu werden? — Aber/ ich bin doch ein elender Scribcnt ? Ich bescheide mich gerne/ daß ein anderer viel besser schreiben würde als ich; und ich werde die bessern Schriften dieser Herren mit Vergnügen lesen/ und ohne allen Neid anpreisen. — Aber/ wozu eine Malerische Reise schreiben ? Freylich wozu? Dazu haben mich die Herrn Verleger und Herr vupuiZ bewogen/ da letzter die Zeichnungen der Verlggshandlung übergeben/ aber keine Beschreibung dazu liefern konnte.'") Ich hatte es lieber bleiben lassen und das Wespen' Nest nicht stören sotten. Das Ware freylich klüger gehandelt gewesen. — Iezt verspreche ich aber/ als ein rcumü- )( 2 thigcr, H Dem Herrn Ree. in der Verl. Vibl. 81 Bd. ttes St. S. 201. wird für das, diesen Mal. Reis, er- thcilte Lob hiemit Dank gesagt. Es ist der Text bcy diesem dritten Heft keine Nebensache mehr geblieben, noch weniger eine Buchhändler - Spcculation gewesen, vielmehr dem freien Antrieb des Zeichners und Verf. des ersten Hefts zuzuschreiben, wie aus dem Voibcricht zum ersten Heft deutlich zu ersehen ist. Der Zeichner Herr Oupuis verkaufte ncmlich seine Prospekte an die Verlagshandlung, und versprach ihr die Erläuterung dazu von einem Gelehrten zu liefern. :c. V o r b e r i ch t- thiger, büßender, durch Schaden klug gewordener, bekehrter Sünder, fernerhin feine, auch die auffallendsten Mißbrauche und Stupiditäten zu rügen, sondern dazu immer gefallig zu lächeln, und meine ehrfurchtsvolle Verbeugung davor zu machen, oder gar in andächtige Seufzer und warme Lobeserhebungen auszubrechen. — Jedoch, fortan er baec olim meminille iuuabit ! In dem gegenwärtigen Heft werden die Nachrichten von den merkwürdigen Co'llnischen Erzbischofen und Churfürsten, Hermann von Wied und Gebhard von Truchscß, so wie auch von dem HochfÜrstlichcn Hause Wied-Neuwied manchem sehr angenehm se»n. Zu der Geschichte des Hermann von Wied habe ich den Sleidanus oder Ioh. von Schleiden-) (äo Lcam Kel-Zionis et Ideipublicae Garolo V. Imp. Urgent. IA58. 8.) zu der Nachricht vom Gebhard von Truchseß den Michael von Isselt (äe llello Goionienli Lol. 1620. 8.) und zur Geschichte des Hochfürstlichen Hauses Wied-Neuwied das im I. 1775- zu Mannheim in Fol. mit vielen Urkunden erschienene Gcfchlechtsregistcr der Hochgräflichen Hauser Isenburg, Wied und Runkel «5) benutzt; jedoch so, daß mei. ne daraus gemachten Auszüge ganz füglich für meine eigene Arbeit gelten können; denn von H Er war zu Schleiden, einem Städtchen in der Eifel zu Haus. Daher nannte er s,ch Johannes S leidanus, (nach der Gewohnheit der damaligen Gelehrten, die ihre Namen zu latiniflren oder u graeisiren pflegten.) Dieser berühmte Geschichtschrciber starb im I. -556 den zr. Oetober zu Stra'ö- barg. -) Herausgegeben so.- den Herren von Senkenberg, Kopp, Buri und dem Herrn Kanzleydfree- t°r Fischer auf Befehl und Koste» des jetzt regierenden Fürsten zu Wied - Neuwied und des Herrn Grafen Christian Ludwig, jetzt regierenden Grafen zu Wied, Runkel. Dieses Werk ist, wie ich glaube, nie in den Buchhandel gekommen. V o r b e r i ch t. von dem gedankenlosen Abschreiben bin ich nie ein Freund gewesen; und so viele Fehlet man in dem zweyten Heft bemerkt haben mag, so wird man doch nur ganz eigene, und keine ausgeschriebene Bemerkungen, womit einige, der Aesopischeu Rrähc ahnlich, so sehr zu pralen pflegen, darin entdecken. Endlich wird man Zusäye und Verbesserungen zu dem zweyten, und eine Anzeige der Druckfehler des ersten und zweyten Hefts finden. Es kommt auf den Veyfall des Publicums an, ob dieses Werk soll fortgesetzt werden oder nicht. Daher kann ich nichts versprechen. Die Zeichnungen von meiner Reise sind an Ort und Stelle von Herrn vupuis entworfen, daher man auf die Originalität derselben sich verlassen kann. Den Stich haben geschickte Künstler getreu und sauber darnach verfer- tigt, so daß auch hierin kein Vorwurf zu erwarten übrig ist. Geschrieben den 27. Febev 1739. X 3 . Vcrzeichm'ß Verzeichniß der Kupfertafeln im dritten Heft. I. Aussicht nach dem Lustschloß Röttgen. S. 5 II. Alces Denkmal, zwischen Godesberg und Bonn. 7 III. Aussicht nach Godesberg, von der Stadt Bonn aus. ic> IV. Aussicht nach Nounenwerth rc. 22 V. Aussicht auf das Fürstl. Resideuzschloß zu Neuwied. 24 VI. Aussicht nach dem Fürstl. Garten w. 26 Verzeichniß der Prospekte zum ersten Heft. I. Der hohe Dom zu Köln. II. Architecton. Grundriß des Doms. III. Aussicht des Restdenzschlosses von Köln, von der Garrenseite. IV. Aussicht auf das Schloß Poppelsdorf. V. Springbrunnen auf dem Markt zu Bonn. VI. Aussicht auf die Siebenberge bei) Bonn. Prospekte zum zweyten Heft. I. Kapelle und Ballsaal von TvNNesteiN- II. Die Quelle bey Tönuesteiu. III. Aussicht auf das Schloß und Kloster Ehrenstein, IV. Aussicht nach dem Schloß und der Sradr Altewied. V. Aussicht nach dem Schloß BraUNsbtt'g. VI. Aussicht auf Saftig. Malerische Malerische Reise am N i e d e r r h e i n dem Herrn Rath E. zu B. gewidmet. Ztveytes Heft mit sechs Prospekten. Lx esäem urke (Zyrzculis) kumilem Komunculum g pulvere et rsäio exeimbo ^rclilmeäem, (lujus e^o yuzelloraö ^ cum esse vmnino negurent^ leprum uncli^ue er vellirum vepribuz er äumeris inäz» Asvi sepulcnim. — —» — Im nobilissimg drueciae civirzs^ czuonäzm vero etiam äoKissmz^ sui civis unius scurilLmi monumenruru ignorssser» nili sb dowine ^rxinste äiiZicisser. ezoLN.0 ?ulcul. «zuseK. I-ib. V. V o r b e r i ch t, twas spater, aber interessanter, erscheinet dieses zweyte Heft der malerischen Reise, Die Leser werden den Verfasser des Textes, der auf diese Reise viele Mühe und Unkosten verwandt hat, wegen der Verzögerung gütigst entschuldigen, wenn er das Publicum heilig versichert, daß sein neues Amt, seine Unpäßlichkeiten, das Unglück sei- ner Familie und die Verlaumdungcn und Verfolgungen böser Menschen, die ihm seine Wahrheitsliebe zugezogen haben, ihm Lust und Zeit raubten, diese kleine, aber merk, würdige Reisebcschreibung, besser auszuarbeiten. In der Zuversicht aber, der freye und ungekünstelte Ton derselben, werde mche als die gelehrteste Ausarbeitung gefallen, übcrgicbt er diese Nachrichten dem Druck so, wie er sie gesammelt. Seine Liebe zur Aufklärung und Toleranz hat ihm bcy dem Artikel über die sieben Berge im ersten Heft dieser malerischen Reise viele Feinde zugezogen. Man erstaunet über die mannigfaltigen Beleidigungen, welche er persönlich von intoleranten und unwissenden Mönchen ausschalten hat, wie der Artikel von Sinzig u.a.m. bezeuget. In manchem Kloster, das vor der Furcht aufgehoben z» werden zittert, wurde er, wenn er etwas Merkwürdiges besehen wollte, theils vor einen abgesandten Commissar, theils vor einen Spion gehalten, mithin war ftine ganze Reife mit Beschwerlichkeiten verknüpft. Dieses alles zusammen genommen, gicbt den malerischen Reisen ein desto grösseres Gewicht und Originalität. Dergleichen Schicksale aber sind für das Genie wenig ermunternd. In dem dritten Hef, te, wozu die Prospekte schon gezeichnet sind, wird der Verfasser die Zusätze, in- glcichcn physische, literarische, historische und kritische Anmerkungen, wie auch eine kleine Beschreibung des jetzigen Fürstenthums Neuwied, und eine Schutzschrift für sich selbst, gegen die Verläumdungcn, Kabalen und Anfalle seiner Feinde liefern, wenn die Weisen unter seinen Lesern seine Arbeit nicht ganz verwerfen. B. d. iL. April. 178s . Hönningen d, 11. May, 1734c Morgens um sieben Uhr. Teuerster Freund! A^on Düsternau im Hachenburgischen gieng gestern Morgens um sieben Uhr -^5 unter dem frohen Geschwirre der Wälder und Haine mein Zug über Ehrenstcin, Beuling und Plag nach Johannsberg. Ich speißte daselbst zu Mittag. In der größten Sonnenhitze ritt ich in Begleitung meines bewaffneten Bauers ab. — Zu Vettelschos einem kleinen Dörfchen ist ein Hügel, den man den Vettelschosser Hügel nennt, der ganz mit Basalten bedeckt ist. — In dieser Gegend ist der herrlichste Prospekt nach den sieben BergeN/ den man sich denken kann. Der Drachenfels, die Wolkcnburg und die Löwenburg erheben ihre stolzen Häupter, in Nebel gehüllt, wie Ossians Heldengeister. Doch nirgend ist dieser Prospekt reizender, als auf der Buchhol- zer-Heide im Kölnischen, welche wohl eine Stunde groß, und zu einem Ue- dungsplatze, oder Wahlfelde sehr dienlich wäre. Neben der Löwenburg liegen nach diesem Prospekt in einer Reihe nach Südost, der Asperich, der Wildscheiderberg, der Aelerberg und der Hommelsberg alle sehr malerisch und reizend, wie jetzt das erste Grün ihre Gipfel deckte. Ich empfand recht Horazens Ode: ''Oianam tansras clicire Vü-ginez öec." Auf der Map-Frie- drichshütte besuchte ich den Hrn. Hofkammerrath Bennerscheid in seiner phi- loso- lofophischen Einsiedelei). Ich las ihm ein paar Gedichte vor; wir' unterredeten uns über litterarische Sachen, priesen unfern besten Fürsten, sprachen auch sehr Vieles von Ihnen; und zum Abschiede schenkte mir Hr.B. ein paar litterarische Picxen. Zu Linz kaufte ich einige zu meiner Reise nöthkge Sachen und ritt um 8 Uhr ab. Zu Wallen, einem Wirthshause ober Linz, ward ich von einem alten Bekannten angehalten. Ich trank auf dem Pferde sitzend mit ihm ein Glas Wein. Wir rirten im Dunkeln weg, kamen Leuzdorf und Argendorf vorbei), und um halb 10 Uhr hieher nach Hönningen. Zur Noch bekam ich ein Nachtquartier, weil fast alle Wirthe sagten, sie hatten keinen Habtt und kein Heu für mein Pferd. Als ich unter der Anweisung eines sehr höflichen Juden über eine Viertelstunde herumgeritten war, erhielt ich mein Logis bep einem ebenfalls sehr höflichen Hufschmiede, bey dem ich dieses schreibe. Die Nacht war schwül; kaum s Stunden schlief ich; um halb 5 Uhr stund mein Fahrenh. Therm, auf 65 Grad über o; die Hitze verminderte sich aber mit dem Fortgange des Tages; denn um halb 6 Uhr war der Merkur schon auf den 6z. Grad gesunken. Seit dem vorigen Sonnabend sind die Walder durch eine plötzliche Hitze grün. Zu Hannes kam am Sonnabend. Feuer aus, wo der Südwestwind verursachte, daß vom Dorf s s Hauser abbrannten, eins Frau erstickte, ein lcssahriger Knabe, z Kühe, ein Bock und eine Ziege verbrannten. Im Dierdorsischen war auch ein Brand. — Der Flecken Hönningen ist ein dem Grafen von der Leyen zugehöriges Kurtrierisches Lehen. Der Kurfürst von Trier zieht die Simpel, der Graf von der Leyen die übrigen Abgaben. Der Beamte des Grafen von der Leyen ist Herr Kammerrath Caramo auf dem hinter Hönningen gelegenen Schlosse Argenfels. Dieser halt einen in Hönningen wohnenden Jager. — Der Hönninger Wald soll 2020 Morgen groß ftyn; er wird Forstmassig behandelt, und wirft viel ab. —. Merkwürdig ist das Hönninger Wasser; es ist vikriolisch. Vor der Ueberschwemmung hatte es einen geistigen pricklenden Geschmack; jetzt ist es fader und unangenehm vitriolisch geworden, weiches die Einwohner der Ueberschwemmung zuschreiben. —> Im heissen Sommer ist es auch viel starker, als im Winter. ^ Die Pfarrkirche ist gar schlecht, A z schmu- schmutzig ohne Zierrathen ohne Statuen und Gemälde; der Chor ist nicht rund, sondern ganz perpcndicular platt; gegen dieser platten Wand steht der hohe Altar; dieß beleidigt das Auge und den achten Geschmack. Der Tempel ist eine Maltheserkomthurey, ein neues schönes und wohl meublirtes mit Geschmack eingerichtetes Haus mit einem nach den Rhein zugehenden Garten und einer Kapelle. Die Komchurey gehört dem Maltheser- ritter Herrn von * in Trier zu. Herr Scheffen Rollen bewohnt sie. — Die Komthureykapelle ist niedlich. — Ein Todtenzettel gab den Tod des Herrn Evermodus Classen, Abten zu Steinseld, der im 7s. Jahre seines Auers im ss. seiner Prosess. und 52. seiner Priesterwürde starb. Man macht viel Rühmens von ihm: "Vir micis er Immilis coi-äo" heißt es, "äileAnZ Oeo er Uominibus, Magnus incer magnos, exiguus inrer paruos, omni- dus omnia faöbus, vorbo: aeterna memoria äignillimus." Diese Lobrede ist, wie ich glaube, nicht unartig. Das: "Vir mitlZ er Humiiis coräe," wenn es wahr ist, scheint mir das schönste Lob dieses Mannes, den ich nickt kannte, zu seyn. Er konnte sich in alle Welt schicken; er war also ein Weltbürger/ wie Wieland den Weisen im Agathon nennt. Dieser Charackter des Weltbürgers war eine der besten Eigenschaften des Alkibiades/ den Meiners/ Robertson und Wieland sehr treffend geschildert haben. — Unter einer Geißelung des Herrn Jesus stunden folgende Verse, welche ein Beweis der Hönninger Dichtkunst sind. Wer sie gemacht habe, weis ich nicht. Ich schreibe ihnen dieselbe mit der Orthographie ab. Die Characktere waren Deutsche. Der, Gegeißelter, Christus. O Unschult Leidest du Der Geisel Schlag und Schmertzen Und Mancher scheut sich Nit Noch mit der Sünd zu schertzen Ach seh er dick nur an Deiner vielen Wunden Zahl Vielleicht bedacht er sich Das er nicht kam zu Fall. Der Der Garten des Herrn Nollen hat den in meiner vorigen Reiset schrei bung beschriebenen Evheubaum. Er windet sich um ein Kruzifix und breitet seine Aeste weit aus. Diesen Winter ist er erfroren, so wie alles Epheu und alle Genstern und Weinreben. Der Hönninger Bleichen wachst in dem Berge und der Ebene um das Schloß Argenfels. Die Häuser sind meistens schlecht und elend ausser einigen neuern. Die Sprache ist rauh, wie die Sitten; nur findet man das schüch» . terne und furchtsame Wesen nicht, das man weiter unten findet. Hönningen hat einen Feldscheer, aber keinen " Arzt und keinen Apotheker. Die Orgel in der Kirche soll sehr schön seyn. Das Kloster Rom- Wersdorf führt einen Prozeß mit der Hönninger Gemeinde, und hat ihn zweomal zu Koblenz gewonnen. Rommersdorf das bey Hönningen eine Meye- rey hat, will die Viehtrist in den Wald haben, eine landesverderbliche Sache, welche die gesunde Policey, die Menschenliebe und die Religion verbieten. ^ Eigennutz ist die Axe, worum sich der Kreis der menschlichen Handlungen dreht; aber der Eigennutz des Klosters Rommersdorf ist zu grob, und dem Ganzen nachthcilig. Nachmittags. Man ist hier nicht gewohnt viele Fremde zu sehen; man weis nicht, was man sich aus mir machen soll. Ich bin schon im ganzen Flecken berühmt. Eine sonderbare Gewohnheit ist, daß der Bürgermeister bey jeder Gelegenheit eines öffentlichen Geschäftes das Maas Wein vor drei? Dreyer, d. i. 9s Stüber, lassen muß, er mag theucr oder wohlseil, gut oder schlecht seyn. Im Sommer, wenn der Rhein seicht ist, hat das hiesige Wasser einen viel schärfern Geschmack, als im Winter. Nachmittags um halb 2 Uhr stund mein Therm. 68. Gr. üb. o» (Zum 8 (Zum Prospeckt No. VII.) Tsnnestein d. 12. May, 1784. Nachdem Ich meine Geschäfte verrichtet hatte, ritt ich um 4 Uhr von Hönningen weg. Ich fuhr über den Rhein, ritt auf Breisig, und auf die Brohl. — Auf der Brohl wird der Ducksteintras und der Duckstein in Schiffe geladen um nach Holland geführt zu werden. Hierselbst liegt der Duckstein in ungeheuren Haufen aufgethürmt. Nun wandte ich mich ins Gebirge um hieher zu kommen. Die Reise geht durch ein zwo Stunden langes mit ungeheuren Gebirgen umgebenes Thal bis Tönnestein, welches auch im Thale liegt. — Das erste Gebäude, woran wir kamen, war die Netzemühle, woselbst eine Dratklopferey mit 6 Hämmern ist. Der Tras fallt durch schief liegende Thüren, welche aufgehoben werden können und aus parallel neben einander liegenden Eisenstäbchen bestehen. — Durch die Zwischenräume dieser Eisenstäbchen fällt der Tras durch. Er wird nachher ausgeschöpft, und vor das Maas bekommt der Arbeiter drey Stüber. Dieß Werk treibt Hr. Fürth in Kölln. Auf der Brohl ist ein Verwal» tcr, so sich dermalen Wille schreibt. Breisig, Brohl, und ein grosser Thejl dieses Thals sind Essendsch. Auch hat der Kurfürst von Trier ei» ncn Theil daran. Das Ducksteinbrechen ist im Essendschen und Kurtrierischen Anthcil ein Regal, aber im Kurkölnischen dem Eigenthümcr des Berges selbst. — Der Duckstein liegt unmittelbar unter der Erdkruste; er geht sehr tief, fast bis an den Fuß des Berges, woselbst man auf Felsstcine und faulriccbendcö Wasser stößt. Er wird mit Schiespulver gesprengt. Von zwe» Karrn, die auf die Brohl geliefert werden, bekommt der Arbeiter einen Gulden. Wiewohl mir hier ist gesagt worden, das 4 Karren von hier 4 b>6 s Gulden kosten. Viele Brüche haben eine ungeheure Tiefe. Ganze Berge sind weggebrochen und zum Thale gemacht. Sogar viele Stücke von Bergen ausgehölt. Ich ritt durch Gewölbe von Duckstein in künstliche Thäler. Ober dem Gewölbe war Wald. Bircken und Buchen senkten ihre Aeste an den grauen Ducksteinwänden herab. — Daß der Duckstein Vulkanischen Ursprungs ist, daran zweifle ich keinen Augenblick mehr. ?) findet man an den-Ufern der Wege in besagtem. Thale eine Menge Vimsteine, welche auf dem Wasser schwimmen; 2) ist mit dem Ducksteine selbst solcher Bimstein vermischt; z) giebt es eine erstaunliche Menge 9 Menge von Ducksteinen, worinnen man Kohlen lind die schwarzen Abdrücke von Eichen-Buchen«und Espenblattern findet. Diese Abdrücke sind so fein, daß man nicht nur die Art der Blatter, sondern auch die feinsten Nervesen derselben, wie auf einem Kupferstiche nicht ohne grosses Vergnügen und Bewunderung der Natur wahrnimmt. Ich habe eine hinlängliche Menge von allen Sorten mitgenommen. Der Duckstein ist nicht sehr schwer, er laßt sich mit den Fingern zerreiben, eben so, und noch leichter, als der Bimstein. Wenn viel Bimstein mit dem Trasse vermischt ist, so schwimmet der Bimstein beym Gebrauche auf dem Wasser. Und man hat mir gesagt, baß in diesem Falle der Tras in Holland, als unächt, über Bord geworfen werde» Eine halbe Stunde von hier weiter unten in diesem romantischen Tha- lc ist die Sweppenburg/ welche dem Hrn. von Geyer in Aachen zugehört. Sie steht auf einer Anhöhe. Vorne erblickt man das neuere Schloß, ein Werk des vorigen Jahrhunderts, hinter dem neuern das mit selben verbundene alte, das vermuthlich dem 16. Jahrhundert seinen Ursprung zu verdanken hat. Ich gieng hinein, und ließ mir die leeren und verheerten Gemacher zeigen. Vermuthlich sind sie nie von einem Cavaliere bewohnt worden; denn man hat mir noch diejenigen genannt, die wissen, daß das Schloß noch nicht mit Tras beworfen war. Das dritte Stockwerk des alten Schlosses ist von Holz und sehr verfallen; die Mauern sind z, 4 bis s Fuß dick und aus grauem Felssteine erbaut. Etwas schatzbares und merkwürdiges fand ich an diesem traurigen Ort, nämlich römische Denkmaler. Zwo Säulen aus Duckstein mit griechischen Inschriften konnte ich, weil sie beschädigt waren, nicht lesen. Eigentlich hatte ich keine Zeit und Ge- dult die räthfelhafte Schrift zu deschiffriren. Aber eme andre niedliche so gut als unbeschädigte 2 Fns hohe Säule aus einem wilden grauen Marmor, zog desto mehr meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Inschrift ist folgende: 8VI»LVI^LV8 <3. ?^LLIV8. ?^810R. VIW. I»!W. XXII. V8 *) 3.X1. 1) In dem näm'ichen Zimmer, worin diese Alterthümer nebst noch einigen alten Meublen stunden, konnte man den Boden aufheben. Es war ein rundes *) Hier ist nun eine cingehanene, aus einem Sessel sitzende mannliche Figur, das Gesicht ist ierstossen; doch scheint es ein mit einer Sturmhaube bedeckter Kopf zu sepn. B 10 ^ rundes abscheulich tiefes Loch darinnen, so tief, als das Schloß selbst. Man sagte mir, es wäre ein Gefängniß. Es war ein Verließ/ worein man diejenigen, die man heimlich aus dem Wege räumen wollte, stürzte, aber nicht mit Sensen besetzt. Verschiedene Querbalken durchschnitten den Raum. Welche abscheuliche Barbarei) noch im vorigen Jahrhundert im Schwange war. Man stürzte die unglücklichen Opfer jener grausamen Zeiten lebendig hinein. Von den Sensen zerschnitten, verblutet, entkräftet, winselten sie in solchen abscheulichen Löchern, bis sie an ihren Wunden oder aus Mangel der Nahrung starben» Der Bauer, der das Schloß bewohnt, hat es mit ein paar Aeckern gepachtet, davon giebt er jährlich 29 Rthlr. Pachtgeld, und lebt armseelig. Das Gut ist stückweise verpachtet, zum grossen Vorthcile des Hrn. von Geyer. Der Pfarrer von Luxen, emem benachbarten Dorfe auf dem Gebirge hat die Aufsicht darüber. Die Leute leben hier vom Weinbau, vom Ackerbau und vom Steinbrechen. Der Wein ist nickt unangenehm, aber schwach; denn die Gegend liegt gegen Norden über. Die Waldungen sind meistens schlecht; doch giebt es einige recht schöne. Niedermendig d> iz. May, 1784. ^ Donnerstag Abends um sieben Uhr. ^ Seit gestern früh habe ich meine, auf verschiedenen Blättgen ausgezeichneten Bemerkungen nicht in Ordnung gebracht. Jetzt fange ich wieder an, bester Freund, meine Erzählungen fortzusetzen; sie werden reichhaltiger und interessanter sevn, als vorhin. — Bey dem Schlosse ist, nebst ein paar Häusern, "eine Trasmühle. — Eine halbe Stunde weiter liegt auch in dem nämlichen Thals eine Trasmühle mit zwey Gängen; jeder Gang hat 6 Hämmer. (Zum Prospekt 5lo. VIII.) ^ ^. Freytags d. 14. May, 1784. Wir kamen im Dunkeln nach Tonnestein und erhielten eine Herberge beom Bslmnenverwalter, welche recht artige Leute sind, Tönncftein hat seinen Namen von dem daselbst liegenden Karmelitenkloster, welches den heiligen Antonius den Einssedler zum Patronen hat, und Caenobinm S. Antomi ad La- pidem heißt. Das Kurfürstliche Schloß, die neuen Gebäude, die Clemens August anlegte, die Brunnen sind alle merkwürdig. — Der Sauerbrunnen hieß ehedem der Tillerborn; man sagte mix er wäre schon eben so lange be- Anm als das Kloster erbauet wäre, nämlich ungefehr 400 Jahre» Im 16. Jahr- ^ li Jahrhundert war er, wie gedruckte Nachrichten beym Tabernämontanus ausweisen, wenigstens bekannt. Petrus Holzemius, ein Kölnischer Arzt, schrieb zu Ansang des vorigen Jahrhunderts einen Traktat davon, und Hr. Gradler, ein Arzt in Bonn in dieftm Jahrhundert desgleichen, welcher im I. 1755. in Bonn gedruckt worden. — Der Brunnen liegt im Thale. Er ist mit einer Kupole bedeckt, welche nach einer Seite auf 4 Toskanft schen Säulen, auf der andern auf einer Mauer ruht. — Von der Basis der Säulen gehen vier Stufen bis zum Becken des Brunnens, welches zwar oval, aber an vier Seiten rund ausgeschweift ist. Das Wasser wallt beständig aber ganz gelinde; nur zuweilen kömmt eine grosse Luftblase heraus. Es hat einen nicht unangenehmen vitriolischen Geschmack; wenn man es mit Wein vermischt, schmeckt es noch angenehmer, braust ein wenig mit demselben auf, wirst Luftbläschen, und haucht einen feinen Aecher aus, den man in den Augen und in der Nase fühlt, der die Zunge prickelt, und, wie ich bemerkt habe, die Nerven stärkt. Vermischt man erst Wein und zerstossenen Zucker, und gießt dann Tönnesteiner Wasser hinzu, so fängt es so stark an zu brausen, daß es zischt, einen Schaum, so weis wie Milch setzt, und aus dem Glase heraus wallt, wenn man es zu voll schüttet. Vermischt man dieses Tönncsteinwasser mit einem Aufgusse von Thee, so wird es schwarzbraun, zum Beweise,,daß es Eisenvirriol hält. Hierzu sind auch noch andre Gründe; denn der Brunnen selbst und besonders der Ausflus desselben, sind mit einem fetten rothen Schlamm überzogen, welcher nichts anders als ein Eisensasran ist, der auch eben so zu Boden fällt, wenn man Eisenvitriol in Wasser anstößt. Ferner giebt es z Stunde ober Tönnestein Ducksteinbrüche, die sich von dem Kloster an durch einen Bcrgschlund erstrecken; daselbst findet man zwischen dem Duckstein Schichten von einem bröckNchten rothen Steine, ferner eine Art Sauerwasser, das die Brüche herunter rinnt, und einen glänzenden rothen Schlamm hinterlaßt. — Endlich ist auch in dem Tönne- steinwasser ein Salz; dieß muß nothwendig eine Säure sepn, denn man weiß, daß sich das Eisen durch alkalische Salze praecipitirt. Eben dieses Salz muß die Ursache se»n, daß das Marmorne Becken des Brunnens angefressen ist. Von welcher Art aber diese Säure ftp, wage ick nicht zu bestimmen. Der Vitriol dieses Brunnens überzieht die Schöpfkrüge und die Trichter Mit einer schönen Goldsarbe. Dieses 12 Dieses Wasser wird in Krüge gsthan, welche ungefehr z Schoppen halten; diese werden zugepfropft; dann wird der Krug mit dem Pfropf in zerschmolznes Pech getaucht, mit weissem Schafleder überzogen, wieder in das zerschmolzene Pech getaucht, und dann das Siegel auf, geseht. Ein Mensch kann wohl roo Krüge in einem Tage also versiegeln. — Eine Frau die dieß Geschäft von Brunnenverwalter gepachtet hatte, sagte mir, sie wolle wohl 1200 Krüge in einem Tage versiegeln. Sie sagte, sie erhielte vom Brunnenverwalter von rc>o Krügen s Stüber, aber der Verwalter muß die Materialien hergeben. Wenn man einen versiegelten Krug Wasser kauft, so kostet er am Brunnen zz. Stüber; thut man den Krug selbst dazu, so kostet das Versiegeln z Stüber; und für die Arbeit zahlt man vom Hundert 5 bis 6 Stüber. Die Nachbarn holen eine Menge Wasser in ihren eigenen Krügen umsonst. — Die Sauerwasserkrüge werden zu Tonnestein selbst verfertigt. Meister Peter Ge- rards, der fetzo gegen dem Schlosse ein schönes Haus hat, ist der Direktor dieser Fabrike. Man braucht dazu die weisse Pmffenerde. Diese wird zerklopft, mit Wasser zu einem Teige gearbeitet; dann wird aus diesem Teige eine Art von Käsen formirt, die wie ein Stuck eines Zylinders aussehen, diese werden dem Töpfer zur Hand gelegt, und, damit sie nicht trocknen, mit einem nassen Tuche bedeckt. Der Töpfer sitzt an dem Rade, und hat zur Rechten immer ein Gesas mit Wasser stehen , um es beym behandeln der Materie zu gebrauchen. Dann legt er die Masse auf die Achse des Rades, dreht es mit einem Stabe um, und treibt die Materie mit den Fingern wie einem Spühl- kumpen auseinander, in ein paar Sekunden treibt er sie höher, und bald ist sie zu einem Kruge gebildet, dann schneidet er den Krug mit einem kupfernen Faden ab. Das Rad liegt horizontal und läuft in einer feinen stählernen Nadel. Ein einziger Mensch kann auf diese Art 150 Krüge auch 17 s in einen Tage verfertigen. Wenn sie ein bisgcn trocken sind, so werden die Handhaben daran gemacht. Wenn sie nun ganz trocken sind, so kommen sie in den Ofen. Dieser Ofen ist oval 6 Schuh hoch, breit 4 Schuh, lang ungefehr 15 Schuh. Zu einem Gebäcke nimmt man meistens 4000 Stück Krüge. Den Ofen zu Hessen werden 4 bis 5 und mehrere Klafter Holz erfordert. Wenn man die Krüge mit dem Stücke kauft, so kostet ein Krug - Stüber; das Hundert soll, wie man mir gesagt hat, 3 Rchlr. z Rthlr. kosten. Der Ofen hat sieben ovale Zuglöcher, und wird meistens mit schwerem Buchenholz geheim. Eine halbe Stunde von Tönnestein, ohnwcit der Schweppenburg, liegt in einem Thale der Heilbrun» Nur ein einziges Hauschen liegt dabey, worin der Aufseher wrhnt. Der Heilbrun liegt tief; er ist unbedeckt; zwo Treppen führen hinunter. Ist man die Treppen hinunter gekommen, so geht man noch s Stufen herab, ehe man zum Becken kömmt. Das Becken ist oval und von rothabrigten Marmor eben wie das Tönnesteiner, aber nicht ausgeschweift. Das Heilbronner Wasser ist dunkler, fast Milch- farbigt, und schmeckt scharfer. Im Becken sind z Hauptquellen, woraus immerwahrend fast alle Sekunden das Wasser mit einer Menge Luftblasen aussteigt, welche wie runde Glaskugeln aussehen; noch sind zwo andre kleinere Quellen, woraus kleinere Luftblasen, so dick wie Flintenkugeln aufstei« gen; da die ersten Kugeln so dick als ein kleines Ey sind. Dabev wallt die Oberfläche des Brunnens bestandig wie Wasser, das zu sieden anfangt. Hier bemerkt man ebenfalls die Vergoldung der Trichter, und der Schöpfbecher, den rochen Bodensatz und die Anfressung des Marmors. Hierher kommen viele Leute aus Lendendorf u. s. w. Wasser zu holen, sie bringen ihre Krüge mit, und zahlen von einem Last r auch .z Stüber Abgabe, lle- brigens wird dies Wasser auf eben die Art, wie das Tönnesteiner verkauft. Man glaubt, daß sich dieß Wasser nicht so gut halt, als das Tönnesteiner. Inzwischen färbt es den Aufguß des Thees starker, als das Tönnesteiner. Die Kupole des Brunnens zu Tönnestein, -ist mit einer en kresco Semahlten Thetis geziert, welche von Delfinen gezogen, von bartigen Tritonen bewundert und von Genien begleitet wird. Rund uur sind das Wappen des Erbauers und Flusgötter angebracht. Das Schloß, worin der Verwalter wohnt, ward, wie die Jahrzahl anzeigt im I. i66z. vom Kurfürsten Maximilian Heinrich angelegt. Uever dem Hauptthore, das aber jetzt nicht mehr gebraucht wird, steht sein Wappen, und unten die Buchstaben, lVl. kk. O O kk. I. L. (d. i. Max. Heinr. Churfürst zu Cölln, Herz, in Bauern) mit der Jahrzahl -66z. Mer einem neuern Thore steht die Jahrzahl 1708. Der Bogen dieses Thores ist von Mühlsteinen gemacht. Das Schloß selbst ist B z von von Felssteinen erbauet, hat 2 Stockwerke, ziemlich dicke Mauern, und eine hübsche Anzahl Zimmer; der Verwalter bewohnt es. Daneben ist ein Pferdstall für 26 Pferde. Gegen dem Schlosse ist ein neuer Bau, wie es scheint, ans diesem Jahrhundert, unten von Stein, oben von Holz und Leimen; es ist nur ein Sommerhaus. Hier pflegte der Höchst- seelige Fürst Clemens August zu logiren, der aus besonderer Liebe zu diesem Ort oft 14 Tage und z Wochen hier blieb. Von dem Sommerhause erhebt sich durch den Garten und den Hügel herauf oben auf dem Hügel das gewesene Balhaus, welches zugleich zum Speissaal diente. Es stellt rin Parallelopipedon vor, hat den Eingang nach dem Schlosse zu, 12 grosse Fenster, die zugleich zu Thüren dienen, und 2 Kamine. Aber jetzt ist die ganze Herrlichkeit desselben zerstört. Seit dem Tode Clemens Augusts ist alles Glas und alle Zierde weggenommen worden. Die Wände sind vurch allerhand Namen der Fremden, die den Brunnen besucht haben, verunstaltet. Ein witziger Kopf hat ein Chronograph in die Wand gekritzelt. Es ist folgendes: Lb.ulVlzzNs ^VoVs'r ls? a-oOi'.'' und enthalt das Todesjahr dieser verewigten Fürsten, nämlich die Jahrzahl 1761. Unweit davon hat ein Spötter folgende Verse geschrieben, die Zwar nicht sehr regelmässig sind, aber bittern Spott enthalten. Sie sind folgende: "Ach Du lieber Clemens August, Wie es hier aussehe, ist Dir nicht bewust; Kirchen und was Du auferbaut, Ist nun ganz und gar beraubt." Ungefehr zo Schritte von dem Bathause steht die Kurfürstliche Kapelle, ein niedliches Rondel, mit einer daran gebauten Sakristei). Das Rondel hat 7 Fenster, die zugleich Thüren sind; sie sind aus Böhmischem Glase; über jeden: Fenster ist ein Wappen. Zwischen jedem Fenster ist eine platte Jonische Säule angebracht. An der Kapelle ist vorn ein Eingang, und an der Sakristei) sind 4 Eingänge. — Oben tu der Kapelle ist eine schöne Galerie, worauf man durch zwo Treppen aus der Sakristei) geht. Ehedem stunden dre» marmorne Altäre darin, die aber im I. r?77. nach Bonn abgeführt wurden, um sie nach den Brande zur neuen Ho-kapelle zu gebrauchen. Jetzt steht in der Mitte ein hölzerner Altar. — Clemens August erbaute diese Ka- . pelle ^ 15 pelle kurz vor seinem Tod; und sie soll bei» 60002 Rchlr. gekostet haben. — Im Jahr 1766. wurde der Tapezirer Haare/ so nannte man ihn mir, von Bonn geschickt um die Meublen und Kostbarkeiten von Tönneftein zu holen; da wurden alle kostbaren Tapeten, Spiegel, Stühle, Bettwerk u.dgl. aus einmal weggenommen, und also wurde alle alte Herrlichkeit zerstört. Als Se. Kurfürstliche Durchlaucht von Trier da waren, geruhten Sie zu sagen, als man Höchstbenselben das Schlafzimmer Clemens Augusts zeigte, daß es ehedem "besser müsse ausgesehen haben," Ich schrieb ins Balhaus, (nicht meinen Namen,) mit Bkyjrifc auf die Wand aber kckOkbl^I.13 und folgendes Chronograph: MwVerikes VaterchanD ki-eV OILK; LatVrnons gepriesenes Ist le^t golDen gokebrec ^VrVlc; welches die Jahrzahl 1784. enthält. Von dem Balhause geht eine Lindenallee nach dem Brunnen; in der Mitte dieser Allele stehen zwo grosse Fichten. Hvrazens: "Onus ingens" fiel mir hierbei) ein. Nun geht man eine Treppe hinunter auf den Brunnen; er ist lmgefehr 8 Schuhe tief, nicht ss tief, als der Heilbrunner!, welcher 9 Schuh tief ist. Gegen den Brunnen über sind ein paar Häuschen, worin die Materialien befindlich sind, womit die Krüge versiegelt werden, und wo die Schreib-- stube ist. Hinter dem Brunnen ist noch ein ziemlich artiger Garten. Der Brunnenverwaiter, der das Schlos und den Brunnen gepachtet hat, muß, wie ich höre, wohl 500 Rchlr. Pacht geben. Unweit dein Brunnen liegt weiter oben das Karmslitenkloster, ein ziemlich neues auf Kosten des Ordens der Kölnischen Provinz erbautes Kloster. Es ist in dicfem Kloster nichts sonderliches zu sehen. Die Kirche ist artig. Nichts merkwürdiges ist darin, als das Gnadenbild der Mutter des Heilandes, welche eine N?.csr öowrols ist, und ehedem daselbst im Wald soll gefunden worden seyn. In der Kirche sind Grabmäler aller Kavaliere. Ein Grab ist jenes eines Herrn von Vtlbarch vom Jahr 1444. Es sind noch ein paar Statüen des heil Antonius des Einsiedlers, und des heil, Wendelins eines Kurtrierischen Heiligen in der Kirche, . ^ In 16 ^ In die Bibliothek führte mich auf Befehl des Herrn Priors der Bibliothekar, P. Beda. Sie war nicht sonderlich. Prediger und Theologen waren ihr Inhalt. Folgende Bücher habe ich mir angezeichnet. /ckberri ^Vünlc Ivoi-ckovvicx Loc. I. Milk. Vituamas I.. VIII ^ntcv. »609, 4. Z. Vdomas Opsra, Ikomue 1586. 8. mehrere Bände. I o. IM p c. Mkmruznl Opsrz 1". I V. Kiwcv. 1576. Z. Dieser war em KarmeUt, ein Dichter nnd Liceraror; er schrieb in Versen und in Prose; zum Beweise, daß auch ein Mönch ein guter Schriftsteller seyn kann. Liblm. I^uZäuni exLuäebat in Ina Olkicina loftaunsz öckarelLbal ^nno bivxxxl. ist mir Mönchsschrift gedruckt 8. Frau Anna Weckerin Kochbuch, Basel 1620. 8. Rechter Hand vom Kloster geht man in einen Schlund, welcher wohl ^-Stunde lang ist, woselbst auch Duckstcine gebrochen werden; diese Brüche sind viel ungeheurer, als die unter Tönnestein. Die Brüche sind unten ziemlich ausgeholt, und so hangen die Steine oben fürchterlich herunter und er» schlagen nicht selten die allzuverwegenen Arbeiter. Unten ist der Duckstein viel harter und poröser, als oben. Oft findet man Schichten von einem rochen brüchichten Eisenerz dazwischen. Ein Wasserfall, der aus einem Wald in einen Bruch herunter rauschte, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ueber- a!I findet man in den Brüchen eine Art Sauerwasser, welches einen rochen, braunen und grünlichten fetten Schlamm hinterlaßt. Das Wasser lauft durch die Brüche her, und ist an einigen Orten durch Felsengange geleitet. Bey dem Kloster ist in einem Ducksteinberg ein langes Gewölb gebrochen, welches zu einem Viehstall dient, der recht warm ist. Dies, bester Freund, waren nun die Merkwürdigkeiten von Tönnestein. Die Namen der Eigenthümer und Herrschaften sind mir meistens entfallen. Nur der Burgbrohl erinnere ich mich noch, die nicht weit von Tönnestein liegt, woselbst auch Ducksteinbrüche sind, welche dem Herrn von Burtscheid in Köln zugehörcn, den sie selbst als einen gelehrten und einsichtsvollen Mann kennen. Bald hatte ich der Modelle vergessen, die sich noch zu Tönnestein befinden, wonach Clemens August ein neues Schloß zu Tönnestein, und aus diesem einen Säulengang mit zwei) Stockwerken bis auf die Kapelle wollte er- erbauen lassen. Ferner findet sich noch das Modell zu einem Bergschloß im Jtaliänischen Geschmack und die Modelle zu der Kapelle und dem Brunnen. Der Säulengang hat unten 27 Toskanifche und oben eben so viel Ionische Säulen. Aber der Tod des Fürsten vereitelte die Ausführung dieser schönen, und eines Fürsten würdigen Projekten. Das Wasser zu Tönnestein hat allemal etwas Vitriolisches bey sich. Mein Pferd trank es ungern. Wenn man das Sauerwasser kocht, so wird es gelb. Man kann es aber zum Absieden von Schinken und geräucherten Fleisch gebrauchen, welche davon sehr wohlschmeckend werden. Und dich ist sehr üblich. Das Tönnestein-und Heilbrunnenwasser, dient als ein eisenhaltiges Mi- neralwasser zur Stärkung der ersten Wege, zur Zubereitung eines gesunden und rothen Blutes, zur Stärkung der Muskelfasern, und sein durch das Aufbrausen entwickelter Aether, oder, wie man ihn jetzt nennt, seine fixe Luft zur Stärkung und Belebung der Nerven, als ein verdünnendes, ant-.fepti- sches, gelindereizendes und erheiterndes Mittel. In wahren Verstopfungen der Eingeweide ist dieses Wasser aus der Erfahrung, wie alle Stahlmit- tel, schädlich; worin hingegen das Selzerwasser, als ein alkalisches, dienlich ist. Am besten trinkt man das Tönnesteiner Wasser mit weissen Wein und Zucker. Man trinkt es auch in Brustkrankheiten mit Milch. Gestern Morgens reißte ich von Tünnestein 5 vor 9 Uhr ab, und kam nach I Stunde nach Wassenach, einem Dor,e, wvselost Hr. von Kolb aus Koblenz ein prächtiges Haus oder vielmehr einen Palast hat. -- Eine kleine Stunde weiter liegt in einem Thale der berüymte Laagersee und die Ab- they Laag. Wenn man von Wassenach kömmt, so sieht man diesen merkwur- würdigen See von Norden nach Süden in einem ziemlich runden von Gebür- gen überall eingeschlossenen Thale liegen. Er ist ganz blau. Man reißt von Norden nach Südwest, woselbst die Abte» unweit dem See liegt. — Im Jahr 1694. fror, wie eine alte Nachricht sagt, der Laagersee Ellendick zu. Man mas die Länge und die Tiefen. Die Länge war Die Breite Die Tiefe 4? 47 Ellen Z94<> Ellen 107 Ellen C Die Die Lange an Werkschutz 8694 Die Breite an Werkschutz 7890 Die Lange an Schritten zz6g> Die Grösse nach gemeinem Landinas halt iz?z Morgen. Hiervon hat sonst eine lateinische und eine deutsche Tabelle im Kloster tind in der Kirche gehangen, welche ich aber nicht habe finden können. Ich erhielt sie aber schon voraus zu Tönnestein. — Der See soll, wie man mich versichert hat, wohl über zooo Quellen in den umliegenden Gebirgen haben, welche alle mineralisch sind. In der Flache selbst ist ein Brunnen, der beständig mit Blasen hervorquillt und wie der Heilbrunnen schmeckt. Menschen und Vieh trinken dieses Wasser. Seinen Ausfluß hat der See nach Süden, und nach Niedermendig zu. Er fließt durch einen bedeckten Gang, der um den See einzuschränken, vor ungefehr 100 Iahren, von einem gewissen Prälaten angelegt ward. Dieser Ausfluß soll sich nachher im Sande verlieren— Der schwarze Eisensand, den dieser See auswirft, ist merkwürdig. Er soll nicht im See entstehen, sondern aus den Quellen dahin geführt werden. Es ist nur ein Ort, wo dieser Sand ausgeworfen wird, ncmlich an der östlichen Seite des Sees, an der sogenannten weissen Erde, wo eine Pfeissenerde-Grube ist. Der See ist beständig unruhig; er wirst aber diesen Sand nur zu gewissen Zeiten aus. Dieser Sand wird vom Magnet stark angezogen und wird, wie bekannt, zum Schreibsande gebraucht. Er ist mit vielen weissen und gelben durchsichtigen Körnchen vermischt, welche man durch Hülse des Magnets davon absondern kann. — Wenn dieser See ganz stille steht, so daß gar nicht die mindeste Bewegung darauf ist, so verkündigt er ein Ungewitter, oder wenigstens eine veränderte Witterung. Es zeigen sich auch allerhand Wasser- vöge! auf dem See, zum B° die Wasser-oder C.eschwalben. Dreser See soll an verschiedenen Orten so tief leyn, daß er nicht kann gemessen werden. Eine Fabel, daß ehedem hier ein Kloster versunken sey, mag ich nicht wiederholen. — Die verloschenen Vulkane haben viele dergleichen Spuren hinterlassen. Dieser See ist nach Norden, Osten und Westen ganz von einem Kranz von Gebirgen eingeschlossen, deren Fuss fast ganz bis an das Ufer des Sees geht, nach Westen sind einige Wiesen. Auf einem Berge nach Osten neben der weissen Erde, soll die Altenburg, das Schloß des Stifters der Abtey, ehedem gestanden haben. Es Es giebr nur deeyerley Fische in diesem See Hechte, Rochaugen und Schleyer), welche in grosser Menge darin gefangen werden. Die Abtey ist eine Benediktiner Abtev ; sie liegt zwischen ein paar Bergen nach Südwesten. Die Kirche ist von Ducksteinen erbaut und altgothisch. Sie hat nach dem Chor zu, zwev Thurms und am Schiffe drey, die in einer Reihe stehen. — Pfalzgraf Friedrich soll sie vor ungefchr zoo Jahren mit dem Kloster erbaut haben. Er soll am östlichen Ufer des Sees auf einem Berge, den man mir gezeigt hat, sein Schloß gehabt haben, welches man die Altenburg geheissen hat. — Sein Grabmal ist auch in der Kirche gleich hinter dem Eingange; es stellt eine Kupole vor, die auf 6 Säulen ruht; die zwo ersten Säulen nach dem Chor zu, sind von vcrstei, nerten Baumstämmen, welche aus Haynbuchenholz zu seyn schienen. In der Mitte liegt das sehr grosse Bildmß des Stifters mit einem jugendlichen Gesichte, fliegenden Haaren und einem langen Mantel; an der linken Seite hat er einen Degen, eine Scheide, worin Messer und Gabel vorgestellt sind, und einen Fächer. Alles dieß ist von Stein und mit Farben angestrichen. In der Kirche sind zwo Säulenreihen. Vor dem hohen Altar ist der geschlossene Chor, woselbst die Geistlichen ihre geistlichen Stunden singen. Die Mutter-Gottes ist die Patronin. —- Linker Hand dem Chor vom Eingange an zu rechnen ist das Steckans-Chörchen, woselbst linker Hand 7 Stamm der Lcistchen Familie aus einer Gattung festen Ducksteins stehen. 1. Statue. VI?. VNI) xirorwoittk LVä vmvv liknuxisixuin von XVVKVKU.V 0XKN IZIN LkMiott ttVZkM/NVbl louio^n vo vblw l.icimn VI5U. 8LI.KN oor 0KNKl)I0 SKI ^btkN. — Sie starb wie daselbst steht, im I. 1512. 2. Statue. Ist läw 7. 5. c >7- V? 80N1^c; n^ott INVKN0I0NI8 0KV0I8 87^IM KV5M VNI) kirnv ^-r I0N.I0L von I.xilicn NLIi XV 0IMKVLX VNO XV mcvel. N.L Dlttvi oor IN xvvioxkir 0KNK0I0 8LI. z. Statue. MNVL8I' VVbMNIil^ von OLK I.LIILN. Diese Statue ist geharnischt mit einem ofuem Helme, eben wie die vorige, hat aber ein sehr jugendliches und mädchenhaftes Gesicht. 4. Stackie. WNN0 D.M.I.KN0 HVIN0KN1'M0 VV0vblN0 WV5 /IPNIl.18 8XX1'0 VlN N0öIl.I8 «VIV8 0KN0NII stw lilt ONs VLNXU/rNII.18 /ttlLws 8M0 vbl pülld/r Vir.') D^VNL'YVs VNIVI'l' cv xirv^i-vi^ x-reldnw i>i>. bi. C 2 Diese / 29 Diese Inschriften sind mit lateinischer llneialschrift geschrieben. Sie können uns einiges Licht über den Zustand der deutschen Sprache in jenen Zeiten und Gegenden geben« Nun folgt noch eine weibliche Status eines jungen Frauenzimmers, welche ein kleines Hündchen zu ihren Füssen hat, eine bartige mannliche, und wieder eine weibliche. Diese drey letzten Statuen sind ohne Ausschristen, wer sie gewesen sind. In diesem nämlichen Stessanschörchen ist ein Altar im Geschmack des r z. Jahrhunderts. Die Malereyen und Bildhauerarbeitcn der Mittlern Jahrhunderte, zeichnen sich durch ihr blühendes Kolorit, das Jugendliche ihrer Gesichter, eine Nachahmung der Natur und einen festen Geschmack aus, den man den alten gothischen heißt; er war der Natur so ungetreu nicht, er war Original, obwohl er von dem griechischen verschieden ist; denn dieser ist auch Original. Im 16. Jahrhundert fieng der achte gothi- sche Geschmack an auszuarten, und wir bekamen dafür elende Nachahmungen griechischer Muster; wiewohl wir in diesem Jahrhundert, in Deutschland den Griechen glücklich nacheifern. Der gothische Geschmack ist ausgestorben, mit ihm die gothische Wildheit und Grösse. Ich glaube bemerkt zu haben, daß die alte hölzerne gothische Brustbilder von Holz mit Gyps überzogen sind; dieser Gyps nun ist zur Statüe geformt, das Holz ist roh. Diese Statüen sind mit Gold und Silber bedeckt. Das Gesicht ist meistens silbern, das Haar golden u.s.w. In der Kirche ist ein Altar aus einer Art wilden grauen Marmors, mit der Inschrift: ic)/^NL8 xnivnniovz von OLkc Nüven sxkMWZiaoRViu nkvxmedwiZ. zuvionvicl pninoioViVi xmnoi'onvivl 00I.0NINN8IZ LI' tonnvinTsesis ON.VIKNH- «IVZ Lonsiiuaniv« xi> OVNI/Vk IN NNVNN I'NNLxLOI'VS ?INlV8 L? ?05VI? ^NNO 1619. Die Eltern dieses Friedrich von der Leyen knieen auf den Heyden Seiten eines Kruzifixes. Diese Art nennt man Familienstücke, auch in Malereven. Ein Altarblatt, stellt den Tod Jesu am Kreuze vor; die Mutter Jesu und Johannes sind vortrestich gemalt, vorzüglich aber Magdalena, wie sie mit unaussprechlicher Betrübnis in der Mtene mit ihrem rechten Arm das Kreuz umschlingt. Johannes und Maria sind in jüdischer, Magdalena in griechischer Kleidung abgebildet. Magdalena ist so rührend, daß man mit ihr Weinen möchte. — Em anders Altarblatt stellt den Kirchenlehrer Hieronymus 21 in einer mit grünen Gesträuchen und mit Cpheu bewachsnen Grotte vor, wie er sich voll heiligen Eifers vor einem Kruzifix mit einem Stein auf die Brust schlagt. Das Feuer in Hieronymus Blicken, die anatomische Nichtigkeit aller Theile seines halbblosen Körpers, die Anstrengung aller feiner Muskeln, in diesem Enthusiasmus, sind ganz unvercieichlich. — Ein Pater sagte mir, daß das Altarblatt des hohen Altars noch schöner fty; es war aber verschlossen. In der Bibliothek sollen sehr viele und seltene Handschriften seyn. Ich verlangte sie zu sehen; aber der Prälat, Herr Joseph Maurer von Rüdesheim, ein ehrwürdiger Mann von 6i Jahren sagte mir, ich könne sie nicht sehen, weil sie seit dem Bauen noch nicht in Ordnung gebracht ftyen. -- Der Hr. Prälat behielt mich bey der Tafel, woran neben den OffiZianten noch Fremde aus Koblenz speißten. Der Speisesaal ist gros und artig. Das Konvent ward im I. 177z. neu erbaut; die Gebäude des Prälaren sind aber älter. Der Prälat gab mir erst feinen Bedienten mit, hernach kam Bruder Leonhard, der Waldausseher, und Schlosser, ein sehr verständiger und witziger Mann; der mir in der Kirche die Merkwürdigkeiten zeigte. Als es z Uhr war, kam der Hr. Pater Gastmeister und sagte mir, ich müsse aus der Kirche gehen; denn die Herrn, der ungefähr 27 sind, gierigen in die Vesper. Das verdroß mich ein wenig, und darauf empfahl ich mich, und Johann Becker, ein braver Mann, der Becker und Aufseher der Oekonomie im Kloster, zeigte mir die Merkwürdigkeiten des Sees. Dieser sagte mir auch, daß man im Kloster zSKühe habe, 8 Rinder, 18 Ochsen, und daß alle 14 Tage zum Unterhalte des Klosters ein Ochs geschlachtet werde. „Die meisten Herrn sind aus Koblenz und der Gegend, und haben eine strenge Regel. Kein Frauenzimmer darf in den Kreuzgang kommen. Die Herrn dürfen aber das Frauenzimmer besuchen. Die neuere Literatur hat noch gar keinen Eingang gefunden. Die Herrn hatten eben Coiloquium und einen fteven Tag. — Im Jahr 1778. am Ende des Mays war daselbst Herr Joseph de Luc aus Gens, welcher diese Gegenden damals bereißte. Er besah erst den See, und gieng nachher in die Abtei), jedoch ohne seinen Namen zu offenbaren. Deshalb war der Herr Prälat mißtrauisch, und begegnete dem Herrn de Luc nicht so, wie er wünschte. Er kam den 28. Mao hicher nach Niedermendig, und reißte am ersten Junius wieder ab nach Koblenz, woselbst er wohl 14 Tage geblieben, und sehr beehrt worden ist, CZ . Gestern 22 Gestern reißte ich von Lang hieher nach Niedermendig, welches z Stunden von Laag ist. Hier besah ich die berühmten Mühlsteinbrüche, wovon ich Ihnen, mein Bester, nächstens den meinem ersten Ruheplätze Nachricht geben will; denn ich habe von diesem frühen Morgen an, bis diesen Nachmittag um z Uhr geschrieben. — Man hat mich zu Laag und hier so mißtrauisch behandelt, daß ich mich gewundert habe; man halt Mick vor einen Spion, zumalen zu Laag; denn alle Klöster sind jetzt aus bekannten Ursachen gegen Fremde mißtrauisch. Das beleidigte mich aber, daß man sein Mißtrauen gegen nuch allzudeutlich merken ließ. Vermuthstch aus Mangel der Kultur: ''LciliLet inZenuos 6i6icille stäeliter zrtes Ir>mollic mores, nec stnic este feros" sagt OviO. Zu Tönnestein sind ungefehr n bis 12 Mönche. Zu den Zeiten Clemens Augusts war ein ungemeiner Zulauf von Fremden daselbst, so, daß Tönnestein der berühmteste Ort im Lande war; jetzt wird es wenig besucht; doch kommen noch öfters Holländer dahin. In diesen Gegenden ist eine grosse Armuth, und dabev eine schlechte Bolizey, welche vermuthlich die Quelle der Armuth ist. Hier in Niedermendig sollen zwevmal die Woche, namuch Dienstags und Samstags, wohl zoo und 400 Bettier, und darunter junge und starke Leute, die alle äusserst frech sind, herumgehen. Das Kloster Laag scheint bey dem gemeinen Manne wegen seines Hochmuthes nicht sonderlich wohl angeschrieben zu scyn, wie ich aus vielen Reden mir allzudeutlich lchliessen konnte. Auf dem Schlosse Schweppcnburg fand ich auch alte erdene Röhren, welche, wie die Gestalt und die Orte, wo man sie gesunden, anzeigten, daß sie zu Wasserleitungen gedient hatten. Diesen letzten Winter ist der Laagersee sechs Wochen nacheinander zugefroren geblieben. Johannsberg den 20. May, Donnerstags , Nachmittags in einer grünen Laube. Gestern Abends spat um 12 Uhr kam ich ^er n ieder glücklich an. Nun, Bester, bin ich wieder im Stande, die auf verschiedenen Zmclchen zerstreuten streuten Anmerkungen aneinander zu reihen und ein vollständiges zusammenhängendes Journal meiner, wie ich glaube, nicht uninteressanten Reise zu liefern. Auf meiner Reise selbst war ich zu sehr mit Beobachten beschäftigt, und zu sehr ermüdet, als daß ich diese Arbeit hatte leisten können, welche jetzt, wie ich hoffe, desto glücklicher ausfallen wird, in je ruhigerer Müsse ich jetzt lebe. -- Das Reisen ist für mich eine der angenehmsten Beschäftigungen, aber kein gedankenloses Herumschwärmen, nein, ein vernünftiges beobachtendes Reisen. — Nie war ich so munter und gesund, als auf dieser Reise; halb krank rcißte ich ab, und vollkommen vergnügt und gesund kehrte ich zurück. So viele Vortheile für uns hat die Bewegung, besonders das Reiten, und eine angenehme nicht zu sehr anstrengende GNbästm- keit. Ich weiß noch gar gut, das mir mein grosser Lehrer, Leidenfrvss/ das Reiten als das einzige Mittel gegen meine Kränklichkeit anzrieß. e Den 21. May. Eine Stunde Südwärts Laag sind die Niedermendiger berühmten Mühlsteingruben. Sie sind zu merkwürdig, ihr Nutzen ist für das menschliche Geschlecht zu allgemein, als daß ich mich mit einigen oberflächichten Anmerkungen begnügen dürste. Sie sind nach der Aussage der Einwohner schon über 8c>o Jahre getrieben worden, wie auch die sehr vielen schon zusammengefallenen, worin alte Buchen wachsen, cinigermassen beweisen. Gegenwärtig wird in zwölf Gruben gearbeitet. Sie sind meistens 2c? bis 24 Klafter tief. Wenn man eine Grube anfängt, arbeitet man schief in die Erde hinein; der Gang wird oben und an beyden Seiten gemauert, und mit einer Treppe versehen. Er ist nicht höher und breiter, als daß man aufrecht hinunter gchen kann; und an einigen Orten muß man sogar seitwärts gehen, um durch zu kommen. Hat dieser schiefe Gang seine hinreichende Tieft erreicht, so fängt man an ein Gewölbe zu brechen. Diejenigen Massen nun, die hoch und dick genug sind, daß Müh- lcnsteine daraus können geformt werden, nennt man eine Schiene. Man macht durch Hülfe eiserner Instrumente Risse; in diese Nisse werden hölzerne, ich glaube eichene/ Keile gesteckt, welche durch das Anfeuchten mit Wasser so aufschwellen, daß sie den Stein spalten. Gelingt dich Spalten gut, so sind die Arbeiter glücklich, wird die Figur des abgezeichneten Steins verletzt, so haben sie viel Schaden. Ilm nun diese Stein- heraus Zuschüssen, ist da, wo der schiefe Gang ein Ende hat, eine senkrechte Grube angebracht. 24 bracht. Zuerst macht man eine runde Oefnung, welche 20 Fuß im Durchschnitt hat, diese wird allmähiig schmäler; man bringt an dem Rande dieser Grube einen Schneckcngang an, worauf man herunter geht; daher Heist eine solche Grube eine Schnecke. Ist die Schnecke 15 Klattcr tief, so Heist der noch vorrachige Boden die Wand; diese Wand wird ohne die Schnecke fort- znsehen weggenommen und in Körben mit saurer Mühe herausgetragen, bis man auf das Ende des schiefen Ganges ins Gewölbe kömmt. Durch diese Grube müssen die Steine Herausgeschaft werden. Dies zu bewerkstelligen ist eine Maschiene ang.bracht, welche viel besser abgebildet, als beschrieben werden kann. ist eine runde ungefähr 8 — 12 — bis 15 Fuß hohe Mauer, worauf r) der Nuhebalken I liegt; auf diesem ruht 2) ein Balken T, weicher 24 Fuß lang ist und 2 Fuß im Durchschnitt hält; am Ende 14 ist noch die Krone von der Wurzel dran; denn ein solcher Baum muß mit der Wurzel aus der Erde gegraben werden. Auf diesem Balken ist nun befestigt z) das Gerüst k lc, dies hat oben einen Balken O, weicher 24 Fuß lang ist, und eine Krone N hat. 4) Zwischen den Baiken O und I? ist ein beweglicher runder Baum, worum ein Seil geht, womit durch Hülfe eines Pferdes die Steine aus der Schnecke herausgewundcn werden. >) ^ ist ein Schwengel mit einer Rolle l>, worüber das Seil ^ -stuft und den Mühlstein L aus der Schnecke L herauswindet. Dieser Schwengel bewegt sich in.den Balken O und L zwischen b/l und kB Das Seil ist einen Arm dick, zo Klafter lang, und kostet ungefehr 112 Rrhlr. — An dieses Seil nun wird der Stein, worin in der Erde schon das runde Loch in der Mitte muß gehauen werden, befestigt; dann wird der mittlere runde Baum, woran ein Pferd gespannt ist, beständig umgetrieben; das Seil geht über die Rolle, wickelt sich um den Baum und hebt den Mühlstein aus der Schnecke heraus; sobald er heraus ist, setzt man ihn durch Hülse des Schwengels aufs Land. — Wenn man keine ordentliche runde Mühlsteine, sondern nur kleinere Stücke Herausschaft, brauet man ein viel dünneres Seil, wodurch der Korb, worin diese Steine liegen, erausgewunden wird; denn alle die kleinern Steine werden in Körben herausgcwunden. — Die Arbeiter nun, die das Glück nicht haben einen ganzen Mühlstein zu erhalten, verdienen den Tag oft mcht mehr als 10 Stübcr. — Dabei) ist diese. Arbeit sehr gefährlich; denn viele büssen ihr Leben ein, viele werden sehr beschädigt. ^ 25 Der Mühlstein ist blau, ganz löcherigt, nicht sehr hart, und hat hier und dort schwarze Flecken. Der beste ist, der weich ist, überall eine gleiche Substanz, eine gleiche Harte, und so wenig Flecken, als möglich hat. Die Mühlsteine werden nach allerhand Caliber verfertigt. Es sind vorzüglich eilf Sorten bekannt. Preiß unver, Prciß lah, Mühlstein — Höhe — Dicke — letzte Rthlr. — mc Rthlr. Sicbenzchncc — zFuß i^Zott — 17 Zoll — 51—36—48 — 16—23 Sechszehner — 4Fuß y^Zoll — izIZoll — 20 — 26 — — Fnnfzchnec — 4Fuß Z Zoll — i^Zoll — 9—10—n— 6-7-K Wierzehncr — 4Fuß ^Zoll — rZ^Zoll — 4 — z __ Dreyzehncc — zFuß 8zZoll — i2zZoll — 2 — 3 — — Wolf (geringste Sorte) z'.Zoll — ii^Zoll— — 2 — — O.uersteine auf Handmühlen. Zwölfer — Z Fuß i Zoll — 5?Zoll — i — Eilfer — 2 Fuß 11 Zoll — 4z?oll —- 52 Stüber Zehnter — 2 Fuß 7 Zoll — 4 Zoll— Zy Stüber Neunter — 2 Fuß z^Foll — z^Zvll — 2y1Stüber Achter — 2F.weniger^Zoll — zZoll — 23^Stüber Von den Senfmühlen halt der Last 24 Stück, welcher 9—ro Rthlr. kostet. Die O.uersteine dürfen nur diejenigen verfertigen, welche in dem Graben ein Unglück gehabt, und in dieser Absicht von dem Domkapitel zu Trier ein Patent hiezu erhalten haben. Die Graben sind ein Eigenthum des Domkapitels, welches den 15 ten Pfennig zieht. Die Handmühlcn bestehen erst aus einem ausgehöhlten Steine, worin am Boden ein Loch ist, damit das Gemahlene auslaufen kann. In diesen past ein andrer Stein. In diesem zweyten Stein ist in der Mitte ein Loch worin ein eiserner beweglicher Stiel ist, der in einer Mutterschraube des hohlen Steines laust; durch Hülfe dieses Stiels und der daran angebrachten Handhabe wird der obere Stein bestandig umgedreht; und so kann man auf eine leichte Art Senf, Kossee und andre Dinge mahlen. D Diese 26 ^ Diese Handmühlen werden nach der Türkey, nach Indien und Amerika, so wie die Mühlsteine überhaupt nach Holland, Engelland, Dänemark u.s.w. verführt. Die Mühlsteine haben aber auch Fehler, welche ihren Preis sehr herabsetzen. In solchen Fallen werden sie durch eiserne Bände geflickt. Windschief sind sie, wenn das Loch nicht gerade in der Mitte ist; dann s chleichen sie zu geschwinde nach einer Seite aus. Sie können auch halb falsch an Stoff, zu dünne und zu kurz seyn, u.s.w. Zu Niedermendig war auch ein gewisser höflicher Mann, Meister Joh. Mannebach, welcher nur eine Probe von dem Graustem, wie man ihn da nennt, brachte, welcher am Wingertsberge und am Tilberge in der Trierischen Domkapitularischen Nicdermendiger Gerechtigkeit gefunden wird. — Er ist ganz schwammigt, leicht und brüchigt; feine Farbe ist dunkelgrau. Man sagte mir, er schwimme auf dem Wasser; dieß halt aber die Probe nicht aus. Weil er äusserst schwammigt, und in diesen Zwischenräumchen eine grosse Menge Luft enthalten ist, so sinkt er im Wasser langsamer unter, als andre Steine. Sobald man ihn in's Wasser legt, fahrt aus seinen Zwischenräumchen eine grosse Menge Luftblasen heraus, und so sinkt er in kurzer Zeit ganz zu Boden. Er wird zum Bauen, und vorzüglich zu Gewölben gebraucht; denn die Kalkspcise zieht gut hinein. Kurfürst Franz Georg von Trier erbaute vor ungefehr 40 Jahren davon die Schönburger-Lust. Dieser ward gebrochen am Tilberge. Gedachter Joh. Mannebach schenkte mir ein Mineral, welches seine Tochter am Tilberge gesunden halte. Es ist glänzend, dunkelbraun, und schwer. Ich halte es für einen Bleyspat. Das Niedermendiger Gebiet ist ziemlich dürftig. Die meisten leben von den Mühlstein graben. — Ich gerieth zu Niedermendig zu einem Wirth, der drey Jahre auf der Klasse zu Koblenz gewesen, und wie dann solche Leute in diesen Gegenden zu seyn pflegen, ein Erzpedant und ein höchst unausstehlicher Mensch war. Ich machte ihn aber doch so treuherzig, daß er mir die schon mitgetheilte Liste der Mühlsteinsorten sehr willig mittheilte, und noch viele andere nützliche Dinge sagte. Anfangs traute er mir gar nicht, und Gott weis es, wofür er mich hielt. Endlich fieng er doch an ein Zutrauen zu mir zu fassen. er Im Jahr 1778. kam der Hr. de Luc aus Genf den 28. Ma» zu Niedermendig an, und reißte am 1 Junius ab. Mein Wirth fligte mir, er habe ein bisgen Lateinisch mit ihm gesprochen, es sey aber ein Rothgerbergesclle im Dorfe gewesen, der die Französische Sprache verstanden, und dem Herrn de Luc zum Dolmetscher gedient habe. Eine Stunde von Niedermendig, zu Bel und anderswo werden die Backofensteine , welche ein röthlichter fleischfarbner Sandstein sind, gebrochen. Sie werden ziemlich weit verführt. Eine Stunde von Niedermendig ist im freyen Felde eine Kirche, - welche man die Frauenkirche heißt. Hier soll der Körper der in der Legende berühmten Gräfin Genovefe ruhen. Unweit davon soll ein Berg seyn, wo Graf Siegfried soll gewohnt haben. Es gehen andächtige Pilger nach Frauenkirch um Genovefens Grabmahl zu besuchen. Ich habe noch merkwürdig gefunden, daß in diesen Gegenden etwas ans sehnliche Dörfer, wie z.B. Niedermendig, Thore haben, wie in andern Gegenden die Flecken und Stäbchen. Freytags, den 14. May reißte ich des Nachmittags um 4 Uhr von Niedermendig ab. Der Roggen war in einem guten Zustande. Uebcrall fand ich die Wege mit Tras und Bausteinen bedeckt. — Ueber eine halbe Stunde kam ich nach Kruft, einem artigen in einem Thale liegenden Dorfe, woselbst eine zierlich gebaute Probstey ist, die dem Kloster Lang zugehört, welches auch Hieselbst die Pfarre hat. Hier werden weichere und härtere Ducksieine in der Ebene gebrochen. — Eine halbe Stunde weiter liegt Gräz, ein Dorf woselbst auf die nämliche Art der Duckstein gebrochen wird. Eine Viertelstunde von Gräz liegt ein ziemlich ansehnliches Dorf Plcid. — Hier gieng ich in den auf dem Felde, vor dem Dorfe liegenden Ducksteinbruch. Hier werden die Ducksteine eben so, wie zu Kruft und Graz in parallelogrammati- sche Steine gehauen. Das gewöhnliche Maas, unter welchem keiner seyn darf, beträgt i Fuß in die Länge und 6 Zoll in die Breite; die Dicke ist von einigen Zollen. Aber die meisten sind durchgehends langer und breiter. Diese so ausgehauene Steine werden in Haufen zusammen gelegt. Und da sie alle gut auf einander passen, so kann ein solcher Haufen leicht abgemessen werden, damit man wissen kann wie viel Fuß der Haufen überhaupt enthält. Jeden dritten Haufen erhalt der Kurfürst von Trier als Grundherr; dabei) müssen D 2 die 28 die Arbeiter ihre zween übrigen Haufen für einen gewissen Preis dem Kurfürsten nach Andernach liefern, der diese Steine dann an die Holländer verkauft. Dieß ist gar zu hart. ^ Ferner werden an diesen Orten auch Backsteine gebrochen, die zum Traö bestimmt sind. Hier findet man viele verschüttete Brüche, worin man vor alten Zeiten gearbeitet hat. — Der tiefer liegende Duckstein ist hier auch allemal viel harter, als der höher liegende. Ein paar Arbeiter versicherten mich, daß man hier alte Lampen und Steinschriften nicht selten finde, daß sie aber dergleichen Dinge nicht geachtet, sondern weggeworfen hatten. — Die Wege waren auch hier überall mit Bimstci- nen bedeckt. Aber das Merkwürdigste in Pleid, ist das unterirdische Duckstein < Gewölbe, das sich unter der Kirche und dem Kirchhofe findet. -- Bey dem Schulmeister Wilhelm Schneider, geht man im Hause eine Treppe hinunter ins Gewölbe. Es ist ungefehr 20 Fuß hoch. Ucberall hat man, indem man den Duckstein weggebrochen hat, zur Unterstützung des Gewölbes ungeheure Ducksteinsaulen gelassen, damit es nicht einstürzen sollte. Immer wechseln grosse Hölen und die Säulen ab; eben diese Abwechslung, die schöne Rundung der Gewölbe, die Weite und Lange dieser merkwürdigen Hölen machen ihre ernsthafte und schaudrigte Schönheit aus. Die Kirche und der Kirchhof ruhen alle auf diesem Gewölbe. Der Küster, der mich mit seiner Tochter begleitete, hatte eine Leuchte bey sich, und verbrannte wahrend dem Herumgehen 5 Strohfackeln; denn ohne die Hülfe der Fackeln würde man die Schönheiten dieser Höle wenig sehen können. Der Boden dieser Hole ist meistens eben, ausser, daß noch von jeher verschiedene ungeheure Haufen Tras darin liegen. Der jetzige Kurfürst von Trier hat diese Höle zwei) - oder dyeymal, und der Graf von Neuwied einmal besehen. Verschiedene andre Grosse und Vornehme haben sie auch besucht. Einige Tage vor meiner Ankunft zu Pleid waren daselbst einige Hauser abgebrannt. Es war um sieben Uhr des Abends als ich abreißte. Man sagte mir, es wäre nur eine Stunde bis Andernach; aber es sind hieher zwo; denn es war 9 Uhr, als ich daselbst ankam. Meine Reise gieng durch eine stäche Gegend und etwas bergab. Ganz nahe bey Andernach liegt das adeliche Nonnenkloster St. Thomas, welches eine niedliche neue Kirche haben soll, die ick aber den folgenden Tag aus Mangel der Zeit nicht besehen konnte. Ich gieng nach den'. 2Y dem Gasthofe, woselbst ich ein paar artige Leute, die Herrn Gebrüder Sieger aus Düsseldorf antraf, die den folgenden Tag weiter reihten. Zu Pleid fand ich eben, was ich auch zu Niedermendig gefunden, näm- lieh Thore beym Aus - und Eingänge des Dorfs. Samstags den is. erkundigte ich mich nach den Merkwürdigkeiten der Stadt 'Andernach. Man wußte mir keine sonderliche zu sagen. Andernach ist Kurkölnisch nach den Sitten des XV l. und XVll, Jahrhunderts gcbartt, hat eine Ritterschaft, ein Gymnasium, einen kurfürstlichen Kölnischen Rheinzoll, auch ein paar Invaliden zur Wache. Die Franziskanerkirche, die fast meinem Gasthofe gegen über war, fand ich in allen Stücken ganz und gar geschmacklos; sie hat dabey nur eine Säulenreihe und zwar auf der rechten Seite, eine Sache, die ich bisher in keiner andern Kirche gesehen habe. ^ Ich gieng darauf nach der Pfarrkirche, welche meine Neugierde viel besser stillte. Diese Pfarrkirche ist nach dem achten Gothischen Geschmack gebaut, und hat erstaunlich viele Denkmäler, die zur Geschichte dieser Gegenden nicht wenig beitragen.— Im XVl. Jahrhundert müssen hier die Wissenschaften, und die guten Künste ziemlich in Aufnahm gewesen feon; denn ein Mann, der am Ruder des Staats saß, war ein Dichter. Sein Monument ist eine schwarze hölzerne Tafel, welche linker Hand des grossen Eingangs der Kircbe hangt, mit folgender mit goldenen Lettern gemalter Aufschrift: oeo msünaeokvi l.vvovicn cavi IIVIVS 0PIVI t^aacieio, VI. eo8. vncaauscä, MoioLMil/c na' nciivioni'n.lNLVZ in xicaraiis ineuvro vxou, st^uia-o inOva.6Loc'i'iZz. umkua i'^nizorri lavucisz. /rialsso vmcv in- rkiaccivivi -rjMpowv son/cino VLuiriuvs evea u/cciavcais r>. o. e. vixii N08 I.V. k). I. I). vill. OLU'I' o. u. cim-)l:2l.xx. XVI. KN!.. nov^icikia. llnter dieser Aufschrift steht ein ziemlich langes, aber sehr schönes und zärtliches im Geschmack des Lotichius geschriebenes lateinisches Gedicht zum Lobe des Verstorbenen, woraus erhellt, daß er ein Dichter gewesen. Es endigt sich mit dem mit Uncialschrist gemalten Vers: IllOKL LZ? INLLNI.'L IUI.H. I-KN.LIMIKV5» Nach der linken Seite steht der Namen des Verfassers ttikironVN. M konCta, — Ich hatte gar keine Zeit dieses Gedicht abzuschreiben, sonst wäre es gewiß der Mühe werth gewesen. Verschiedene der Buchstaben wa» D z ren ..Jahr-- hun- hundert zu scyn scheint, und vielleicht ehedem die Dienste einer Zitadelle geleistet hat. Unweit der Pfarrkirche, steht auf einem Platz eine Säule aus Mühlsteinen mit einem Bildniß oben drauf, welche man beym ersten Anblick für eine Römische halten sollte; aber das Stadtwappen, das darauf ist, widerlegt diese Muthmassung, sobald man genauer acht giebt. — Bey dieser Gelegenheit erinnere ich, daß man aus dem Mühlstein nicht nur eigentliche Mühlsteine, sondern auch Mauersteine, Platten u.V.gl. verfertigt; denn er laßt sich gut bearbeiten, und ist dauerhaft. Wenn er der Luft und dem Regen ausgefetzt bleibt, so wird er endlich ganz schwarz, welches neben seiner Porosität einen sehr unangenehmen Anblick macht, denn so scheint der Stein vom Alter angefressen zu seyn. Bei) den Fratzenköpfen an den alten Gebäuden, ist dieß besonders sichtbar. Ehe ich diese Gegenden verlasse, muß ich über die feuerspeienden Berge, die in ältesten Zeiten wahrscheinlich hier gebrannt haben, einige Muthmassungen wagen. Der Duckstein, der Bimstein, der schwammigte Graustein, der Backofenstein und der Mühlstein sind ohne Zweifel nichts anders, als vulkanische Produckte. — Von dem Duckstein ist es gar kein Zweifel; denn die schwarzen Abdrücke von allerhand Blattern und die Kohlen, die man darin findet, beweisen es hinlänglich. Nun halten einige den Duckstein für die zusammengebackene Asche (od. Lava) eines Vulkans; er kann zum Theil daraus bestehen, aber nicht ganz; denn der meiste, besonders der tief liegende Duckstein ist schwammigt, daß man deutlich sehen kann, daß die Materie, woraus er entstanden, einmal flüssig gewesen scyn muß. — Der Bimstein ist ein noch viel stärkerer Beweiß ehemaliger Vulkane, welcher ohne dieselben nicht entstehen kann. — Nun glaube ich ferner, daß nach der Verschiedenheit der Materien und der Hitze der schwammigte Graustein, der Mühlstein und der Backofenstein durch die Gewalt des Feuers entstanden sind. — Man. halt den Laager See vor den Becher eines Vulkans. Es ist wegen seiner ungeheuren Tiefe von 107 Ellen ziemlich wahrscheinlich. Man erklärt den Ursprung der feuerspeyenden Berge aus der Erhitzung des Schwefels und Eisens. Ich nehme diese Erklärung an; wenn nun diese Materien auegebraust haben, so daß aller unterirdischer Vorrath verzehrt ist, so hören die Vulkane auf; und Szenen des Schreckens werden die Wohnplätze lebender Geschöpfe. ZT ^ , schöpfe. Diejenigen aber, die den Ursprung des Basalts feuerspeyenden Bergen zuschreiben, scheinen sich zu irren; denn in den Gegenden, wo man den Vasalt am häufigsten antrist, findet man weder Bimsteine, weder Ducksteine, weder Lava, noch sonst eine Spur feuerspeoender Berge. Dabep ist der Basalt so häufig, daß ganze grosse Striche Landes müßten gebrannt haben, wenn er dem Feuer seinen Ursprung zu verdanken hatte, welches aber nicht wahrscheinlich ist. Der Duckstein u. s. w. werden aber nur in einem gewissen Bezirke gefunden. — Bios die Porosität des Mühisteins ist ein Beweis', daß seine Materie ehemals muß gekocht haben. -> Ein wenig unter Andernach ist der Kranen. Hier Hort die flache Gegend auf, und der Rhe'in wird an deichen Ufern von hohen Gebirgen und fürchterlichen Felsen eingeschlossen, welches einen romantischen Anblick verschalt. — Eine Stunde weiter ist Fornig, woselbst ein Schlagbaum ist. Gegen Fornig ist am rechten Rheinufer Oberhammerstein, ein schlechter Ort, und ehemalige Festung; auf einem hohen Felsen bei) Hammerstein liegt ein altes verfallenes Schloß; eine Klippe, die auf den Rhein geht, heißt die Hammersiciner Lei), welche sehr fürchterlich aussieht. — Zwischen Hammerstein und Fornig liegt im Rhein das Hammerstciner Werth, ein kleines Ei- ländchen, welches von niemand bewohnt wird, und dem Kurfürsten von Trier zugehört. Gleich unter Andernach gegen Leuderdorf, einem Kumierischen Zolle am rechten Rheinufer liegt das Krumme Werth mit einem artigen Häus» chen; es gehört dem Hrn. Kanon. Meis in Koblenz. Unter Fornig ist die Kreuzdörner Ley, welche daher ihren Namen hat, weil aus ihr ein Brunnen entspringt, woran ein Kreuz steht. Sie besteht aus ungeheuren, unregelmäßigen s und 6 eckigten Basalten, welche wohl 4 bis 0 Fuß im Durchschnitt haben. Sie sind blau mit schwarzen Späths gemischt. Die Obstbäume fand ich in der schönsten Blüthe, welche mich mit ihren süssen Gerüchen erquickten. Gleich unter Fornig hat man den Rhein herunter die herrlichste Aussicht von der Wclc; sie ist es werth gemahlt zu werden. Brests liegt zwo Stunden unter Andernach, ist ein ziemlich gut gebauter Flecken, welcher der Fürstin von Essen gehört; er hat sonst nichts Merkwürdiges. Von ^ ZZ Von der Brohl habe ich bey meiner Heraufrelse Meldung gethan. Nur habe ich von dem Schlosse Rheineck noch etwas nachzuhohlen. Es steht nämlich nach Süden noch ein Theil der Ruinen eines uralten daselbst gestandnen Schlosses, neben welchen ein neues aufgeführt worden. Von dem verfallenen Schlosse geht eine Mauer bis an die fest am Rhein liegende Heerstrasse. Wozu mag diese wohl gedient haben? Vermutlich, um die heraufreifenden Kaufleute und herauffahrenden Schiffe anzuhalten, und zu Abgaben zu nöthi- ge, nwodurch hernach die Rheinzölle entstanden. Eine Stunde unter Breisig liegt in einer sehr schönen Ebene die Kur- pfalzifche zum Herzogthum Jülich gehörige Stadt Sinzig, ein ziemlich reiches Landstadtchen, und eine Poststation. Hier find der neugierige Reisende Gegenstände, die dem Zweck seiner löblichen Reise entsprechen; denn reifen wie Jener, der nur die Kenntniß der besten Wirthshäuser der Lander, die er durchreiset hatte, mitbrachte, ist die elendeste Sache von der Welt; und ein solches Reisen sollte billig verboten werden. Sinzig ist nicht groß; es hat meistens neue Hauser; denn km Jahr 17s8. brannte es am Frshnleichnamstag ab, weil junge Bursche bei) dem gewöhnlichen Umgange mit Flinten in ttocknes Stroh geschossen; und weil damals ein starker Wind war, brannte das Stadtchen in solcher Geschwin-k digkeit ab, das fast niemand seine besten Sachen retten konnte. Was das Feuer nicht verzehrte, wurde gestohlen. Dem Herrn Hofkammerrath Vithens allein, wurde vor ein paar hundert Rthlr. Silberwerk gestohlen. Ober dem Stadtchen liegt das Minoritenkloster an einem Hügel. Diese Minoriten haben ein Gymnasium, das aber, wie alle Institute in diesen Gegenden sehr schlecht seyn muß; denn ein im vorigen Herbst gedrucktes Programm war so elend und in einem solchen barbarischen Deutsch abgesast, daß ich mich höchstens wundere, daß man mitten in Deutschland so elend schreibt. Und dies thun doch Leute, die Gelehrte heissen wollen. — O Zeiten, 0 Barbarei)! -- Die Pfarrkirche ist ein ächtes altes Gothisches Gebäude; sie ist von Duckstein in's Kreuz gebaut; und schon ihr äusserer Anblick flößt Ehrfurcht ein. — Einige Fenster sind rund, die andern länglicht und nach aussen vertieft, eben so wie nach innen, so, daß sie gerade in der Mitte der Mauer sind. E Im 54 Im zweyten Stockwerk sind runde Fenster angebracht, welche nach innen und nicht nach aussen vertieft sind. Die runden sowohl als die langlichten Fenster haben runde dunkle Fensterscheiben. Der Boden der Kirche ist sehr uneben wegen der vielen eingesunkenen Grabmaler. — Die Säulen sind von Graustein. — Das Altarblatt des hohen Altars ist schlecht, und stellt die dem Kaiser Constantin dem Grossen geschehen seyn sollende Erscheinung des Kreuzes vor, mit der Beyschrift: ?-m0eivl In live riAno Vintes, worin die Jahrzahl 1708. enthalten ist. Ein anderer Altar soll das Monument des Stammvaters der Grafen von Metternich seyn. Er ist von einer Art grauen wilden Marmors gemacht. Ferner ist in dieser Kirche ein wunderthatiges Marienbild, welches in dem Felde bey Bodendorf soll gefunden worden seyn. Ein heiliges Grab, welches in einer Ecke auf der linken Seite der Kirche steht, ist in Stein gehauen, mit den darum stehenden Statuen Josephs von Arimathia, des Evangelisten Johannes, der drey Marien, und des Ni» kodemus. Es ist sehr natürlich. Ein Altarblatt aus der auf dem Kirchhof stehenden Kapelle lag zusammengerollt in der Kirche in einem Schrank. Es stellt die Geburt des Heilandes vor, und ist vorrreflich gemalt; nur scheinen mir die Finger der Jungfrau Maria zu lang zu seyn. Die Kirche soll vor ungefehr 700 Jahren erbaut worden seyn. Sie hat den augenscheinlichen Mangel, daß ihr eine Orgel fehlt. Auf dem Kirchhof an der östlichen Seite der Kirche liegt die Kapelle mit einer unterirdischen Gruft, worin ein berühmter unverwester Körper liegt. Der Pfarrer hat den Schlüssel dazu. Ich lies ihn um denselben durch den Küster bitten. Er lies sich verlaugnen. Ich sagte dem Küster ganz dreist, daß ich nicht glaubte, daß jemand gleich nach dem Mittag in einer so grossen Hitze, (denn das Fahrenh. Thermometer hatte 7z Grad über o,) spazieren gicng. Der Küster gestand die Wahrheit, und sagte ich mög, te selbst hingehen. Ein kleiner Knabe führte mich hin. Der Knabe lief vor mir hin; und ich war schon vor der Thür, als der Herr Pfarrer zum Knaben rief: „Ich bin nicht zu Hause.,, Ich gieng aber dreist hinein, und sagte dem Pfarrer, der eben aus der Stube kam, was der Zweck meines Besuchs ^ Z5 suchs wäre. Nach einigen Weigerungen erhielt ich von dem Hochwürdigen Herrn den Schlüssel mit dem angehängten Befehl keinen Mißbrauch von der Besichtigung des vertrockneten Körpers zu machen. Ich gieng also wieder weg, ohne daß mich der höfliche Mann ersucht hatte in die Stube zugehen. Der Küster wunderte sich sehr, daß ich eine so unverhofte Gnade erhalten hätte, welche seit vier Jahren keinem Fremden widerfahren wäre. Wir giengen in die - unter der Kapelle befindliche Gruft. Hier fand ich die Todtenknochen in ganzen Haufen, und in der Mitte eine Baare mit einem Sarge,. wovon der Deckel gläsern war. Als der Küster den Deckel aufgehoben hatte, erblickte ich einen vertrockneten männlichen Körper in einem weissen Todtenkleide. Die Hand ist elastisch, und fühlt sich wie Leder an; hat aber übrigens eine graue Farbe; das rechte Auge ist verloren gegangen; das linke hangt aber als ein vertrocknetes Knöpfchen vor dem Kopf; die Lippen sind nach oben und unten zurückgezogen, so daß die blossen Zahne eincn fürchterlichen Anblick machen. Auf dem Kopf sind gar keine Haare. Ans der rechten Schulter ist ein Stück Fleisch bis auf das Schulterblatt weggeschnitten, welches die französ. Truppen im siebenjährigen Kriege als eine Reliquie unter sich gctheilt haben, und dafür in dem Krieg am Leben geblieben ftyn sollen. Die linke Hand liegt über der rechten; denn die Arme sind kreuzweis übereinander gelegt worden, welches, wie man sieht geschehen ist, als der Körper noch biegsam war. Man will, daß er einen künstlichen Blumenstrauß in der rechten Hand gehabt habe, als man ihn gefunden hat. -- Auf der linken Hand bemerkte ich den Falten der Haut zwischen den Nageln und der Haut, und auf den Fingern eine weise Materie, die wie Kreide, Gyps oder Kalch aus- ah. Der Bart war ungefehr drep Linien lang. Sonst war der Körper ganz steif. Der Küster sagte mir, die Geburtstheile waren ganz verschrumpft. Die Todtenkiste war von Tannenbrettern, schwarz angestrichen, und auf dem Deckel mit einem weisen Kreutz. In dem neuen Kasten lag unten das Todtenhemd, worinn man ihn gefunden hatte; es war von ziemlich feinem Leinen, woran an den Aermeln nach der Aussage des Küsters kupferne Krämpfe gewesen. Man soll diesen Körper vor ungefehr izo Jahren gefunden haben. Am Anfang hat man ihn sehr verächtlich behandelt. Allein vor ungefehr so Jahren lies ihn eine Gräfin von der Lei) in einen neuenj gläsernen Sarg legen, und ihm ein neues Tvdtenklcid verfertigen. Fromme Seelen nahmen ihre Zuflucht in allerhand Nöthen zu ihm, und schenkten ihm einen prächtigen E 2 Kranz Z6 Kranz von künstlichen Blumen, zwei) paar leinene Strumpfe, mit rochen sei- denen Schleifen, die um die Maden gebunden sind, und Pantoffel. Der Küster sagte mir die rochen Schleifen seyen von Jemand geschenkt worden, den der Heilige von der Gicht befteyt. Jzt hat der Pfarrer alle Verehrung dieses Körpers verboten. Man will, daß dieser Körper vor Jahren begraben worden sey. Dies ist sehr unwahrscheinlich; denn nach der Todtenliste, worinn man ihn gefunden, muß er aus dem iz. oder 14. Jahrhundert seyn. Man hat keine Schrift oder Anzeige seines Namens bey ihm gefunden. Vielweniger weis man etwas von feinem Leben. Nur das Vorurtheil, das ein nicht verfaulender Körper ein Merkmal der Heiligkeit der Seele sey, die diejcn Körper ehemals bewohnt, hat den schwärmerischen Pöbel zur Verehrung dieses Körpers, und zu allerhand kühnen Erdichtungen verleitet. Entweder hat dieser Körper in Gops, Thon oder Mergel gelegen, wie die weise Materie in dem Hautfalten der linken Hand anzuzeigen scheint, oder in einem trocknen ducksteinartigen Erdreich; denn man hat mir versichert, daß ehedem zu Sinzig Ducksteinbrüche gewesen sind; und die Strassen sind in diesen Gegenden voll von Tras und Bimsteinen. Und ich setze den Fall, keines von allen diesen Dingen soll zu der Austrocknung dieses Körpers etwas beigetragen haben, giebt es uns nicht noch unbekannte der Fäulniß wiederstehende Ursachen? In dem Rathskeller in Bremen bleiben mensch- liche-und thierische Körper, die man hinlegt, unverweslich, vermuthlich durch die Kraft unbekannter Ausdünstungen. Wie viel aber das Austrocknen zur Verhütung der Fäulnis beytrage, beweißt die tägliche Erfahrung; denn ohne eine hinlängliche Menge Wassertheile wird die faulende/ eben so, wie jede Gährung verhindert. Daher sagt schon Aristoteles/ baß zur Fäulnis Warme und Feuchtigkeit erfordert werbe. — Mögten doch die betrogenen Sterblichen an statt neue Götter; und neue Reliquien auszusuchen den einzigen, wahren, allmächtigen, allweisen und allgütigen Schöpfer des Weltalls, dessen Geist al» les erfüllt, erkennen, und im Geist und in der Wahrheit anbeten! Ader der Aderglaube, der gröste Beweis menschlicher Schwäche, war bey allen Völkern, und zu allen Zeiten sinnreich, sich von dem wahren Gott zu entfernen, und selbstgewähltem Tand, selbst erfundenen Gesetzen nachzuhängen. Mehr Ruhm als alle tobte Körper bringt Sinzig, daß es der Geburtsort der berühmten Dichterin Marianne Deurer geb. Vithens ist. Sie ist eine Tochter des sel. Hofkammcrrath Vithens. Sie war an verschiednen Orten Gouvernantin, und heyrachete im Jahr 1782. im Sommer den Herrn F. ^ Z7 F. Deurer, einen Evangelisch-Lutherischen Kandidaten. Die beyden rechten so fort nach Haniburg, und wollten mit Empfehlungen nach Petersburg gehen, woselbst ihr Mann nach Campcns Lehrbüchern die Knaben, und sie selbst nach der Beaumont Mädchen unterrichten wollte. Das Projekt zerschlug sich, und sie halten sich jetzt, wie ich höre, in den Staaten des Kaisers auf, und beschäftigen sich mit der Erziehung. In Hamburg wurden sie mit Herrn Campe bekannt, der sie seinen Freunden und Gönnern bestens empfahl. Ich habe Mariannens Originalbriefe gelesen, die sie an ihren Vetter, Hrn. Apotheker Vithens in Remagen geschrieben hat, auch verschiedene herrliche Gedichte, z.B. Elegie eines Sächsischen Bergofficirs, auch ein artiges Gedicht von ihrem Manne, das er bey der Abreise nach Hamburg zu Bonn den 24. Aug. 1782. schrieb; es führt den Titel: "An meine Lieben in Remagen, Bonn d. 24. Aug. 82." Marianne hat neben dem dichterischen Ruhm noch das Verdienst eine grosse Kennerin der Sprachen und Wissenschaften zu seyn; und sie schreibt eine zierliche Handschrift. Das Glück war ihr nicht sonderlich gewogen, welches seine Geschenke dem Verdienst zu entziehen, und entweder an vornehme, und vevdienstlose oder gar schlechte Leuten zu verheilen pflegt. Wenn Tugend, Wissenschaften, Genie, Redlichkeit und Geschmack belohnt zu werden verdienen, so verdienen es gewiß Marianne und ihr Mann. Im 1.1778. war auch Herr de Luc, der eine Vo^aZe l'^llenwZns geschrieben, in Sinzig; er sah den todten Körper, und ein französischer Pater aus dem Minoritenkloster, welches Oöe heißt, begleitete ihn. — Sinzig liegt am Aarfluß, eine kleine halbe Stunde vom linken Rheinufcr entfernt. - Nun schlug ich mich über den Aarfluß, seitwärts nach dem Gebirge. Ich reifste durch eine Fläche bis ich auf Bavendorf, eine halbe Stunde von Sinzig einem Dorfe mit einer Herrschaft kam, welche dem Baron von Klud in Koblenz gehört, und einen Herrschaftlichen Richter, den Hrn. Li- zentiaten Schlemmer, den Verfasser verschiedner ökonomischer Schriften, in Linz, hat. -- Bodendorf liegt an der Aar, welche wegen ihrer milden rochen Weine, die an ihren anmuthigen Ufern, in den schönsten Thälern wachsen, berühmt ist. Ober Bodendorf reißte ich das Gebirge herauf. An den Holwegen fand ich vielen Mergel. Eine halbe Stunde ober Bökendorf, liegt schon auf dem Berge der Kühlerhof, und eine halbe Stunde weiter Küch- dong, welche beyde dem Hrn. von Klud und zur Bodendorfer Herrschast ge- E z hören.' hören. Zu Kirchdong mußte ich diese Nacht bleiben/ weil mein Begleiter, wegen seiner bösen Füsse nicht fortkommen konnte. Kirchdong liegt in einem anmuthigcn fruchtbaren Thale. Die heil. Apollonia wird hier gegen die Zahnschmerzen verehrt. Sonntags den 16. reißte ich frühe weg. An den Ufern der Heerstrasse fand ich viel weisse Pfeiffencrde bis nach Eckendorf zu, welsches zwo Stunden vonKircbdong liegt. Zu Eckendorf ist die Gegend schon ganz stach. Nicht weniger fand ich auf eben diesem Wege Basalte, welche auf den nächsten östlichen runden Gebirgen gefunden werden. Bei) Eckendorf liegt ein verfallenes Schloß, Ohndorf oder Münchhausen genannt, woselbst der Französ. König Childorich entmannt und als ein Mönch soll gelebt haben. Trauriges Beyspicl der Barbarei) der vorigen Zeiten l — Eine Stunde von Eckendorf liegt klein Aaldorf, ein artiges Dörfchen, woselbst ich das schönste Korn gesehen, welches schon in den Aehren und i z Elle war. Eine Stunde von klein Aaldorf liegt zwischen dem Jülichschen das Kurkölnische Städtchen Reimbach, mit einem kleinen Gebiete. Es ist ganz klein mit alten und schlechten hölzernen Häusern, wie dann meistens die Städchen in diesen Gegenden zu seyn pflegen. — Ich gieng, weil es gerade Sonntag war, in die Pfarrkirche zum Gottesdienst. Die Pfarrkirche liegt vor der Stadt. Es war gerade ein Fest mit einem feierlichen Umgang, welches man die Gottestracht nennt, und in den niederdeutschen katholischen Gegenden gewöhnlich ist. Es war eine ziemlich erträgliche Predigt. Aber der Geistliche, der die hohe Messe sang, hatte einen unerträglichen lateinischen Acccnt; die harte Aussprache des a e v und u klang ganz unangenehm in meinen Ohren; doch es ist in diesen Gegenden ganz gewöhnlich, daß man das Lateinische sehr schlecht ausspricht. Diese schlechte Aussprache kömmt von Köln her, woselbst die meisten jungen Leute dieser Gegenden studieren. Man kann sie daselbst in allen öffentlichen Reden und Lehrstunden hören. Das Wort Theologie z.B. muß wie "Thceologie" ausgesprochen werden, aber in Köln spricht man es ganz hart wie "Theologie aus. Nach der Messe gieng die Prozession wieder nach der Kapelle in der Stadt zurück. Hier sah ich verschiedene schöne junge Mädchen, wie man dann deren viele in diesen Gegenden antrift. Besonders fielen mir vier prächtig geputzte, die ein Marienbild trugen, und mit Kränze» geschmückt waren, in die Augen. Auch zählte ich wenigstens zwölf Knaben, welche weisse Chorhemde und Kränze von künstlichen Blumen trugen. In der Messe klingelte man beständig mit kleinen Schellen, welcher Geschmack an Schel- W Z9 Schellen mir wenigstens ganz Chinesisch vorkam, eben so wie die bekränzten Knaben ein Ueberbleibsel griechischer Sitten anzeigten. — Sogar die Prozession und das Herumtragen der Bilder, wovon das Fest den Namen Gottes- tracht, (Ideopbvria,) hat, sind griechischen Ursprungs, eben so wie der Titel: I'omikdx l^aximus, den der Pabst führt, Römischen Ursprungs ist. Denn der Oberpriester im alten Rom mußte zugleich die Tiberbrücke im Stande halten, und hies daher ?omikex l^aximaz, d.i. Oberbrückenmeister. Freylich werden unsrc Priester mit dem Brückenmeisier zu Rom diese kühnen Vergleichungen für heterodox halten. Doch, ich kann mir nicht helfen; ich muß meine einfaltige Meynung, nach meiner Gewohnheit, gerade heraus sagen. — Reimbach hat vortrefliche Aecker und Waldungen. 11 Morgen Landes sind vor 72 Gulden verkaust worden. Auch ist hier eine Mission, welche die Exiesuiten halten, wobei) sie zu gewissen Zeiten auf einem öffentlichen Gerüste predigen und allerhand Scharlatanerien treiben. Eine Stunde Westwärts Reimbach liegt ein runder Berg der Tomberg genannt, wovon ein Amt seinen Namen hat. Es liegt auf diesem Berg ein runder Thurm, das Ueberbleibsel eines ehemaligen freyhsrrlichen Schlosses. Man hat mir erzahlt; daß noch vor nicht gar langen Jahren ein Mann in einem Keller daselbst eine schwere silberne vergoldete Lichtputze gefunden habe, ferner, daß eine Wasserleitung durch die Erde vom Tomberge bis nach Reimbach auf eine Mühle gegangen sey, wodurch man zur Noch habe gehen können. — Auch diesem Tomberg werden auch Basalte gebrochen. Ueber» Haupt habe ich bemerkt, daß die hohen kegelförmigen Gebirge Basalte haben.— Eine Stunde von Reimbach liegt nach Norden Flammersheim das Hauptdorf einer Herrschaft gleiches Namens, woselbst der Besitzer, Baron von Dalwigk, ein Schlos, und seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Es sind daselbst verschiedene Protestanten, welche Tuchfabricken haben. Der Hr. Baron, ein sehr schöner, artiger, gelehrter, geschmackvoller Mann, ist selbst re- formirt. Daselbst ist neben dem Herrschaftlichen auch ein Kurfürstlicher Vogt; denn der Baron ist nur Mithcrr. Hicrselbst herrscht ein sehr grosses wechselseitiges und verhaßtes Mißtrauen zwischen den Katholiken und Protestanten, ein sehr grosses Uebel für das gesellschaftliche Leben und die Aufklarung. Der Freyherr von Dalwigk, ist auch der Besitzer des oben erwähnten Tombergs. Und das Amt hat davon seinen Namen. — Eine Viertelstunde I von Flammersheim liegen die Heyden Schlösser Ringsheim und Schweinheim, wo- 4-, wovon jenes dem Baron von Mannteufel gehört. — Zu Flammersheim blieb ich den 17. May, und besuchte auf den Nachmittag den Herren des Ort?, der mir mit einer besondcrn Freundlichkeit und Höflichkeit begegnete. — Bey meinem Onkel, der bisher herrschaftlicher Vogt gewesen war, traf ich seine Schwiegermutter, die Frau Trimborn, die ihn eben besuchte, eine alte ?2jäh- rige, aber überaus artige, freymüthige und muntere Dame an. Sie lebt jetzt aus Liebe zur Ruhe schon sechs Jahre in einem Kloster in Düren, woselbst sie sehr zufrieden ist. Sie hat die französckSprache in ihrer Gewalt, und überhaupt die freye und gefällige Lebensart dieses Volks, ob sie gleich eine Deutsche ist. So viel vermag eine gute Erziehung und ein munteres und gefälliges Betragen. Gewiß diese Frau gefällt mehr in ihrem ?2ten Jahr als manches Mädchen im 2Oten. Ein wohlerzogenes Frauenzimmer ist ein Engel, ein übelgeartetes oder schlechterzogenes ein Teufel! — Den :8ten reißte ich des Morgens um halb fünf Uhr weg. In dem Flammersheimer Wald, der be» zwo Stunden lang ist, und aus lauter ehrwürdigen, vor Alter schon abgängigen, Eichen besteht, ward ich in einen grossen, aber leeren, Schrecken gesetzt. Nämlich ungefebr um halb sechs stieg ich vom Pferd ab, hing den Zügel an eine Knorre einer Eiche, und befahl meinem Begleiter bey dem Pferd zu bleiben. Ich gieng darauf ungefehr 20 Schritt bey Seite in den Wald. Ich verweilte mich ein wenig; und als ich zurück kam," war kein Pferd und kein Kerl zu sehen. Ich rief den Kerl oft bey seinem Namen, erhielt aber keine Antwort. Ich gieng den Weg herunter, und rief noch einigemal ans vollem den Mann bey seinem Namen. Der Gedanke, daß der Mann mit meinem Pferd und den Mantelsack durchgegangen wäre, war sehr natürlich. Ich getröstete mich meiner Sachen; aber den Verlust meiner Papiere, worunter ein Theil dieser Reisebeschreibung war, bedauerte ich am meisten. Ich gieng fort, und machte schon Projeckte, wie ich meinen Schaden verbessern wollte, als ichMtzlich das Pferd wiehern hörte. Ich rief den Mann noch einmal bey seinem Namen, und er antwortete mir. Der gute Mann war eben so voll Verwunderung, als ich. Er war dem Weg nachgegangen; und weil das Perd ihm Angehörte, so hatte es, als er schon ziemlich weit fortgegangen war, den Zügel zerrissen, und war ihm in vollem Galopp nachgelaufen. Der Mann hatte vermuthet, ich sc» unglücklich gewesen, und war mit dem Pferd schon etwas zurückgegangen, besonders 4l besonders da der nicht fest angeschnallte Satte! mit dem Mantelsack auf einer Seile gehangen hatte. So endigte sich dieser Schrecken zu meiner nicht geringen Zufriedenheit. -» Ich kam von Reimdach, welches eine Stunde von Flammersheim liegt, nach klein Aaldorf auch eine Stunde von Reimbach, und dann nach Gelsdorf eine Stunde von klein Aaldorf. Der Herr Richter Custodis in Gelsdorf hatte mich den vorigen Tag zu Flammersheim nach Gelsdorf zu kommen ersucht. — Gelsdorf ist eine Herrfchaft mit einem prächtigen Schlosse, welche der Herr geheime Rath von Graben in Bonn von dem Herrn von Halderg in Wien um 100,000Rthlr. gekauft hat. Herr Custodis ist daselbst geboren und seinem fel. Vater in; Amte gefolgt. Er wohnt in einem zu dem Schlosse gehörigen Gebäude, woselbst er sehr artige Zimmer hat. — Das' Schloß ist nach Jtaliänischer Art im Jahr 1756. erbaut worden. Die Aufschrift über der Thüre ist: "H, Motel saus Leim" und recht gut gewählt- — Die Gemälde und Kupferstiche in diesem reizenden und wohl meub- litten Landhause, sind werth angeführt zu werden. -- Im Speisesaal sind vier grosse vier Fuß lange und zwcv Fuß hohe Kupferstiche, welche die Thülen Alexanders des Grossen vorstellen, nach Gemälden des le Brün von Gunst gestochen. Der erste Kupferstich stellt die Schlacht bey Arbela vor. Alexander erscheint hier ausserordentlich geschäftig, der zweyts dm Sieg über den König Poms / wo der edle Stolz des Königs Perus und die Edelmuth Alexanders treflich ausgedruckt sind, der dritte den Einzug in Babylon. Alexander auf einem Triumphwagen mit der Miene der Hoheit und dem stolzen Bewustseyn einer halben besiegten Welt ist meisterhaft. Im vierten Kupferstich, die Schlacht beym Granikus/ ist Alexander voll Wuch, und nicht der liebreiche Held, der er beym Anblick des Porus ist. — In einem andern Zimmer ist noch ein, hiezu gehöriger fünfter Kupferstich, der Sieg bey Zstus/ wobey Alexander das Lager des Darms eroberte, und dessen Familie in seine Gewalt bekam. Sisygambis, die Mutter des Darms, zu den Füssen Alexanders, Alexander mit seinem, ihm an Gestalt und Alter gleichen, Herzensfreunde Hephästion, mit dem edelsten Mitleid im Antlitz, sind eine rührende Scsye. Mit der reinsten Lust verweilte mein Auge auf diesen unsterblichen und rührenden Denkmälern der vomeflichsten Kunst. Doch riefen mich wieder andre von derer Betrachtung ab. In dem nämlichen Speisesaale ist ober dem Kamin ein versteinerter Fisch , wie es F scheint 42 scheint, aus dem Karpfengeschlechte, von Baumberg in Westphalen, milder Unterschrift: "Laumbergä zVestpbalize me gsnuir." In dem zweyten Stockwerk fand ich in einem grossen Saale folgende Gemälde: i) die Auferstehung des Heilandes, 2) Johannes in der Wüste, z) ein Alter mit einem Madgen und zwey Kindern, 4) Manasses im Gesang, niß zu Babel, s) Hieronymus, sehr schön. In der Hauskapelle war eine Magdalena auf Holz sehr artig, und in einem Schlafzimmer Herkules und Omfale, wie jener dieser zu Gefallen spinnt. "Li-üstl^us rubusto stsäuxic xollice stla" sagt Ovid. Man sieht deutlich, wie albern der durch Weiberliebe bethörte Held bey seiner unanständigen Beschäftigung aussieht, wie sehr hingegen die mit den verführerischen Reizen geschmückte Buhlerin, über ihren Sieg triumphirt. — Ferner findet man auf diesem Schlosse viele aus'er, lesene Kupferstiche aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, welche biblische Gc- schichten vorstellten, die von de Vos erfunden, von Collärt gestochen, und von Galle herausgegeben worden. — Herr Nichter Custodis ist ein Mann von Wissenschaften und Geschmack, und ein Kenner der römischen, der sranzös. und neuern deutschen Literatur, und, welches wohl zu merken, ein Leser von Klop stock und Horaz. Gewiß ich bin auf seine Freundschaft recht stolz. — Um das Schloß sind viele Teiche, Garten und Alleen. Man hat vom Schloß die reizendste Aussicht von Osten nach den steben Bergen. Und die Nähe des Waldes und der Gebirge nach Westen, macht diese Gegend ungemein anmuthig. Die Herrschaft soll alle Jahr ungefehr zsoo Rthlr. einbringen. Herr Richter Custodis war so gütig, mir die Literatur und Dichterfreunde in den dasigen Gegenden zu nennen. Es sind folgende: ;) Herr Prior Pirsons, zu Marienthal, ein Franzose. 2) — Pfarrer Kirpaul, zu Aar weiter. z) — Pater Maximin Boudler, zu Aarweiler. 4) — Gerichtschreiber Roberts, des Amts Neuenaar zu Aarweiler. 5) - Amrsschreiber Ttppel, zu Adendorf im Gräflich Leyischen Gebiete. 6) Herr ^ 4 z 6) Herr Hofr. Stockhausen zu Beul, Vogt im Amte Neuenaar. 7) -- Pastor Best zu Erstvorf, Literator, Historiker, besonders in der neuern Geschichte. Man giebt ihm Hetsrodoxie und Hederichianis- mus Schuld. Dieses kleine unvollständige Verzeichnis worunter Hr. Nichter Custodia den ersten Platz verdient, beweißt, daß auch in diesen Gegenden die Literatur in Aufnahme sey. — Bonn wird ohnedem der Sitz der Wissenschaften und des guten Geschmackes werden, und Düsseldorf in kurzem übertreffen; denn wo hat ein Land einen Fürsten wie Maximilian Franzen, den edlen Nach- eifrer der grossen Josephs? Zu Gelsdorf sind ein paar schöne Blausteinwaarfabriken. Herr Richter Custodis führte mich in die des Herrn Schultheis Johann Peter Knötchen. Diese Waare, die in Krügen und allerhand üblichem Hausgerathe besteht, wird aus weisser Kleyerde oder Pfeifenerde gemacht, die man von der Aar bis nach Flammersheim, und an's Vorgebirg findet; die beste giebt es aber zu Röngen im Kurpfalzischen Amt Neuenaar; wovondannen sie sogar nach Amsterdam und Amerika verführt wird. — Herr Knötchen ließ einen Brunnen graben, und fand zwar i8Fuß Kleyerde, aber gar kein Wasser. — Diese Kleyerde wird zerrieben, mit Wasser zu einem Teige gemacht, wovon Stücke abgeschnitten, und, so wie zu Tönnestein auf's Rad gebracht werden. Der Töpfer nimmt aber keine gewisse Porzion der Masse, sondern macht aus einer grossen Porzion des Teiges, der auf der Are des Rades liegt, so lange Geschirrs aus frever Hand, bis der Teig alle ist, welches sehr künstlich ist. Man macht daselbst unter andern Sorten grosse und kleine Englische Wasserkrüge, worauf die Buchstaben G. R. stehen, welche nach Londen geliefert werden; und Düsseldorfer Krüge, welche ein halbes Düsseldorfer Maas halten. Von dieser Sorte kann ein Mann iso Stücke in einem Tag, und von den grossen Londenschen Krügen sO Stücke in einem Tag verfertigen. Wenn die Waare gedreht und etwas trocken ist, so ritzt ein blos hiezu bestelltes Mädchen die Figuren mit einem hölzernen Instrument, mit grosser Geschicklichkeit, auf die Waare, und streicht die Figuren mit einer blauen Farbe aus Sachsischen Blau, Schwefel und F 2 Wasser 44 ^ Wasser an. Ehe die Waare in den Ofen kommt, wird sie auf platte dreyeckigte Füsse gestellt, welche nur einmal gebraucht werden können; denn sonst dacht die Waare an. Die Füsse werden auf folgende Art gemacht: Erst formt man runde Kuchen, und dann schneidet man mit einem Messer aus zween übereinandergelegten drei) Stücke nach der Rundung heraus, so daß der runde Kuchen eine Gestalt wie drey Sicheln bekommt, nemlich an drey Ecken, damit man die darauf gestellten Krüge wieder anfassen kann. Dann läßt man sie ein wenig trocknen, sondert sie ab, und legt sie unter die Waare. Sie können nur einmal gebraucht werden; denn sonst werden sie zu Glas, und kleben an der Waare fest. Der Ofen ist ungefehr 20 Fuß lang und 7 Fuß hoch und hat 9 Zug/ zöcher, eben so, wie jener zu Törmestein. — Es werden ungefehr fünf Klafter Holz ihn zu heitzen erfordert. Herr Knötchen liefert seine Waare uach Amsterdam, Londen, Hamburg, u.s. w. Zu Gelsdorf ist auch noch eine solche, fast eben so starke Fabricke, welche dem Jungbecker zugehört. Ferner sind auch solche Fabricken zu Ohndorf und Erstdorf. Die Herrschaft Gelsdorf ist Jülichsch, aber das Schloß ist Kurköl- nisch. — Herr von Graben hält sich meistens in Bonn auf, in den schönen Jahrezeiten aber einigemal bey sechs Wochen auf seinem Landhause zu Gels, dorf. In seiner Abwesenheit wird es von einer Haushälterin bewohnt, und im Stande erhalten» Bey dem Freundschaftlichen Herrn Richter Custodiö blieb ich bis des Nachmittags um sUhr, da ich auf Eckendorf -Stunden von Gclsdorf, auf Kirchdong 2 Stunde von Eckendorf rechts. Zu Kirchdong waren die Aepfelbäume jetzt in der schönsten Blühte, da sie am Rhein schon den iE blühten. Von Kirchdvng ist es noch eine Stunde auf die Kurpfälzische Poststazion Remagen. Der Weg dahin, gehr durch den angenehmsten Wald von der Welt. Ungefehr gegen 8 Uhr war der harmonische Gesang der Nachtigallen so stark, daß ich ganz entzückt wurde. Man kommt, deym Apollinarisberge den Berg herunter, wo die schönste Aussicht von der Well, ^ 45 Welt, den Rhein herunter und herauf, und vorzüglich nach den sieben Bergen ist, wovon man nur ein paar Stunden entfernt ist, und welche man alle im Auge hat. ----- Ich kam um 9 Uhr zu Remagen an. — Den folgenden Tag, am 19. May. gieng ich des Morgens auf den Apollinarisberg, welcher gleich unter Remagen auf einem hohen Felsen am Rheinufer liegt. Er ist eine dem Prälaten von der Abtey Siegburg, an der Sieg im Ber- gischen Freyherrn von Seraing, gehörige Probstey. Gegenwartig war nur ein Kaplan, Herr Bühlstahl, ein Weltgeistlicher da. Die Kirche ist klein aber niedlich gebaut. Sie ist wegen des Kopfs des heil. Bischofs Apollinaris berühmt, und wird von vielen Wallfarthen besucht, denn der heil. Apollinaris soll die Kopfkrankheiten heilen. Es sind zwey Altarblatter in der Kirche z) Apollinaris 2) Magdalene von dem Hrn. Hofmaler Fischer in Bonn. — Der Herr'Kaplan, ein höflicher Mann, führte mich m's Staatszimmer des Prälaten, woselbst einige artige Gemälde waren. 1) Ein gelehrter Jude, 2) eine alte Frau, z) eine Frau mit einem Licht, 4) Maria, s) Anna, 6) Joseph, 7) verschiedene kleine Gemälde, welche Bauernscenen vorstellen, die besonders gut find, 8) das Porträt des Herrn Prälaten von Seraing, welcher ein schöner vierzigjähriger Mann ist. Siegburg ist eine freyherrliche Benediktiner-Abtey. Die darin wohnenden Edellcute sind wegen ihrer guten Lebensart und ihrer Liebe zu Künsten und Wissenschaften allgemein beliebt. — Die itzige P.robstcy scheint ein Gebäude des vorigen Jahrhunderts zu seyn. Aber es stehen noch Ruinen eines viel altern Gebäudes da. Neben der Probstey ist ein schöner Garten auf einem hohen Felsen angelegt. Das Staatszimmer der Prälaten hat eine herrliche Aussicht auf den Rhein. Ueberhaupt liegt diese Probstey sehr fest, angenehm und so romantisch, als man sich immer vorstellen kann. Zu Remagen kam diesen Morgen frühe Herr Hülsner, Hofschaufpie- ler zu Bonn, an, der in drey Wochen eine Reise nach Leipzig gemacht hatte, und nun nach Bonn zurückreiste. Wir sprachen über schöne Ge, genden: Er gestund, daß die Rheingegenden bey Ehrenstein, Altewied, Saftig und Brunsberg unter die schönsten von Deutschland gehörten; er sagte mir zugleich, daß die Gegenden um Wezlar und Hannövrisch Minden ganz paradiesisch waren. Herr Hülsner war auch in Holland gewesen, und A z xühm- *) Siehe die Prospekte. 46' ^ rühmte das Wappen van Emden in die Warmötstraat in Amsterdam, als einen guten deutschen Gasthof gar sehr. Und gute Gasthöfe sind in Hol, land sehr selten. Die meisten Gastwirthe sind so gut, als Beutelschneider. Zu Remagen , das eine ehemalige römische Kolonie war, die Nigoma, gus soll geheifsen haben, werden viele römische Münzen und Alterthünm gesunden. Remagen hat einen katholischen Prediger und einen reformirten, Hrn. Daniel Dublin, der zugleich eine Lateinische Schule hat, einen sehr würdigen Mann, einen Arzt, Herrn Dr. Schumacher, einen Wundarzt, und einen Apotheckcr, Herrn Vithens, einen Neffen der berühmten Dichterinn Marianne Vithens. Herr Vithens hat eine Demois. Lieblein aus Fuld gcheyrathet, eine Schwester des Herrn Dr. Lieblein, Prof. der Arzneykunst daselbst, der sich durch ein paar nützliche Schriften bekannt gemacht hat, nämlich durch sein Jnauguralschrift "^mmsäuerlwnes ckemico. plmrina- cemicas" und die ?Ior» ?ui^eniis. -- Sonst habe ich Remagens in meiner Reisebeschreibung vom Jahr 178z« gedacht. Eine Stunde von Remagen liegt am rechten Rheinufer das Kurkölni- schc Städtchen Linz mit einer sehr schlechten Lateinischen Schule, einem Kapuziner kloster, einem Nonnenkloster, einer Pfarrkirche, und einer Kapelle. DastZbst ist auch ein Kurkölniscber Rheinzoll. Der meiste Handel geht nach Köln, der Grafschaft Neuenaar nach den benachbarten Orten und dcm Walde. Von da reiste ich des Abends um sieben Uhr weg , besuchte noch die Einsicdle» meines Freundes Bennerscheid. Er war aber abwesend, und ritt um 9 Uhr ab nach dem Waide in's Amt Altewied, woselbst ich nach drei) Stunden Hey meinem Bruder des Nachts um 12 Uhr ankam. Man sehe hieven den Prvspeckt Nv. X. Nun ruhte ich ein wenig aus , besorgte meine Geschäfte, gieng auf ein paar Tage nach Düsternau im Hachenburgischen. Wovon ein kleiner Prospeckt auf dem Titelblatt abgebildet ist, u. s. w. Den ?..Junius mußteRch wiederum nach Hönningen in Amtsge» schalten reisen. Meine Reise gieng durchs Kurkölnische Amt Neuenburg, (ein 47 (ein altes Schloß in dieser Gegend hat dem Amte diesen Namen gegeben,) über das Dorf Vurscheid, und über Nosbach ein artiges Dorf an der Wieddach in einem romantischen Thale. Hierftlbst ist ein sehr hoher kegelförmiger Berg der auf einem andern Berge liegt, wo es fehr dicke harte Basalte giebt. — Ich kam ferner auf die Linzer Haynen, woselbst auch ein runder Berg, der Stumpcrich, Basalte von der weichen grauen Art enthalt. -- Ehe man nach Hönningen kommt, liegt das Gräflich Ley- ische Schloß Argenfels auf einer Klippe am Abhang des Berges. Es ist ein Gebäude des 16. Jahrhunderts mit hohen Bollwerken nachdem Rhein zu. Es ist ein Thiergarten dabey, worin aber jetzt kein Wildpret mehr ist, und die meisten Eichen gefällt sind. In Hönningen hat die Madame Jamens eine schöne Sammlung von Porträten Trierischen Kurfürsten. Die Herrschaft Hönningen/ gehörte ehedem der Grafl. Jsenburgischen Familie. Beym Aussterben dieses Geschlechtes, fiel sie durch das Recht des primo occupAnris an Kurtrier. Ein gewisser Graf von der Leo war Kurfürst, und schenkte diese Herrschaft als ein Lehen jemanden aus seiner Familie, welche es noch besitzt. Aber der jetzige Kurfürst fordert die hohe Gerichtsbarkeit, wie er denn ganz neulich, diese Woche die hohe Gerichtsbarkeit in Forstsachen durch den Herrn Geheimenrath Coßausen aus Koblenz, einem Sohn des berühmten sel. Leibarztes Cohausen, behauptet hat. Eine Viertelstunde ober Hönningen liegt in einem Thale ein schönes Landgut, der Mönchhof, welcher der Norbertinerabteh Rommersdorf bey Neuwied gehört. — Dieses anmurhige Thal hinaus erstreckt sich bis aus den Berg der prächtige Hönningerwalb, welcher ungefähr 2000 Morgen hält und izStunde lang ist. Weil er in gutem Stande schalten wird, so entsteht nie ein Holzmangel darin. Alle Jahre werden gewisse Di- strickte gefällt; und dieß wechselt ad, auf diese Art bleibt er immer in einem guten Stande. Er macht nebst den Weinbergen den vornehmsten Theil des Reichthums der Hönninger Einwohner aus. In den Gegenden am Rheinstrom, im Trierischen, Kölnischen, Jü- lic hschcn, Bergischen, nicht weniger auf dem Walde, findet man an den Landstrassen viele kleine Häuschen, worin Statuen der Heiligen stehen; diese nennt nennt man HciligtnhäuSchen. Herr Kanonicus Jacob» macht in seiner Sommerrcise hierüber eine schöne Anmerkung. Er sagt, daß, wenn man hiervon auf unfern Geschmack in den schönen Künsten schließen sollte, man uns bey der Nachwelt billig für Barbaren halten würde. Eben dieses denke ich von den Kreuzen und Kruzifixen. Der sterbende Heiland ist mir, so wie jedem wahren Christen, äusserst rührend. Aber warum soll ich das Kreuz, sein Marterwerkzeug verehre». Ein gemaltes oder geschnitztes Kruzifix rührt mich und muntert mich zur Ehrfurcht gegen den auf, der für der Welt Sünde starb, aber ich verehre es nicht als Bild oder Statue. Der Jude dultete, und duldet noch gar keine Bilder, ingleichen der Muselman. Sollten nun Christen etwas, das Anlas zur gröbsten Abgöttcrey siebt, in ihren Tempeln zur Verehrung aufstellen ^)? Wahrlich nicht. Aus dieser kurzen Reisebeschreibung, werden Sie, mein Theurer, sehen, wie viele Mißbrauche noch zu tilgen übrig sind. Aber sie werden weder Zo- st'phs noch» Maximilians Adlerblicken entgehen. Ja, diese erhabenen Vater des menschlichen Geschlechts, diese erwählten Werkzeuge in den Händen des gütigsten Schöpfers, werden die längst verfallenen Rechte der unterdrückten und entehrten Menschheit wieder herstellen und behaupten» kekuZuus sb mtsZro leclorum nzseitu? oräo; law reckt st vlrZo*»), reäeunt Laturnia rsZns. vikQir,. Ivel. IV. v. 5--6. lam liclsZ, et pax, et lronor, puäorczus ?rlleu8 neZleÄÄ reckrs virtus ^uäet; spparet^ue deata pleno Lopia cornu. R0KX1-. csrm. Iksculzre. Johannsberg, dcn z. Junius, I7L4. Dcr rohe und ohne alle Erziehung erwachsene Pobel konnte dazu verleitet werden» übrigens aber weiß es jeder vernünftige Katholik, daß die Christus Bilder zur Erin' uening, und nicht zur Verehrung ausgestellt sind, auch nicht zum reinen Gottesdienst gehören. Anonym. ") Aswäa die, als Zens den Saturn verjagt hatte, die Erde verließ, und zum Himmel floh. - —— » ... ' L o^7c^.- A